
Eine ganz besondere Urlaubsbekanntschaft machten meine Frau Karin und ich vor ein paar Jahren auf der Insel Fuerteventura. Unser Urlaubsdomizil lag auf einer Anhöhe. Ein sehr schönes Appartement, das im Wohnbereich über ein großes Glas-Schiebeelement mit einem herrlichen Blick aufs Meer verfügt. Davor eine Terrasse mit einem kleinen Durchgang zu einem Fußweg.
Wir waren am Morgen gerade aufgestanden, hatten geduscht und standen unbekleidet vor dem Kleiderschrank unseres Schlafzimmers, als ein merkwürdiges Geräusch aus dem Wohnzimmer, das auf einer unteren Ebene lag, zu uns drang. Ich schaute um eine Ecke nach unten. Gerade wurde das Schiebeelement zur Terrasse von außen aufgedrückt. Ein Herr mit einer Tüte Brötchen trat ins Wohnzimmer, schob das Element hinter sich zu und legte die Tüte auf den Wohnzimmertisch. Laut monierte er den steckenden Schlüssel auf der Schiebetür, zog ihn ab und legte ihn zu den Brötchen. Wir blieben still und zogen uns an.
Laut erzählend, wohl in der Annahme seine Frau befinde sich im Schlafzimmer, nahm er die Stufen zur Küchenzeile. Als wir klapperndes Geschirr hörten, machten wir uns auf den Weg zum Ort des Geschehens. Uns den Rücken zugewandt, war der Herr gerade damit beschäftigt, Tassen und Teller im Küchenschrank neu zu ordnen. Ich räusperte mich. Die Drehung erfolgte blitzartig. Wir wurden erschrocken angestarrt. Auf meine Frage, was er hier mache, kam nur ein unsicheres „Wieso?“ „Sie befinden sich in unserem Appartement“, bemerkte ich. „Oh Gott, Entschuldigung“, hörten wir und er erzählte, dass er mit seiner Frau erst am gestrigen Abend angekommen sei und von seiner vermeintlichen Abkürzung über unsere Terrasse. Ließ alles stehen und liegen, nahm nur seine Brötchentüte und war bereits in der Tür, als er verhalten stehen blieb, sich umdrehte, um eine kleine Bitte zu äußern: „Wenn sie mich mit meiner Frau sehen sollten, sagen sie ihr bitte nichts von diesem Vorfall. Wir haben im Moment schon genug Stress.“
Den Herrn haben wir anschließend nicht mehr wiedergesehen, er hat wohl einen großen Bogen um uns gemacht. Er wurde für uns zu einer flüchtigen Urlaubs-Bekanntschaft.