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Stotterstart, Spektakel, Störgeräusche

Ein bisschen ratlos wirken die Handballer der SG Flensburg-Handewitt, als wüssten sie nicht so genau, wie sie die gerade zu Ende gegangene Spielzeit bewerten sollen.    Foto: Ingrid Anderson-Jensen

Die SG verbessert sich in einigen Bereichen, doch der gewünschte Erfolg fehlt – die Tops und Flops einer ereignisreichen Saison.

Die Saison 2025/26 ist Geschichte - und die SG Flensburg-Handewitt wird sie möglicherweise als besondere, nicht aber als besonders erfolgreiche in Erinnerung behalten. Historisches hatten die Handballer schaffen wollen: Aus dem Titelhattrick in der European League aber wurde ebenso wenig etwas wie aus der erhofften Champions-League-Qualifikation.
Am Ende steht Tabellenplatz drei in der Bundesliga zu Buche. Nachdem die SG in der Vorsaison als Fünfter eingelaufen war, ist zumindest das als Erfolg zu werten. Was darüber hinaus hervorzuheben ist, zeigen unsere Tops und Flops.

DIE TOPS
• Platzierung: In der Vorsaison war die SG mit 47:21 Punkten auf Platz fünf eingelaufen. In der gerade zu Ende gegangenen Spielzeit mischten die Flensburger lange im Kampf um die Vizemeisterschaft mit und landeten am Ende mit 51:17 Punkten auf dem Bronzerang. Das ist kein Grund für Jubelarien – aber eine Verbesserung. 

• Spektakel: Wer es mit den Flensburgern hält, klatscht sich meist die Hände wund, angesichts des Torhungers der Mannschaft. Wie in der vergangenen Spielzeit auch, hat die SG die zweitmeisten Treffer (1200) erzielt - im Schnitt haben die Fans 35,3 Tore pro Spiel zu bejubeln gehabt. In der Bundesliga trafen nur die Füchse Berlin häufiger (1221).

• Nervenstärke: 81,82 Prozent der Siebenmeter saßen (Liga-Bestwert), was in erster Linie ein Verdienst von Emil Jakobsen ist. 85 Mal war der Däne zum Strafwurf angetreten und verwandelte 84,16 Prozent seiner Siebenmeter. In dieser Hinsicht konnte niemand dem Flensburger das Wasser reichen, der von sich sagt, er liebe das Nervenspiel mit dem gegnerischen Torhüter.
Apropos Emil Jakobsen. Der Linksaußen war mit 205 Treffern (Wurfquote 77,36 Prozent) auch erneut erfolgreichster SG-Torschütze.

• Teamgeist: Eine starke Gemeinschaft bildet das Fundament für Erfolg. Und da haben sie in Flensburg zuletzt Fortschritte gemacht, wie Johannes Golla erklärte: "Das ist vom Gefühl her deutlich besser als in der Vergangenheit."
• Fans: Auch in dieser Saison hat sich gezeigt, wie wichtig der "achte Mann“ ist: Die SG hatte einen echten Heimvorteil und kassierte in der GP Joule Arena nur eine Niederlage – gegen Meister SC Magdeburg, der im Herbst damit eine Serie von wettbewerbsübergreifend 14 Spielen ohne Niederlage der Flensburger beendete. Dazu kommen zwei Unentschieden. In der Heimtabelle liegt die SG auf Rang zwei hinter dem SCM.

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• Marko Grgic: Der vorzeitige Wechsel von Marko Grgic vom ThSV Eisenach an die Förde hat sich bezahlt gemacht. Weil Simon Pytlick zu Saisonbeginn fehlte und später auch Lasse Möller verletzt passen musste, hat der 22-Jährige auf Anhieb viel Spielzeit erhalten. Mit fast durchweg guten Leistungen in der Hinrunde hat der Torschützenkönig der Vorsaison das Vertrauen zurückgezahlt, auch wenn seine Darbietungen in der Rückrunde schwankend waren.
Überdies: Mit seiner selbstkritischen Art, seiner Gewinnermentalität und seinen Entscheiderqualitäten hat er unterstrichen, Führungsaufgaben übernehmen zu können und bereits die nötige Akzeptanz gewonnen. 

DIE FLOPS
• Saisonstart: Auswärts gegen Wetzlar, zu Hause gegen Stuttgart – ein machbares Auftaktprogramm. Nach zwei Unentschieden aber stand die SG schon früh unter Druck. Auf der Suche nach den fehlenden Punkten zur Vizemeisterschaft und der möglichen Champions-League-Qualifikation könnte man hier fündig werden.

• Start in 2026: Auch nach der EM kam die SG trotz oder gerade wegen der Erfolge der dänischen und deutschen Nationalspieler nicht in die Puschen. In Gummersbach gab es einen herben Dämpfer, der auf die Stimmung drückte. In den folgenden Wochen ging nichts mehr leicht von der Hand.
• Derby-Bilanz: Gleich drei Derby-Niederlagen setzte es im März gegen den THW Kiel, sodass Flensburg in der European League in die Playoffs musste. Und das ausgerechnet in jener Phase, in der Regeneration vonnöten gewesen wäre.

• Trainerkritik: Ales Pajovic habe keine Entwicklung vorangetrieben, es fehle an taktischer Einflussnahme und ohnehin sei der 47-Jährige viel zu ruhig im Umgang mit der Mannschaft – so die Meinung vieler. Intern aber sieht es anders aus: Der Slowene, der mit Unwägbarkeiten (unter anderem Verletzungspech) zu kämpfen hatte, genießt bei den allermeisten Spielern hohes Ansehen.
• Abwehr: Die SG hat mit 1084 Gegentoren die drittmeisten (!) kassiert. Zwar spielen die Flensburger extrem schnell, fahren also mehr Angriffe als die anderen Teams und deshalb kommen auch die Gegner häufiger zum Abschluss. Bisweilen aber mangelte es der SG-Defensive an den Grundlagen.

 • Unruhe: Zu viel Aufregung gab es vor allem um zwei Spieler. Erst ging es um Luca Witzke, der sich zu Saisonbeginn über zu wenig Vertrauen beklagt hatte und angeblich den Verein um eine vorzeitige Auflösung seines Vertrages gebeten haben soll. Später wurde vor allem um eine vorzeitige Beendigung der Zusammenarbeit mit Simon Pytlick debattiert, der sich 2027 den Füchsen Berlin anschließen wird. Erst auf den letzten Metern der Saison kehrte Ruhe ein. 

• Last-Second-Niederlage in Magdeburg: Das bittere und unnötige 30:31 in Magdeburg zog der SG scheinbar mental den Stecker. Es folgten eine Pleite in Stuttgart und das Halbfinal-Aus in der European League gegen Melsungen. Die Champions-League-Qualifikation war dahin.


Sascha Bodo Sievers 


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