„Wir wollen im ersten Schritt jungen Menschen durch den Behördendschungel helfen“, sagt Finja Luca Ulrich, die die Jugendberufsagentur Kiel koordiniert. Der Gedanke dahinter: Wer sich einmal traut, Hilfe zu suchen, soll einen Ansprechpartner haben und nicht verschiedene Stellen anlaufen müssen. Wer das Angebot der JBA nutzen möchte, der muss nicht lange nachfragen, man kann meist auch ohne Termin einfach vorbeikommen.

So arbeiten in der JBA mehrere Bereiche unter einem Dach oder sind mit anderen eng verzahnt. In Kiel beispielsweise gehören dazu das Jobcenter für Jugendliche, die Berufsberatung der Bundesagentur für Arbeit, die Jugendhilfe und Erziehungsberatung sowie die Bildungsbegleitung der (Regionalen) Berufsbildungszentren dazu. Vor Ort beraten in der Regel mehrere Fachkräfte parallel – je nach Anliegen auch gemeinsam an einem Tisch.
Häufige Fragen sind: „Was kann ich eigentlich werden?“, „Ich brauche ein Praktikum, weiß aber nicht welches“, „Ich habe Ärger in der Ausbildung“ oder auch „Ich will ausziehen, wie geht das, und wer hilft mir dabei?“
Ein wichtiger Baustein – und in Kiel eine Besonderheit – ist die Regionale Ausbildungsbetreuung (RAB). Dirk Heines arbeitet dort als Berater für den Großraum Kiel. Das Angebot gibt es landesweit, in Kiel sitzt die RAB in denselben Räumen wie die Jugendberufsagentur. Der Kern der RAB ist psychosoziale Unterstützung rund um die Ausbildung – besonders dann, wenn es im Betrieb oder im persönlichen Umfeld schwierig wird. Anders als Programme wie die „Assistierte Ausbildung flexibel“ (AsAflex), bei denen Nachhilfe und sozialpädagogische Begleitung eine zentrale Rolle spielen, setzt die RAB vor allem bei Konflikten, Belastungen und Krisen an: Streit mit Ausbildern, Stress im Team, Angst vor Gesprächen im Betrieb, Überforderung, fehlende Anerkennung. Dirk Heines kann auf Wunsch sogar zu Terminen im Betrieb begleiten oder Gespräche moderieren. Vertrauen ist dabei die Grundlage, die Beratung ist freiwillig und unterliegt der Schweigepflicht.
Auch wer den Ausbildungsbetrieb wechseln möchte, ist in der RAB gut aufgehoben. In der Beratung wird gemeinsam sortiert: Was genau ist passiert? Welche Anteile haben beide Seiten? Was kann man klären und was nicht? Dirk Heines sagt, dass am Ende viele doch im Betrieb bleiben: Wenn Konflikte aufgearbeitet, Erwartungen geklärt und Betriebe sensibilisiert werden, gelingt es oft, die Ausbildung zu stabilisieren.


Beide – Jugendberufsagentur und Regionale Ausbildungsbetreuung – sehen, dass die Problemlagen umfangreicher werden. Unsicherheit, Orientierungsprobleme und psychischer Druck sind wiederkehrende Themen: fehlendes Feedback in Betrieben, das Gefühl, nicht wertgeschätzt zu werden, aber auch Belastungen aus dem Elternhaus.
Wichtig ist Finja Luca Ulrich außerdem der Blick über Kiel hinaus: Jugendberufsagenturen gibt es in Schleswig-Holstein flächendeckend in Kreisen und kreisfreien Städten (teils auch digital). Die Einrichtungen sind landesweit vernetzt und arbeiten zusammen. Auch die Regionale Ausbildungsbetreuung ist landesweit organisiert und in verschiedenen Regionen erreichbar. Wer also Unterstützung braucht, muss nicht alleine herausfinden, wohin: Genau dafür sind JBA und RAB da – als niedrigschwellige, vertrauliche Anlaufstellen auf dem Weg in Ausbildung und Beruf.
Julia Voigt