Mit der ersten Berufsorientierung geht es oft schon in Klasse 7 los. „Da starten wir langsam mit dem Thema Stärken“, erklärt Silja Friedrichsen. Für viele ist das erstmal ungewohnt, weil es nicht um Noten geht, sondern um die Frage: Was kannst du gut – ganz praktisch?„Das fängt bei Stärken an, geht dann über Interessen und am Ende schauen wir: welches Berufsfeld passen könnte.“ Ab Klasse 8 wird es dann konkreter. „Dann geht es in die Praktikumssuche.“ Wie rufe ich Arbeitgeber an? Wie schreibe ich eine E-Mail?
In der Schule läuft das meistens in zwei Formen ab: im Klassenverband und in der Sprechstunde. Für die Berufsorientierung werden extra Unterrichtsstunden eingeplant, nur eben mit Themen rund um Praktikum, Ausbildung und Zukunft. Und wer mehr Fragen hat, kommt in die Sprechstunde oder holt sich direkt einen Termin in der Agentur für Arbeit. „Da können wir Themen viel genauer beleuchten“, so die Berufsberaterin.
Besonders wichtig wird in diesen Gesprächen fast immer das Praktikum. Mittlerweile stellt kaum noch ein Betrieb ein, ohne dass man im Praktikum war“, sagt Silja Friedrichsen. Praktika sind nämlich für beide Seiten eine Art Testlauf. Man selbst sieht, ob einem die Aufgaben liegen und auch der Betrieb bekommt einen ersten Eindruck. Und noch etwas ist entscheidend: „Nicht nur thematisch, sondern auch menschlich“, betont sie. Gerade für Jugendliche, die in der Schule nicht immer gute Noten nach Hause bringen, kann das Praktikum zum Gamechanger werden. „Wenn jemand für die Sache brennt, bekommen das auch die Arbeitgeber mit.“
Wenn es um Bewerbungen geht, hat sich ebenfalls vieles verändert. „Die Papierbewerbung ist selten geworden“, sagt Friedrichsen. Stattdessen läuft es meist digital: per E-Mail oder über Online-Portale. Und was will der Betrieb genau? „Das gibt der Betrieb immer auf seiner Internetseite oder im Stellenportal mit an“, erklärt sie. Wer dennoch unsicher ist, ruft einfach vorher beim potentiellen Arbeitgeber an und fragt nach. Auch Initiativbewerbungen findet die Berufsberaterin aus Schleswig sinnvoll. „Manchmal ist man dadurch schneller als andere“, sagt sie.
Ein Punkt, den viele unterschätzen, ist die Rolle der Eltern. So sind sie immer eingeladen, bei Gesprächen dabei zu sein. „Die Eltern kennen ihre Kinder natürlich am besten“, weiß Silja Friedrichsen.



Was sie jedem Schulabgänger ans Herz legen möchte? „Trau Dich, Du kannst nichts falsch machen. Es geht nicht darum, die Entscheidung fürs Leben zu treffen, sondern darum, den nächsten Schritt zu gehen.“
Julia Voigt