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Auf zwei Rädern zu mehr Lebensqualität

Fotos: Julia Voigt; Uwe/stock.adobe.com

Mobil zu bleiben bedeutet im Alter oft weit mehr, als nur Wege zurückzulegen. Es geht um Selbstständigkeit, um das Stück Freiheit und um das gute Gefühl, Einkäufe oder Arztbesuche weiterhin eigenständig erledigen zu können. Unsere Redakteurin Julia Voigt hat darüber mit Daniel Sauter von der Fahrradbörse in Elmshorn gesprochen.

Die Fahrradbörse gibt es bereits seit Mitte der 1980er-Jahre. Daniel Sauter selbst ist seit 2001 dabei. Damals, noch Azubi, hat er das kleine Unternehmen 2020 übernommen. Was ihn für seinen Job immer wieder begeistert? "Für mich ist es nicht das Fahrrad an sich, sondern mitzuerleben, wie Kunden dem Laden über Jahre hinweg treu bleiben, wie aus Kindern Erwachsene werden, die irgendwann mit ihren eigenen Familien wiederkommen. Mich motiviert besonders das Vertrauen, das ältere Menschen in uns haben, wenn es um Sicherheit, Unsicherheiten und manchmal auch um die eigene Überwindung geht." 

Schon seit Mitte der 2000er-Jahre hat sich das Unternehmen gezielt auf Reha- und Seniorenfahrzeuge sowie Lösungen für Menschen mit Einschränkungen spezialisiert - egal ob körperlicher oder geistiger Art. "Gute Beratung braucht Zeit", weiß der Rad-Experte. Termine dauern häufig zwischen einer halben Stunde und anderthalb Stunden, manchmal auch länger und werden nicht selten über mehrere Gespräche verteilt. 

Die zentrale Frage ist für ihn nicht das Alter, sondern der Nutzen: Was möchte jemand mit dem Rad machen? Nur eine kleine Runde im Dorf drehen, regelmäßig zum Arzt fahren, das Rad mit in den Urlaub nehmen? Daraus ergeben sich dann Punkte wie Gewicht, Größe, Handhabung, Faltbarkeit oder bei E-Bikes die Reichweite. Im Idealfall, so beschreibt er es, bringt man nicht einfach ein Fahrrad in den Alltag - sondern "versucht, in ihr Leben das richtige Fahrrad zu bringen".

Gerade für ältere Menschen hält Sauter einfache Lösungen für besonders. wichtig. Ein Rad sollte leicht verständlich sein und ohne unnötigen „Schnickschnack“ auskommen. Auch bei einem Pedelec, also einem Fahrrad mit elektrischer Unterstützung, sei eine einfache Bedienung entscheidend: an, aus, ein paar Unterstützungsstufen – fertig. Gleichzeitig rät er, auf namhafte Hersteller zu achten, schon allein wegen der Ersatzteilversorgung. 

Viele Unsicherheiten entstehen laut Daniel Sauter nicht, weil Menschen grundsätzlich nicht mehr fahren könnten, sondern weil das Rad nicht richtig eingestellt ist oder weil das Handling unterschätzt wird - besonders, weil ein E-Rad durch Motor und Akku oft schwerer ist. Sein Rat ist deshalb klar: eine ergonomische Beratung im Fachhandel nutzen.

Dabei wird geprüft, ob die Sitzposition stimmt, ob Sattelhöhe und Abstände passen und ob die Bremsen gut erreichbar und leicht zu bedienen sind. Vieles lasse sich heute einstellen, sodass die Handhabung deutlich sicherer wird. Ergänzend empfiehlt er, sich ganz praktische Tipps fürs Auf- und Absteigen zu holen oder im Idealfall ein Fahrsicherheitstraining zu machen. Typische Fehler sieht er beim Bremsverhalten, beim Auf- und Absteigen und bei der Routenplanung. Wer merkt, dass er unsicherer wird, sollte auch die Wege anpassen: Enge Gassen, Sperren oder unübersichtliche Stellen, die früher kein Problem waren, können schnell zur Überforderung werden. Der Alltag sollte dann bewusst einfacher gestaltet werden.

Daniel Sauter rät bei größeren körperlichen Einschränkungen zu speziellen Dreirädern.
Daniel Sauter rät bei größeren körperlichen Einschränkungen zu speziellen Dreirädern.
Unternehmen aus der Region

Eine wichtige Option im Bereich Mobilität im Alter sind Dreiräder. Sauter beschreibt sie als äußerst stabil und bei richtiger Bedienung als kippsicher. Sie bieten nicht nur mehr Sicherheit, sondern auch praktischen Nutzen: Einkäufe lassen sich transportieren, Wege können selbstständig erledigt werden, besonders dann, wenn Autofahren nicht mehr möglich ist oder Busverbindungen fehlen. Wenn jemand mit Einschränkung auf dem Rad unterwegs ist und es eng wird, helfe vor allem eins: Ruhe bewahren, abbremsen, notfalls stehen bleiben und warten. In der Regel liegt die Geschwindigkeit von Dreirädern bei etwa 20 km/h, manche Modelle sind zusätzlich gedrosselt oder individuell einstellbar.

Beim Thema E-Mobilität begegnen dem Fachhandel vor allem Mythen und Ängste - am häufigsten die Sorge um die Reichweite. Daniel Sauter hat gute Argumente dagegen: Moderne Pedelecs erreichen häufig Reichweiten von über 100 Kilometern. Und laden lässt sich nicht nur zu Hause, sondern an jeder normalen 230-Volt-Steckdose, sofern man das passende Ladegerät dabei hat. 

Entlang vieler Radwege gibt es inzwischen auch spezielle Ladestationen, dennoch empfiehlt er eher die klassische Steckdose als Experimente mit Ladesäulen, die dafür nicht ausgelegt sind. Insgesamt sei vieles weniger kompliziert, als manche befürchten - vorausgesetzt, das Rad wird gepflegt: Reifendruck prüfen, Kette ab und zu ölen, Service nutzen.

Für einige Reha- oder Spezialräder gibt es außerdem die Möglichkeit, dass die Krankenkasse die Kosten teilweise oder sogar vollständig übernimmt. Voraussetzung ist meist ein Handicap und eine ärztliche Verordnung beziehungsweise entsprechende Atteste. Diese Fahrzeuge haben eine sogenannte Hilfsmittelverzeichnis-Nummer (HMIV), über die dann abgerechnet werden kann; ein Eigenanteil fällt in der Regel trotzdem an, Sauter nennt aktuell 255 Euro.

Am Ende ist für den Rad-Fachmann eine Botschaft besonders wichtig: unvoreingenommen bleiben. Viele Menschen zögern aus Stolz oder weil sie nicht wahrhaben wollen, dass sich etwas verändert hat. Doch Sicherheit und passende Unterstützung sind kein Rückschritt. Gerade im Alter lohnt es sich, Hilfe anzunehmen und Entscheidungen nicht zu überstürzen. Statt eines Schnellschusses rät er, verschiedene Modelle zu testen und sich Zeit zu nehmen.



// Julia Voigt


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