Weltweit leiden zirka eine Milliarde Menschen unter dem sogenannten obstruktiven Schlafapnoe- Syndrom - einer Erschlaffung der oberen Atemwege. Der Atemweg im Rachenbereich verengt sich oder blockiert ganz. Beim Ein- und Ausatmen entstehen laute Schnarchgeräusche. Aber viel wichtiger ist: Der Körper wird nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Eine Gefahr für Leib und Leben. Günter Klose ist selbst Betroffener und Vorsitzender der Selbsthilfegruppe für Schlafapnoe Husum e. V..
Man schätzt, dass es allein in Deutschland 26 Millionen Apnoe-Kranke gibt. Wie hoch ist Ihrer Einschätzung nach die Dunkelziffer?
Klose: In Deutschland werden schlafbezogene Atemstörungen mit acht bis 26 Prozent der Bevölkerung angegeben. Die Direktorin des wissenschaftlichen Komitees der European Academy of Dental Sleep Medicine Dr. dent. Miche De Meyer aus hat Zahlen vorgestellt, nach denen Schlafstörungen ein pandemisches Problem sind.
Was raten Sie Menschen mit Verdacht auf Schlafapnoe? Verdacht auf Schlafapnoe?
Klose: Nehmen Sie Kontakt mit einer Selbsthilfegruppe für Schlafapnoe auf, die Sie bei Ihrem weiteren Vorgehen beraten kann, also zum Beispiel die Anschriften von Schlafmedizinern kennen, welche Sie dann adäquat an zertifizierte Schlaflabore weiterleiten werden. So werden oft unnötige Odysseen vermieden.
Welche Möglichkeiten gibt es, auch mit einer Erkrankung, weitgehend einschränkungsfrei zu leben?
Klose: Wenn ein die Betroffener verordnete Therapie und eine vorherige ausführliche Beratung durch den behandelnden Arzt beziehungsweise durch eine Selbsthilfegruppe akzeptiert, ist ein einschränkungsfreies Leben durchaus gegeben. Hat ein Patient trotzdem Schwierigkeiten zum Beispiel mit der Maske oder dem Gerät, sollte er unbedingt Kontakt mit dem Versorger aufnehmen, der nach Einleitung der Therapie durch den Schlafmediziner für ihn zuständig ist und der die Probleme - vielleicht durch einen Maskenwechsel - aus der Welt schaffen kann.
Was ist die größte Herausforderung der Apnoe-Forschung und -behandlung für die Zukunft?
Klose: Einführung der flächendeckenden Telemedizin in der Schlafmedizin. Dadurch würden Kosten in Milliarden-Höhe gespart und die teilweise unverantwortlich langen Wartezeiten bis zur Einleitung der Therapie vermieden. Der Aufbau eines interdisziplinären Netzwerks aus Schlafmedizinern, HNO-Ärzten, CMD-Spezialisten (die Abkürzung steht für Craniomandibuläre Dysfunktion, eine Funktionsstörung des Kausystems, Anm. d. Verf.) und Physiotherapeuten ist für die Schlafmedizin wichtig. Nicht wirtschaftliche Überlegungen, sondern die Patienten müssen im Vordergrund stehen. RÜDIGER OTTO VON BROCKEN
Selbsthilfegruppe Schlafapnoe Husum e.V.
Günter Klose
Marienhofweg 43
25813 Husum
Telefon 04841/6969707
E-Mail g.klose.husum@web.de
Internet www.schlafapnoe-nf.de