Wem die Kanalseitenwege der NOK-Route zu eintönig und linear sind, der ist auf dem Ochsenweg genau richtig. Hier ist mitunter noch Handarbeit angesagt, auf stille Passagen folgen Dörfer und Städte. Willkommen auf einem nur schlecht gepflegten Radfernweg, der sich trotzdem perfekt für eine Rundtour durch die Mitte des Landes eignet.
Die Kanalregion empfängt den Gast auf zwei Rädern mit einer Sorge. Wie schön, dass es sich nur um den gleichnamigen Fluss handelt. Noch übertönt der Verkehr auf der Bundesstraße von und nach Rendsburg alle Naturgeräusche. Das wird sich bald umkehren.
Kurz noch an einem Landmaschinen-Handel vorbei, schon wird die B77 akustisch ganz klein. Der Lärm der Welt bleibt draußen vor. Über dem Radfahrer zwitschern die Vögel. Kurzer Abstecher zu den Sorgwohlder Binnendünen, die den Weg zum Golf Club Lohersand säumen. Das Grün der Birken wirkt im Mai noch frisch, in der Heide leuchtet der Ginster gelb wie Raps. Alles mischt sich zu einem herrlichen Naturduft, der einen unwillkürlich tiefer ein- und ausatmen lässt.


Willkommen auf dem Ochsenweg. Einst historischer Handelsweg für bis zu 52.000 Ochsen pro Jahr, heute die Grundlage, um Schleswig-Holsteins Mitte einmal aus einer ganz anderen Perspektive zu erleben. Da Neumünster, Nortorf, Rendsburg und Owschlag entlang der Strecke liegen, lässt sich die Landpartie mithilfe der Bahn perfekt zu einer Rundtour erweitern. Dafür sollte man allerdings einen ganzen Tag einplanen.
Doch, Vorsicht: Der Ochsenweg ist nichts für zarte Handgelenke und schmale Reifen. Rennräder sind hier definitiv falsch. Mountainbikes eignen sich dagegen perfekt, ebenso Gravelbikes. Mit tiefen Schlaglöchern, sandigen Stellen und bei schlechtem Wetter tiefen Pfützen und Matsch ist vor allem dort zu rechnen, wo der Pfad noch dem historischen Zustand ähnelt. An einigen Stellen ist es sicherer, das Gefährt zu schieben. Die letzte Grundüberholung liegt viele Jahre zurück, weil sich niemand für die Instandhaltung zuständig fühlt. Auch einige Richtungspfeile fehlen oder sind nur noch schwer zu erkennen.
Wen das alles nicht abschreckt, wem die Kanalseitenwege der NOK-Route zu eintönig und linear sind, der ist auf dem Ochsenweg richtig. „Ochsenweg Alternative“ steht hinter Sorgbrück auf dem Schild, von dem aus es gen Süden weitergeht. Wer Fockbek mit in seine Tour aufnehmen will, wählt diesen Weg. Der andere führt über Lohe-Föhrden. Sehenswert sind beide.
Es geht an Kieskuhlen vorbei, danach fällt das Rollen auf Asphalt etwas leichter. Fockbek ist schnell erreicht. Eine neue Veloroute führt in die Rendsburger Innenstadt. Natürlich darf ein Besuch der Schwebefähre nicht fehlen. Oder einfach in das Lokal gleich daneben setzen und Schiffe gucken? Das sollte jeder selbst entscheiden.



Südlich des Nord-Ostsee-Kanals sind Westerrönfeld und Jevenstedt die nächsten Zwischenziele. Bei Pollhorn trennt sich der Ochsenweg in eine westliche und östliche Route. Beide führen abseits stark befahrener Verkehrsstraßen durch Moorgebiete und Marschland, entlang an Flüssen und vorbei an Seen. Wir empfehlen die östliche Variante, da sie sich besser mit der Bahn kombinieren lässt. Wem unterwegs die Kraft oder der Strom im E-Bike-Akku ausgeht, steuert einfach den nächsten Haltepunkt an.
Zum Beispiel in Nortorf, wo der geografische Mittelpunkt Schleswig-Holsteins zum Innehalten einlädt. Im Timmaspe wiederum, dem nächsten Ort, weist der Gasthof „Zum goldenen Ochsen“ darauf hin, dass das Dorf früher einmal Durchgangsstation war. Nächster Blick auf die Karte in Krogaspe, wo es auf gutem Asphalt flotter vorangeht. Zwischen einem öffentlichen Golfpark und den Bahngleisen von und nach Neumünster ist die kreisfreie Stadt zwar noch nicht zu sehen, aber schon zu erahnen. Der Tierpark ist nur noch 1,5 Kilometer entfernt, als die Grenze des Kreises überschritten ist.
Wo die Ochsentour zu Ende ist, ist jedem selbst überlassen. Wer über viel Zeit und Kondition verfügt, schlägt die westliche Richtung ein und fährt über Hohenwestedt und Stafstedt zurück nach Rendsburg. Frank Höfer
INFO
4 Tipps für eine Radtour auf dem Ochsenweg:
1. Breite Reifen erleichtern das Vorankommen vor allem auf sandigen Passagen. Und nicht mit dem maximalen Reifendruck fahren, das puffert Unebenheiten besser ab.
2. Picknickdecke mitnehmen. Viele Sitzgelegenheiten und Tische entlang der Strecke sind in einem verwahrlosten Zustand.
3. Spray gegen Zecken nicht vergessen. Auch ein Zeckenhaken sollte in der Lenkertasche nicht fehlen.
4. Kombiwerkzeug (Multitool) einstecken. Auf den schlechten Wegen können sich Schrauben lösen, die im Stadtverkehr nie ein Problem waren.