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Beruf Lokomotivführer: Bitte einsteigen und Türen schließen!

Die Geschichte von Jan Philipp Hahlweg aus Oeversee bei Flensburg

Die Schulzeit, die hat Jan Philipp irgendwie mit Ach und Krach hinbekommen. Viel Spaß hat sie ihm nicht gerade gemacht. Aber wenn der Opa, von Beruf Eisenbahner, seine vielen Geschichten vom Lokfahren in Hamburg erzählte, dann waren die Antennen von Jan Philipp auf vollen Empfang gestellt. Er hatte immer etwas zu erzählen und kein Tag bei ihm war wie der andere.“ Und ganz klar, die Kindereisenbahn war natürlich auch das erklärte Lieblingsspielzeug. 
 „Als ich so zwölf Jahre alt gewesen bin, hab' ich meinen Eltern am Frühstückstisch eröffnet, dass ich auch Lokführer werden will und dabei ist es geblieben“, erzählt Jan Philipp. Eine große Überraschung war das für seine Familie nicht. Wenn da nicht die schlechten Schulnoten gewesen wären. Um seinen ESA möglichst gut abzuschließen, drehte Jan Philipp freiwillig noch eine Ehrenrunde. „Ich würde das immer wieder so machen“, sagt er. 

Unternehmen aus der Region

Mit dem Abschluss in der Tasche bewirbt er sich bei der Deutschen Bahn und wird abgelehnt. „Ich denke, dass mein Zeugnis nicht ausgereicht hat.“ Doch Jan Philipp will nicht aufgeben und stellt sich in ganz Deutschland bei verschiedenen Eisenbahnverkehrsunternehmen vor. In der Stadt Köln wird ihm dann endlich ein Ausbildungsplatz angeboten. Mit 16 Jahren packt er seine Koffer und zieht in die Millionenstadt am Rhein. In einem Wohnheim für Azubis findet er eine Unterkunft. Wäschewaschen, Kochen, sich versorgen, das muss er ab jetzt allein machen. „Meine Mama hat mir zum Glück alles schon früh beigebracht“, lacht er.

Drei Jahre wird seine Ausbildung dauern und diesmal hängt sich Jan Philipp in der Berufsschule so richtig rein. „Ich hatte einfach viel mehr Ehrgeiz und Interesse als vorher“, sagt er. „Auch wenn der Lernstoff schon sehr anspruchsvoll ist.“ Vor allem das Fach Elektrotechnik hat es in sich. 2022 legt der Schleswig-Holsteiner seine Prüfung zum Eisenbahner im Betriebsdienst, Fachrichtung Lokführer und Transport“ erfolgreich ab. 

Auf einer Lok fühlte sich der Schleswig-Holsteiner schon als Kind zu Hause. Morgens in den Sonnenaufgang zu fahren, gehört für den jungen Eisenbahner aus Oeversee zu den schönsten Momenten in seinem Beruf.
Auf einer Lok fühlte sich der Schleswig-Holsteiner schon als Kind zu Hause. Morgens in den Sonnenaufgang zu fahren, gehört für den jungen Eisenbahner aus Oeversee zu den schönsten Momenten in seinem Beruf.

Das erste Mal allein eine Lok zu lenken das war für Jan Philipp dann doch ein mulmiges Gefühl.„Man steht da frühmorgens im Cockpit und keiner der Kollege kommt. Du bewegst ja doch mehrere Tausend Tonnen und hast bis zu 12 000 PS unterm Sitz.“ Zur Hilfe kommen ihm zum Glück der Bordcomputer und ein gutes Bauchgefühl. Besonders gern hat der junge Lokführer die Frühschicht. „Ich finde das toll, morgens, wenn die Stadt noch still ist, in den Sonnenaufgang zu fahren.“
Mittlerweile lebt Jan Philipp in Frankfurt und fährt im Personenverkehr quer durch Deutschland. Er ist sich seiner großen Verantwortung, Menschen sicher von A nach B zu bringen, bewusst. „Da wächst man rein“, sagt er selbstsicher. Doch Respekt, wenn auf dem Tacho 300 km/h stehen, hat der 22-Jährige immer noch.
Jetzt will Jan Philipp erst einmal ein paar Jahre auf den Schienen unterwegs sein und dann kann er sich gut vorstellen, irgendwann den Ausbilderschein zu machen und das, was er kann, an andere weiterzugeben.

// Julia Voigt


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