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Das eigene Risiko minimieren

Hygiene wird für die Feuerwehr immer wichtiger: Auch für die Wehr in Moorrege haben Claus Marg (rechts) und Jakob Nawrot jetzt ein Konzept entwickelt. Foto: Cornelia Sprenger

Krebsgefahr: Feuerwehren im Kreis Pinneberg setzen auf besondere Hygienekonzepte

Dass sich Feuerwehrleute verschiedenen Gefahren ausset- zen, ist kein Geheimnis. Ob Flammen, einstürzende Bauteile, Stromschläge oder Chemikalien die Risiken sind ihr ständiger Begleiter. Was für einige vielleicht nicht direkt auf der Hand liegt: Das häufigste Risiko ist Krebserkrankung. eine Durch Brandrauch ist die Gefahr im Vergleich zur Normalbevölkerung um ein Vielfaches erhöht - bei einigen Krebsarten sogar um das 50 bis 100-Fache. Die Gefahr lauert im Ruß und in Giftstoffen, die bei Nachlöscharbeiten über die Haut oder kontaminierte Kleidung aufgenommen werden.

Ein lange unbekanntes Risiko: Feuerwehrkrebs

Die Wehren im Kreis Pinneberg minimieren dieses Risiko nun durch moderne Hygienekonzepte. Im Fokus steht der Kleiderwechsel, erklärt Claus Marg, Zugführer der Feuerwehr Moorrege. Noch vor Ort wird die Einsatzkleidung abgespült, ausgezogen und für die Reinigung in Containern verstaut.

Weltweit dauerte es Jahrzehnte, bis dieses Risiko anerkannt wurde. „Lange Zeit galt ein rußverschmiertes Gesicht und nach Rauch stinkende Kleidung als Zeichen für echte Kerle“, sagt Marg. Erst in den letzten fünf bis zehn Jahren fand in Deutschland ein Umdenken statt - befeuert durch die WHO-Einstufung des Berufs als „krebserregend“ (2022) und die verpflichtende Schwarz-Weiß-Trennung - durch die Unfallkassen.

Seitdem bekommt das Thema Einsatzhygiene eine immer größere Bedeutung bei der Feuerwehr. Vor allem das Thema „Schwarz-Weiß-Trennung“, also die Trennung zwischen kontaminierter (schwarzer) und nierter sauberer (weißer) Ausrüstung, Kleidung und auch Räumen. Auch in Moorrege, wo die Brandeinsätze eher selten vorkommen. „Früher sind wir nach Einsätzen einfach mit der rußverschmierten Einsatzkleidung in die Fahrzeuge gestiegen und in die Wache gefahren und haben die Kleidung für den nächsten Einsatz in den Schrank gehängt“, erklärt Marg. Und als Berufsfeuerwehrmann bei der Feuerwehr Hamburg weiß er: Das war nicht nur bei den kleinen freiwilligen Wehren so, sondern auch bei den Berufsfeuerwehren.

Heute verlangen die Unfallkassen bei den Neubauten der Freiwilligen Wehren, dass Ruß-Bereiche (Werkstatt, Fahrzeughalle) und Rein-Bereiche (Umkleiden, Küche) baulich strikt getrennt sind. Zudem muss die Ausrüstung nach jedem Einsatz professionell gereinigt werden.

Für die Moorreger Brandschützer findet die Schwarz-Weiß-Trennung vorerst nur am Einsatzort statt. „Noch während der erste Einsatztrupp im Gebäude ist, bereitet der zweite Trupp draußen die Hygienestrecke vor“, erklärt Jakob Nawrot, zuständig für das Hygienekonzept. Auf Planen wird die Kleidung abgespritzt, während die Trupps noch die saubere Luft aus ihren Flaschen atmen.

Noch zu Jahresbeginn musste dies im Freien geschehen. Im Mai erhielt die Wehr jedoch ein neues Logistikfahrzeug mit Standheizung im Laderaum, was das Umziehen im Winter erleichtern wird. Die belastete Kleidung bleibt bis zur professionellen Reinigung unter Verschluss. „Wenn es an der Wache nach Rauch riecht, ist etwas schiefgelaufen“, sagt Marg.

In Rellingen gibt es bereits seit November 2025 den sogenannten Gerätewagen Logistik. Davor ziehen die Feuerwehrleute ihre Einsatzkleidung über einem Beutel aus, der dann verschlossen in einem Rollcontainer landet. So kann die verrußte Ausrüstung gleich nach dem Einsatz sicher aufbewahrt werden. Zusätzlich hat der Wagen eine Dusch- und Toilettenmöglichkeit. In Halstenbek ist die Feuerwehr seit Mai 2025 mit einem Abrollwagen-Hygiene ausgestattet . Auch der dient der Schwarz-Weiß-Trennung. 

Überraschenderweise zeigen Studien aus den USA und Skandinavien, dass nicht Lungenkrebs das Hauptproblem der Feuerwehrleute ist, sondern Hoden- und Prostatakrebs (100 beziehungsweise 28 Prozent erhöhtes Risiko). Noch ist Krebs bei Feuerwehrleuten nicht als Berufskrankheit anerkannt, Verbände kämpfen jedoch dafür. Um Kausalzusammenhänge künftig beweisen zu können, nutzt die Wehr Moorrege nun die „zentrale Expositions-Datenbank“. Hier wird jeder Kontakt mit Rauch oder kontaminierten Gegenständen präzise dokumentiert. Für den Fall der Fälle haben die Feuerwehrleute dann ausreichend Beweise zur Hand. Cornelia Sprenger

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