Es ist meist noch dunkel, wenn Anliyah (18) und Tim (17) Arbeitsbeginn haben und für beide heißt das: Früh aufstehen. "Wenn man zu spät ist, dann sind die Arbeitskollegen schon zur Baustelle gefahren und man muss gucken, wie man hinkommt." Beide sind Malerazubis im Unternehmen Riewesell in Uetersen, beide sind im zweiten Lehrjahr. Während Tims Schwerpunkt auf der Lackiererei liegt, ist Anliyah mehr mit Maleraufträgen direkt auf den Baustellen beschäftigt.
Fragt man Tim, warum er sich diesen Beruf ausgesucht hat, muss er nicht lange überlegen. "Für mich war schon früh klar, dass ich etwas Kreatives machen werde", sagt der 17-Jährige. "Mir macht das Lackieren sehr viel Spaß, etwas mit den Händen zu machen und später zu sehen, was man geschafft hat, ist einfach toll." Für ihn ist es vor allem das Spiel mit den Farben und Neues entstehen zu lassen, das, was ihm besonders gut gefällt.
Anliyah ist von sechzehn jungen Ausbildenden die einzige weibliche im Betrieb. "Wenn jemand meiner Kollegen denkt, ich könnte den 25-Kilo-Eimer nicht tragen, dann nehm ich einfach zwei davon“, lacht sie. Bevor sie sich für die Ausbildung entschieden hat, hat sie ein Schulpraktikum bei einem Maler gemacht. „Ich bin gern kreativ und habe schon als Kind gezeichnet und gemalt“, sagt sie.
Im ersten Lehrjahr gehört zweimal die Woche Berufsschule dazu, ab dem zweiten Lehrjahr steht ein Tag pro Woche an. Vor allem Mathematik ist für die Azubis wichtig. "Man muss schon genau ausrechnen können, wie viele Farbeimer man beispielsweise für eine Fassade benötigt und das richtige Mischverhältnis finden“, sagt Anliyah. Doch auch Farbenlehre und Gestaltung stehen im Unterrichtsplan. Oft dürfen die beiden selbstständig arbeiten. "Natürlich wird am Schluss die Arbeit noch einmal von einem Gesellen kontrolliert."


Beide Azubis sind den ganzen Tag in Bewegung. „Unter 30 000 Schritte am Tag gehe ich nicht nach Hause“, weiß Tim. "Abends ist man schon ziemlich fertig." Doch am Schreibtisch sitzen, das wäre für die Beiden nichts.
Schleifen, spachteln und die Vorarbeiten übernehmen gehört zu den täglichen Aufgaben der Beiden. Das Lackieren und Malen ist für beide jedoch die Lieblingstätigkeit. "Es macht einfach zufrieden, wenn dann ein schönes Ergebnis dabei herauskommt." Was sollte man mitbringen, wenn man sich für den Malerberuf interessiert? "Auf jeden Fall Lust auf den Beruf und ein ruhiges Händchen sowie Geduld", sind sich die Beiden einig.
// Julia Voigt
INFO
Maler und Lackierer gestalten und behandeln Innenwände, Decken, Böden und Fassaden von Gebäuden sowie die Oberflächen von Objekten aus verschiedenen Materialien. Sie sind im Neubau, bei der Sanierung und Modernisierung tätig. Bevor sie Flächen beschichten, bereiten sie die Untergründe vor und bessern Putzschäden an Wänden und Decken aus. Innenräume gestalten sie mit unterschiedlichen Maltechniken, aber auch mit Tapeten und Dekorputzen. Durch den Einbau von Dämmstoffen oder das Aufbringen von Wärmedämm-Verbundsystemen leisten sie einen wesentlichen Beitrag zur Energieeinsparung. Holz und Holzwerkstoffe, z.B. Fenster, Türen und Zäune, schützen sie mit geeigneten Lasuren, Farben oder Lacken. Gegebenenfalls entwerfen und fertigen sie zum Beispiel Schriften und Logos für Hinweisschilder und andere Werbemittel. Maler und Lackierer der Fachrichtung Gestaltung und Instandhaltung ist ein dreijähriger anerkannter Ausbildungsberuf im Handwerk. Insgesamt bietet die Ausbildung fünf verschiedene Fachrichtungen: Fachrichtung Bauten- und Korrosionsschutz, Energieeffizienz- und Gestaltungstechnik, Gestaltung und Instandhaltung, Kirchenmalerei und Denkmalpflege.