Seit 16 Jahren ist Wolfgang Schwenke kaufmännischer Geschäftsführer und Vizepräsident von Holstein Kiel, hat drei Aufstiege und zwei Abstiege sowie unvergessliche DFB-Pokalabende miterlebt. Im Interview spricht der 57-Jährige über seine Erfolgsgeschichte mit den „Störchen“, erklärt, wie er den Verein zu einem professionell geführten Unternehmen geformt hat und verrät, warum er daran glaubt, dass sich Holstein langfristig in der Bundesliga etablieren kann.
125 Jahre Holstein Kiel – 16 davon haben Sie mitgeprägt. Welche drei Erinnerungen schießen Ihnen als Erstes durch den Kopf, wenn Sie auf diese Zeit zurückblicken?
Als Erstes sicherlich der 7. Februar 2012, das Viertelfinale im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund im Holstein Stadion (0:4, Red.). Als Viertligist im Viertelfinale zu stehen, war sicherlich ein Highlight. Da hatten wir noch nicht mal eine Rasenheizung, das war schon eine Herausforderung. Wir haben uns damals ein Zelt aus England geholt, haben über 60 Stahlnägel zwei Meter tief in die Erde getrieben und dann sozusagen von oben den Rasen beheizt, damit wir im Februar spielen konnten.
Dann muss man das Pokalspiel gegen Bayern München in der Corona-Zeit dazu zählen. Und dann natürlich die Aufstiege. Erst in die dritte Liga gegen Hessen-Kassel, dann in die zweite Liga in Großaspach. Und dann natürlich hier zu Hause gegen Düsseldorf der Bundesliga-Aufstieg. So ein historisches Ereignis mitzubekommen, das ist schon außergewöhnlich.
Sie sind 2009 zu Holstein gekommen. Was war die Zielsetzung, die man Ihnen mitgegeben hat und welche Herausforderungen hatten Sie?
Die Zielsetzung war, den Verein zu professionalisieren und in die zweite Bundesliga zu führen. Als ich mir einen Überblick verschafft hatte, kam mir das vor wie so ein Achttausender, wie der Mount Everest. Es war eigentlich egal, wo ich da anfange. Da gab es ja nicht mal eine E-Mail-Signatur. Der Verein hatte einen hohen Bekanntheitsgrad, aber unprofessionelle Strukturen, das muss man einfach sagen. Jeder Spieltag war ein Abenteuer. Da gab es keine Leitplanken, keine Linien. Und so funktioniert das eben nicht in einem professionellen Unternehmen.
Sehen Sie Holstein als einen Club, der sich langfristig in der Bundesliga etablieren könnte?
Als ich an Bord gekommen bin, habe ich gesagt, dass wir auch in der ersten Liga spielen können. Da haben mich alle ausgelacht und gesagt: Lass und erstmal zweite Bundesliga spielen. Aber man muss sich Ziele setzen. Wenn vor 20 Jahren jemand gesagt hätte, dass Freiburg sich in der Bundesliga etabliert, hätte man daran auch gezweifelt. Aber die haben gut gearbeitet, am Trainer auch bei Abstiegen festgehalten. Die haben junge Leute ausgebildet, Transfer-Einnahmen generiert. Heute machen die Transfers um die acht oder zehn Millionen. Die haben sehr viel Eigenkapital investieren können für ihr Stadion. Freiburg hat sich einfach toll entwickelt. Und warum sollen wir nicht das Freiburg des Nordens sein?
Ist der Standort Kiel ein Wettbewerbsnachteil?
Wir haben viele mittelständische Unternehmen Land, darum müssen wir mehr über die Masse kommen. Natürlich sind wir froh, dass zwei tolle Partner, mit „Citti“ und der „Bela-Gruppe“, beziehungsweise „Famila“, an unserer Seite stehen. Da ist auch eine ganze Menge machbar. Dazu setzen wir auf unseren „Störcheclub“. Das bedeutet, dass wir sehr viele engagierte und treue Partner an Bord haben, die uns eine gute Basis geben. Und das kann ja auch ein Erfolgsrezept sein.
Der Stadionausbau gehört sicherlich zu einer der kurzfristigen, die Sie und der Verein mit der Stadt meistern müssen. Welchen Stellenwert hat dieses Projekt?
Für unseren Verein ist ein neues Stadion essenziell wichtig. Alleine aufgrund der Anforderungen an die Infrastruktur seitens der DFL und der Rechteinhaber. Das ist ein Mammutprojekt, wahrscheinlich die größte Herausforderung überhaupt für den Club. Aber das mitzugestalten, macht ja einfach nur Spaß.
Auch nach 16 Jahren Holstein Kiel scheinen Sie noch voller Elan dafür zu sein, den Verein in die Zukunft zu führen...
Ich brenne wie eine Fackel! Ich habe immer noch viele Ideen und Spaß daran und es gibt für mich keinen Grund, vom Gas zu gehen. Solange es mir Freude bereitet, bleibe ich gerne dabei.
Jan Brix-Mannshardt