Die Idee stammt ursprünglich aus New York: In Deutschland gründeten Berliner Frauen 1993 die erste Tafel. Heute gibt es bei uns im Land annähernd 1000 Tafeln, alle getragen von ehrenamtlichen und freiwilligen Mitarbeitern. Schon 1999 folgte dann eine Gruppe Schleswiger Bürger um Giesela Geißler der Idee, Lebensmittel zu retten, um damit Menschen in Not zu helfen. Und diese Idee hat sich bis heute bewährt.
„Auch zu dunkelsten Corona-Zeiten gab es bei der Schleswiger Tafel keinen Ausgabestopp“, so Cathérine Matzen, Leiterin der Schleswiger Tafel. „Das Signal und dessen Folgen, gerade in jenen Tagen an Bedürftige mehr auszugeben, wäre einer Katastrophe gleichgekommen.“ Sie selbst hatte 2009 in der Lebensmittelausgabe als „Wursttante“ in Lebensmittelausgabe keine Lebensmittel der Schleswiger Tafel begonnen. Seitdem hat sich viel geändert - nicht nur bei der Tafel. Und Corona ist Geschichte.
Aber wer glaubt, die Situation hätte sich mittlerweile entspannt, irrt sich gewaltig. Immer mehr Menschen - auch in Deutschland - leben unterhalb der Armutsgrenze und sind auf Unterstützung angewiesen. Die Anzahl der Empfänger in Schleswig ist mittlerweile auf 1600 angewachsen. Das liegt natürlich auch daran, dass insbesondere die Preise für Lebensmittel in den letzten Jahren sehr stark gestiegen sind.
Die Tafel verzeichnet an ihren Ausgabetagen bis zu 500 Kunden in der Woche. Ein Tag ist speziell für Ukraine-Flüchtlinge reserviert; hier ist dann auch eine Dolmetscherin vor Ort.
Beeindruckende Hilfsbereitschaft in Schleswig
Um ihre Kunden kümmern sich im Schwarzen Weg insgesamt 130 Mitarbeiter - allesamt Freiwillige. Beeindruckend ist die Hilfsbereitschaft in Schleswig, und das gilt nicht nur für die Freiwilligen unter den Bürgern der Stadt und des Umlandes. Die Anzahl der angefahrenen Abholstellen war noch nie so groß, allein 25 Fahrer kümmern sich an sechs Tagen die Woche um die Abholung der Lebensmittel. Ausnahmslos alle Supermärkte und Discounter in Schleswig und der Region nehmen teil, hinzu kommen Lebensmittelhersteller, Bäckereien sowieso. Auch viele Tankstellen sind dabei. Und es sind sehr großzügige Spender darunter. Dabei unterstützen sich die Tafeln in Schleswig-Holstein auch gegenseitig - Würstchen aus Böklund gegen Haferflocken aus Lübeck, was man gerade braucht, wird getauscht. Bei aller Professionalität der Tafel wird mitunter gern vergessen, dass es sich hier um eine freiwillig erbrachte Leistung handelt, auf die kein Anspruch besteht, organisiert und getragen von einer großen Gruppe engagierter Bürger und Unternehmen in Schleswig und der Region.
Neben dem Team der Fahrer, die nicht nur fahren, sondern ihr Fahrzeug bei jedem Stopp auch beladen, gibt es noch viel mehr freiwillige Mitarbeiter, die an den entsprechenden Wochentagen für die Ausgaben an die Kunden verantwortlich sind. Und natürlich diejenigen, die sich um die Logistik und den Nachschub aus dem Lager und an den Ausgabestellen kümmern. Alles muss Hand in Hand gehen. Außerdem gibt es im Schwarzen Weg noch eine „Boutique“ für alles, was man nicht essen kann und in einer Familie trotzdem dringend benötigt wird.
Auch die Stadt Schleswig unterstützt die Tafel und übernimmt einen Anteil der Miete. „Spenden von denjenigen, denen es besser geht, sind immer willkommen“, so Cathérine Matzen. Ob in Sammelbüchsen, als Einkaufsgutscheine, als Tütenaktion der Supermärkte: Alle Spenden und gespendete Lebensmittel finden ihr Ziel bei bedürftigen Mitmenschen aus Schleswig und der Region. Ohne Zweifel, alle Schleswiger können stolz sein auf ihre Tafel.
kw