Medizinische Versorgung, Herzdruckmassage und der Gebrauch des Defibrillators – das sind normalerweise keine klassischen Aufgaben der Freiwilligen Feuerwehr. Doch in den vergangenen Jahren haben viele Wehren im Kreis Pinneberg sogenannte AED-Gruppen ins Leben gerufen. Die Abkürzung steht für „Automatisierter Externer Defibrillator“. Das Prinzip: Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand alarmiert die Leitstelle die Feuerwehrleute zusätzlich zum Rettungsdienst. Da die Kameraden im Ort wohnen, sind sie oft entscheidende Minuten früher beim Patienten.
André Buresch erinnert sich noch genau an seine erste Reanimation. „Ich stand auf dem Parkplatz unserer Wache, als der Einsatz einging“, erinnert sich der freiwillige Feuerwehrmann aus Appen. „Als der Rettungswagen kam, hatten wir den Patienten schon zweimal defibrilliert.“
Reanimation: Ein Wettlauf gegen die Zeit

Die Wehren in Appen, Egenbüttel und Quickborn haben ihre AED-Gruppen gegründet, um Menschenleben zu retten. „Als wir in der Zeitung von der neu gegründeten Gruppe in Egenbüttel gelesen haben, sind wir ihrem Beispiel gefolgt“, erzählt André Buresch aus Appen. Und als Dennis Timm, Gründer der Egenbütteler Gruppe, später davon erfuhr, dass die Appener Kameraden eine Übungspuppe angeschafft hatten, stellte er seinerseits einen entsprechenden Antrag. Mit dabei ist auch Marcel Scheel aus Quickborn. Die drei Männer wünschen sich, dass jetzt auch andere Wehren ihrem Vorbild folgen.
„Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand kommt es auf jede Minute an“, erklärt Dennis Timm. Als ausgebildeter Sanitäter und Disponent in der Rettungsleitstelle weiß der 40-Jährige: Steht das Herz länger als drei Minuten still, sterben bereits die ersten Hirnzellen ab. Nach fünf bis sechs Minuten ist für den Patienten selbst im Fall einer Rettung kein erfülltes Leben mehr möglich. „Die Rettungswagen halten immer die gesetzliche Hilfsfrist ein“, sagt Timm. „Aber je nachdem, wo sich der Patient befindet, können wir als Feuerwehr oft schneller da sein.“
Mehr Einsätze als erwartet
Die Einsatzzahlen können sich sehen lassen: In Egenbüttel und Rellingen gab es in den ersten zweieinhalb Jahren rund 50 Alarmierungen für die AED-Gruppe, in Quickborn waren es in eineinhalb Jahren ähnlich viele und im kleineren Appen im selben Zeitraum rund zehn Einsätze. „Wir hatten bei der Gründung höchstens mit zehn Einsätzen pro Jahr gerechnet“, sagt Dennis Timm. „Jetzt sind es mehr als doppelt so viele.“
Der erste Einsatz in Appen, vom Anfang des Artikels, war ein voller Erfolg: Der Patient konnte mit eigenem Kreislauf ins Krankenhaus gebracht werden und kam zwei Wochen später in die Appener Feuerwehrwache, um sich für seine Rettung zu bedanken. Doch so erfolgreich sind leider längst nicht alle Einsätze der AED-Teams.
In den meisten Fällen gelingt es den Rettern nicht, die Menschen ins Leben zurückzuholen. „Das liegt nicht daran, weil wir einen Fehler bei der Herzdruckmassage oder beim Einsatz des Defibrillators machen würden“, sagt Marcel Scheel. „Wir werden meist einfach zu spät gerufen.“ Meist ist niemand bei dem Patienten, wenn er einen Herzstillstand erleidet. Und wenn die Retter eintreffen, können sie nichts mehr machen. Scheel weiß: „Wenn bei einem Herzstillstand direkt eine Reanimation durchgeführt wird, ist die Überlebenschance hoch.“
Wer sich ehrenamtlich für die AED-Gruppe meldet, muss also damit rechnen, häufig Tote zu sehen. Er muss mit dem Leid der Angehörigen zurechtkommen und auch mit tragischen Situationen.
„Ich habe insbesondere vor den Leuten großen Respekt, die beruflich nichts mit dem Rettungsdienst zu tun haben“, sagt Dennis Timm. „Die machen das richtig gut und sind oft als Erste vor Ort.“ Und trotzdem gibt es immer die Möglichkeit, sich psychologische Hilfe zu holen oder den Einsatz mit den Kameraden nachzubesprechen.
Beeindruckend ist die Fachkraft-Quote: In Quickborn haben 19 von 29 Mitgliedern der AED-Gruppe eine rettungsdienstliche Ausbildung, in Appen sind es 6 von 15. Es sind Menschen, die hauptberuflich Leben retten und in ihrer Freizeit „einfach Bock haben, zu helfen“, wie es Dennis Timm formuliert.
Anfangs war der Rettungsdienst überrascht, wenn am Einsatzort plötzlich sechs kompetente Ersthelfer standen. Heute ist die Zusammenarbeit eingespielt. „Es ist ein riesiger Vorteil“, sagt Scheel. „Bei der kräftezehrenden Herzdruckmassage können wir uns abwechseln, Materialien holen oder uns Zeit für die Angehörigen nehmen.“
Cornelia Sprenger
AED versus First-Responder
Sowohl AED-Gruppen sind bei den Freiwilligen Feuerwehren angesiedelt und haben das Ziel, bei medizinischen Notfällen die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes zu überbrücken. Sie gelten als eine spezialisierte Eingreiftruppe ausschließlich für Herzstillstände. First Responder hingegen sind medizinische Allrounder. Anders ist es bei den First-Responder-Gruppen . Diese rücken bei fast jedem schweren Notfall aus – vom schweren Sturz bis zum Schlaganfall – und verfügen über eine entsprechend breitere Ausbildung und Ausrüstung.