Mit dieser Ausgabe verabschiedet sich das Seniorenmagazin im Holsteinischen Courier. Die erste Ausgabe in Zusammenarbeit von Familienbildungsstätte (FBS)/ Diakonie und Courier erschien am Samstag, 26. Mai 1990. Nun kommt zum 35. Geburtstag die letzte Ausgabe heraus.
In diesen 35 Jahren blieb die Arbeitsweise der Seniorenredaktion immer unverändert: Treffen am ersten Dienstag im Monat mit Besprechung der Themen, Textabgabe, Erscheinen der zwei Seiten am letzten Samstag, später am letzten Freitag im Monat.
Das Mediengeschäft hat sich allerdings weiterentwickelt, in den vergangenen vier Jahren besonders rasant. Redaktionsabläufe orientieren sich in erster Linie am digitalen Geschäft, es wird problematischer, das Seniorenmagazin in der bewährten Form zu produzieren.
Mit den wechselnden 20 bis 25 ehrenamtlichen Autoren, die die Seiten mit ihren Texten füllen, sind auch die Moderatorinnen Angela Gaertig (62) von der FBS und Susanne Otto (61) vom Courier älter geworden und dem Rentenalter näher gekommen.
Deswegen haben sich Courier und Diakonie entschlossen, das Seniorenmagazin einzustellen: Dass ein Zeitungsprojekt 35 Jahre andauert, ist schon ungewöhnlich, dazu noch 35 Jahre mit denselben beiden Moderatorinnen.
Damit verabschiedet sich die vermutlich älteste Seniorenredaktion in Deutschland, sagt tschüs und danke für die wirklich tolle Zeit im Team mit so vielen unterschiedlichen Menschen.
Susanne Otto
Angela Gaertig
Seniorenredaktion
Das Seniorenmagazin im Courier in Zusammenarbeit mit der Familienbildungsstätte Neumünster erschien von 1990 bis 2025. Dies ist die letzte Ausgabe.
Du wirst mir fehlen

Ich erinnere mich noch ganz genau, wie ich das erste Mal vor Susanne Otto, unserer Reporterin, stand und mit meiner Geschichte in der Hand versuchte, den möglichst besten Eindruck zu hinterlassen. Sie lächelte mir zu und sagte: „Dann kommen Sie doch zu Seniorenredaktion nächsten Dienstag.“ Diese Mischung aus Freude, Ungläubigkeit und Stolz war ein echter Höhepunkt in meinem Leben. Und zum Glück war ich klug genug zu verstehen, dass der ideale Tag gekommen war. Und weil mir ein gewisser Grad an Verrücktheit und Humor nicht fehlt, schrieb ich sofort meine nächste Geschichte.
Die Seniorenredaktion wird mir fehlen. Wir hatten ab und zu ganz verschiedene Meinungen, und manchmal kriegten wir uns in die Wolle. Natürlich konnten wir nicht alle Probleme des Lebens lösen, aber wir haben es versucht, und die Weisheit, die wir durch eigene Erfahrungen gewonnen haben, weiter gegeben. Unsere Geschichten waren nicht nur klug, nicht nur lustig, sie waren immer lebendig, immer ehrlich und immer bunt. Und ich werde es alles schmerzlich vermissen: die heftigen Diskussionen, die Gespräche, den köstlichen Kaffee mit leckeren Keksen, liebevoll von Angela Gaertig, unserer Projektleiterin, für uns vorbereitet. Ich bin glücklich und dankbar für die wunderbare Zeit. Traurig sein ist wohl etwas Natürliches, und es wird normal weitergehen, und alles bleibt wie gehabt, und es erscheint täglich der Holsteinische Courier, aber jetzt ohne uns.
Unerwartete Anerkennung
Das war ein reizvolles Ehrenamt in einem tollen Team

Abschied ist immer ein bisschen wie sterben, aber manchmal kann es auch ein Aufbruch in ein neues Abenteuer sein. Unter dem Aspekt haben sich mir im November 2006 die Türen der Seniorenredaktion geöffnet. Ich las gerne die Texte zu unterschiedlichen Themen auf den Seiten des Seniorenmagazins. Ich fand sie spannend und informativ. Auch wenn ich mich mit gerade mal Anfang 60 noch nicht unbedingt zu den Seniorinnen zählte, war mein Le-bensweg doch schon mit Geschichten angefüllt, die es bestimmt lohnte aufzuschreiben. Und wie immer im Leben, bedurfte es auch da eines kleinen Motivationsschubs, der mir 19 bereichernde Jahre in der Seniorenredaktion bescherte.
Oft wurde ich gefragt, ob ich dafür Geld bekomme. Und genau so oft habe ich das verneint und darauf hingewiesen, dass es sich um die Ausübung eines reizvollen Ehrenamtes in einem tollen Team handele.
Die Erinnerungen leben weiter
Eine Leserin hat einen Weihnachtstext von mir aus dem Jahr 2015 wohl gefaltet aufbewahrt und ihn mir dieses Jahr im Gezeitencafe in der Pause einer Lesung meines Mannes und mir dort in die Hand gelegt. Sprachloses Erstaunen mischte sich in mir mit Freude und Dankbarkeit über diese unerwartete Anerkennung eines zehn Jahre alten Textes aus meiner Feder. Mögen sich die Türen der Seniorenredaktion nun auch schließen, die Erinnerungen daran leben in den Texten weiter. In denen, die veröffentlicht wurden, ebenso wie in denen, die es aus Platzmangel nicht dorthin geschafft haben. Irgendwann werde ich meine Texte archivieren. Und irgendwann werde ich beim Lesen über das erstaunt sein, was ich in all den Jahren zu Papier gebracht habe.
Einen Aufbruch in ein neues Abenteuer dieser Art wird es für mich nicht geben. Aber Texte zu schreiben, wird immer zu meinem Alltag gehören. Für diese Erfahrung gebührt mein tiefempfundener Dank allen im Team und dem Holsteinischen Courier, der das möglich gemacht hat.
Eine Gemeinschaft ist sehr motivierend
Nur wenige Monate dabei

Unser verstorbener Pastor Kurt Triebel ermunterte mich, die langjährige, bei den Lesern beliebte Seniorenredaktion im Holsteinischen Courier zu besuchen. Erst Ende 2024 unternahm ich einen Schnuppertag. Ich war nicht darauf gefasst, dass bei diesem ersten Mal die endgültige Entscheidung der Auflösung der Seniorenredaktion zum Mai 2025 mitgeteilt wurde. Die Reaktion der Gruppe war bestürzend - von traurig bis erbost, von hoffnungslos bis zur eiligen Suche nach anderen Möglichkeiten. Allen war die Seniorenredaktion ans Herz gewachsen. Welch eine Enttäuschung!
Ein Lichtblick war das Angebot des Freien Radios Neumünster mit der Chance für eine ähnliche ehrenamtliche Tätigkeit. Doch es meldeten sich nur vier Interessierte. Radio ist eben kein Schreiben. Nun lagen noch fünf Monate vor uns, in denen alle aktiv sein und sich mit Elan an die Arbeit machen wollten. In dieser Zeit fühlte ich mich als Neue herzlich aufgenommen und erlebte, wie motivierend eine feste Gemeinschaft sein kann. Voller Freude schrieb ich auch kleine Beiträge, und es wurden alle Geschichten der Gruppe veröffentlicht. Sie brachten den Leserinnen und Lesern wieder einen lebhaften Rückblick in die Vergangenheit und Betrachtungen der Dinge aus anderer Sicht. Jetzt haben wir Mai 2025. Es ist der letzte Bericht an dieser Stelle. Alles hat seine Zeit. Doch die Zuversicht bleibt. Die Geschichten der Seniorenredaktion aus 35 Jahren werden nicht verloren gehen, sie sind Zeitdokumente und unersetzlich. Wir hoffen auf ein „Weitermachen“. Vielleicht gibt es für uns den „Zauber des neuen Anfangs“, den Hermann Hesse in den „Stufen“ beschreibt.