Roman Timmes Urgroßvater Luigi Toffolo kam 1906 zu Fuß von Norditalien nach Nordfriesland. Er war Terrazzoleger und wollte dieses Handwerk im hohen Norden bekannt machen. Im Laufe der Jahrzehnte gelang es den Toffolos, sich mit ihrem Betrieb in Nordfriesland einen guten Namen zu machen. Auch Roman Timmes Mutter Anke, eine geborene Toffolo, wurde später ein Teil des Familienunternehmens. Sie lernte in Flensburg lebend den Beruf der Steinmetzin. Ihr damals noch kleiner Sohn Roman begleitete seiner Mutter öfter mit zur Arbeit und kam so schon als Kind mit diesem Handwerk in Berührung. „Ich habe schon mit vier meine ersten Steine bearbeitet“, erinnert sich Timme.
Als Roman Timmes Vater, ein Hamburger Polizist, starb, war sein Sohn gerade mal fünf Jahre alt. Daraufhin zog seine Mutter Anke mit dem kleinen Roman nach Nordfriesland. „Ich glaube, dass ich mich in Trauernde gut hineinversetzen kann“ sagt Timme. „Ich weiß, wie sich so ein großer Verlust anfühlt. Ich kann gut zuhören, ich denke, das hilft am Anfang.“ Es ist dem Steinmetz wichtig, die Menschen, die gerade einen großen Verlust erlitten haben, nicht zu überfordern.„Niemand, der hierherkommt, muss sich sofort für einen Grabstein entscheiden, oder sofort einen kaufen“, betont der 53-Jährige. Es gehöre Fingerspitzengefühl dazu, herauszufinden, was den Kunden wirklich gefällt.
Roman Timme berät nicht nur Menschen, die gerade einen Angehörigen verloren haben. Manchmal kommen Kunden auch zu ihm, wenn sie einen geliebten Menschen auf See bestattet haben.„Es kommt häufiger vor,dass den Trauernden später eine feste Erinnerung in Form eines Steins fehlt“, erklärt der Steinmetz. „Sie kommen dann vorbei und wir überlegen gemeinsam, was sie jetzt brauchen. Oft wird dieser Stein dann eine Erinnerungsstätte auf dem eigenen Grundstück“, ergänzt er.
War es immer sein Wunsch Steinmetz zu werden? „Ich schwankte damals zwischen verschiedenen Ideen, wusste eigentlich nicht so richtig, was ich wollte. Aber meine Mutter hat mir dann auf die Sprünge geholfen und gesagt, ich soll eine Lehre als Steinmetz machen. Im Nachhinein betrachtet eine perfekte Entscheidung für mich, ich bin glücklich in diesem Handwerk“, sagt Timme.
Mutter Anke, mittlerweile 82 Jahre alt, unterstützt ihren Sohn immer noch ab, und zu in seinem Betrieb. „Ich kann mich einhundert Prozent auf meine Mutter verlassen, das war schon immer so“, schwärmt Roman Timme. Besonders gut könne diese immer noch die alten Schriften oder Goldschrift auf alten Grabsteinen, ergänzt er. Wenn Namen auf sehr alte Grabsteine hinzugefügt werden sollen, was öfter bei Familiengrabstätten der Fall ist, muss die Schrift entsprechend angepasst werden.
Roman Timme machte seine dreijährige Ausbildung 1988 in Hamburg, bei demselben Ausbilder, der seiner Mutter viele Jahre zuvor das Steinmetz Handwerk beigebracht hatte. Er arbeitete dann einige Jahre als angestellter Steinmetz in Hamburg, um 1997 nach Nordfriesland zurückzukehren. Seit zwanzig Jahren ist der sympathische Steinmetz selbstständig. Verstärkung bekommt Timme seit fast acht Jahren durch seinen Gesellen Sön Henningsen, den er selbst ausgebildet hat. Der 24-Jährige liebt das Handwerk genauso wie Timme, das Arbeitsklima ist gut. Beide sind sehr aufgeschlossen für die Ideen ihrer Kunden. „Wir mischen unsere Ideen oft mit denen unserer Kunden, wir sehen uns als Handwerker, nicht als Künstler“, sagt der bodenständige Henningsen. Und fügt hinzu: „Ich würde immer wieder in dieses Handwerk gehen, ich bin stolz darauf, Steinmetz zu sein. Man ist abends kaputt und ausgelastet, aber glücklich“.