Sie sorgen für unseren Schutz und sind immer da, wo es was zu regeln, zu helfen oder zu retten gibt: die Polizei. Doch wie sieht der Alltag unseres Freund und Helfers eigentlich aus? Unsere Jugendreporterin Nike Mumm durfte für die Redaktion von „Mein Ausbildungsstart“ in die Uniform schlüpfen und als Praktikantin Polizei-Alltag miterleben.
Einen Tag lang durfte ich mir den typischen Alltag auf dem Polizeirevier in Flensburg anschauen. Um sechs Uhr morgens stehe ich also auf der Matte bereit für den Frühdienst. Begrüßt werde ich von Polizeioberkommissar Anil Kafdagli, dem ich die nächsten sechs Stunden folgen darf, und den anderen Mitarbeitern der Schichtbesetzung. Zu Beginn des Tages wird als Erstes über die vergangene Schicht, in diesem Fall die Nachtschicht, gesprochen. Dabei klären die Beamten miteinander, welche wichtigen Einsätze von ihren Kollegen bearbeitet wurden und welche Einsätze eventuell noch die nachfolgende Schicht betreffen. Danach geht es um die planmäßigen Tätigkeiten der aktuellen Schicht.
Nachdem dieser tägliche Lagebericht abgeschlossen ist, brechen die Kollegen zu ihren ersten Streifen auf. Im Regelfall besteht eine Streifenbesetzung immer aus mindestens zwei Personen und soll sowohl die Abrufbereitschaft im Fall von Einsätzen erleichtern, als auch durch Präsenz für Sicherheit sorgen. Inzwischen ist es gerade einmal 8.30 Uhr. Ich mache mich mit Anil und Polizeiobermeister Mahmoud nach der Streife auf den Weg zum Einkaufen. Im Anschluss gibt es nämlich erst einmal Frühstück.
Allerdings lässt der erste Einsatz nicht lange auf sich warten. Auf der A7 hat es einen Unfall gegeben und einer der Beteiligten ist flüchtig. Sofort machen sich zwei Streifenwagen auf den Weg in der Hoffnung, den fliehenden Fahrer aufhalten zu können. Mit Blaulicht und Martinshorn geht es für uns durch die Flensburger Innenstadt. Da zu dem Zeitpunkt nicht klar ist, in welche Richtung der Fahrer des Wagens unterwegs ist, teilen sich die Kollegen auf. Ein Team wartet in Richtung Süden auf den Fahrer, Anil, Mahmoud und ich positionieren uns in Richtung der dänischen Grenze. Nach einiger Zeit fehlt allerdings noch immer jede Spur. Abzuwarten ist jetzt ob der Betroffene einen Strafantrag stellen wird.
Auf der Wache angekommen erklärt mir ein weiterer Kollege die Datenbank und die technischen Systeme der Polizei. Ein großer Teil der polizeilichen Arbeit besteht aus bürokratischen Vorgängen. Jede erfolgte Amtshandlung, jeder wichtige Anruf und jeder noch so kleine Einsatz muss in ein Meldesystem. eingetragen und gesichert werden. Auch Informationen wie vergangene und aktuelle Wohnsitze, Kennzeichen und Vorstrafen sind in diesem Meldesystem vermerkt. Dadurch können die Polizisten im Revier oder der Leitstelle ihren Kollegen vor Ort im Falle eines Einsatzes sofort alle wichtigen Details durchgeben. Das macht jede Situation für die Polizei deutlich einfacher, weil sie so viel besser einschätzen kann, mit wem sie es gerade zu tun hat und worauf zu achten ist.
Als das Telefon das nächste Mal klingelt, wird ein Einbruch gemeldet. Mit einem Kollegen von der Kriminalpolizei zur Spurensicherung machen wir uns auf den Weg zum Einsatzort, an dem der Anrufer bereits auf uns wartet. Während der Kollege von der Kripo beginnt, Bilder zu machen, nach Spuren wie Fußabdrücken zu suchen und Fingerabdrücke zu nehmen, spricht Anil direkt mit dem Betroffenen. Er nimmt dessen Personalien auf und lässt sich ganz genau erklären, was gestohlen wurde, welchen Wert das gestohlene Gut hat, wem es gehört und wie der Betroffene das Haus aufgefunden hat. Er erklärt uns, dass dies eigentlich das Haus seiner Eltern sei, die gerade im Urlaub sind.
Natürlich ist für die Polizei auch wichtig, wer das Haus wann zuletzt betreten hat und wer davon wissen kann, dass die Anwohner nicht da sind. Sobald alle Spuren im Haus gesichert wurden, dürfen wir auch hinein und uns ein eigenes Bild machen. Aufgrund der einfacheren Veranschaulichung fertigt Anil noch eine genaue Skizze des Hauses an, in der er ebenfalls vermerkt, aus welchem Raum was entwendet wurde. Unsere Arbeit vor Ort ist damit erledigt. Wir fahren zurück auf die Wache, um den Einsatz samt aller Indizien zu protokollieren.
Währenddessen klingelt das Telefon erneut. Dieses Mal geht es um einen Autounfall mit. Sachschaden. Ich fahre mit zwei anderen Kollegen zum Unfallort. Als wir dort eintreffen, haben die Beteiligten bereits ihre Kontakt- und Versicherungsdaten ausgetauscht und Bilder ihrer jeweiligen Schäden gemacht. Da die Polizei in solchen Fällen grundsätzlich keine Schuldfrage stellt und demnach auch keine Schuld feststellt, kann einer der Beteiligten nach einer kurzen Belehrung über das weitere Vorgehen direkt weiterfahren. Das Auto des anderen Beteiligten ist allerdings so stark beschädigt, dass unter anderem auch ein Seitenspiegel fehlt, weshalb eine Weiterfahrt an dieser Stelle leider nicht wie geplant möglich ist.

Auch diesen Einsatz haben wir im Anschluss auf dem Revier protokolliert. Inzwischen ist es 12 Uhr und damit Zeit für den Schichtwechsel. Für mich und die anderen Mitarbeiter der Frühschicht ist also Feierabend. Die sechs Stunden, die ich da war, vergingen wie im Flug, und ich habe viel gesehen und erlebt.
Anil ist nicht nur Polizist im gehobenen Dienst, sondern auch Einstellungsberater bei der Polizei. Einstellungsberater sind Ansprechpersonen für Bewerber im mittleren und gehobenen Dienst sowie für Praktika. Ebenfalls unterstützen sie bei der Vorbereitung auf das Auswahlverfahren der Polizei.
// Nike Mumm