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Gespräch mit der Berufsberaterin der Agentur für Arbeit in Pinneberg: "Es geht darum, Chancen zu schaffen"

FOTOS: VINCORION, AGENTUR FÜR ARBEIT ELMSHORN; EHRENBERG-BILDER, ZINKEVYCH, SHOCK, TRUEFFELPIX/STOCK.ADOBE.COM

Was ist eigentlich eine Einstiegsqualifizierung? Wem hilft sie und was bringt sie? Wir haben bei Franziska Ploẞ, Berufsberaterin der Agentur für Arbeit in Pinneberg, nachgefragt.

Sprungbrett in die Ausbildung: So funktioniert die Einstiegsqualifizierung

Frau Ploß, die Einstiegsqualifizierung, kurz EQ, ist ein Begriff, der nicht jedem geläufig ist. Was darf man sich darunter vorstellen?
Die Einstiegsqualifizierung ist sozusagen ein strukturiertes Praktikum, das über einen längeren Zeitraum verläuft, für gewöhnlich zwischen vier und zwölf Monaten. Im Vergleich zu einem klassischen Praktikum, das meist nur wenige Wochen dauert, ist die EQ deutlich verbindlicher, umfangreicher und wird zudem vergütet. Der größte Vorteil ist, dass parallel zur praktischen Arbeit im Betrieb auch die Berufsschule besucht wird. Jugendliche haben dadurch die Möglichkeit, nicht nur den betrieblichen Alltag und die Arbeitsprozesse in der Praxis kennenzulernen, sondern sie können auch feststellen, ob sie mit den Anforderungen der Berufsschule zurechtkommen. Das hilft ihnen, wirklich fundierte Entscheidungen über ihre berufliche Zukunft zu treffen und der Lehrbetrieb kann den Bewerber ebenfalls besser kennenlernen.

Sie sagten, die EQ wird vergütet, was heißt das konkret?
Die Bundesagentur für Arbeit gewährt dem Betrieb einen Zuschuss von 247 Euro pro Monat. Meistens wird dieser Betrag vom Betrieb aufgestockt, um mit dem Jugendlichen eine faire Vergütung zu vereinbaren, die oft dem Niveau eines Ausbildungsgehalts entspricht. Zudem übernimmt die Agentur einen pauschalen Anteil am Sozialversicherungsbeitrag. Das Gesamtpaket ist so konzipiert, dass es sowohl für Unternehmen als auch für die Jugendlichen attraktiv ist. 

Für welche Zielgruppe ist die Einstiegsqualifizierung besonders geeignet?
Unsere Hauptzielgruppe sind sogenannte Altbewerber. Das sind Jugendliche, die ihren Schulabschluss vielleicht schon im Vorjahr gemacht haben, aber keinen Ausbildungsplatz finden konnten oder aus anderen Gründen noch nicht im Berufsleben angekommen sind. Es gibt keine Altersbegrenzung, und der schulische Hintergrund ist zweitrangig. Voraussetzung allerdings ist, dass die Vollzeitschulpflicht erfüllt wurde. Besonders im Fokus stehen junge Menschen, die einen gewissen Nachteilsausgleich benötigen. Dies können zum Beispiel Jugendliche sein, die ihren schulischen Abschluss nicht geschafft haben, vielleicht wegen zu vieler Fehlstunden oder keine Berufsperspektive sehen. Die EQ bietet ihnen eine wertvolle Brücke in eine reguläre Berufsausbildung. Einfach einmal bei uns in den Arbeitsagenturen nachfragen.

Wie sieht denn das Interesse von Seiten der Betriebe aus? Möglicherweise könnten sie ja skeptisch sein, sich auf Menschen einzulassen, die möglicherweise schulische oder persönliche Sorgen haben.
 Die Reaktion der Betriebe ist in der Regel positiv. Viele Arbeitgeber wissen, dass schulische Leistungen nicht immer die tatsächliche Leistungsfähigkeit in einem praktischen Arbeitsumfeld widerspiegeln. Wir begleiten gerade eine junge Frau, die jetzt ihre Ausbildung in einer Tierarztpraxis anfängt, bei der sie vorher eine EQ gemacht hat. Die Noten in Mathe, Deutsch oder Englisch zeigen ja nicht, dass man vielleicht super mit Tieren umgehen kann. Es geht ohnehin nicht um ein schlechtes Zeugnis, vielmehr sind es andere Hürden, über die eine EQ helfen möchte. Die EQ erlaubt es zukünftigen Arbeitgebern, Jugendliche über einen längeren Zeitraum kennenzulernen, ohne direkt eine dreijährige Verpflichtung einzugehen. Das ist ein großer Vorteil, für Betriebe und für den Nachwuchs, der bewusst entscheiden kann, ob das der richtige Job ist.

Welche Berufe sind es, bei denen eine EQ Sinn macht?
Grundsätzlich gilt, dass alle dualen Ausbildungsberufe für eine EQ infrage kommen. Nicht dazu gehören schulische Ausbildungen, zu Erziehern und Physiotherapeuten. Besonders häufig findet man Einstiegsqualifizierungen im handwerklichen Bereich. Aber auch kaufmännische Berufe sowie Berufe im Bereich der medizinischen Fachangestellten sind möglich. Wichtig ist, dass der Betrieb dazu bereit ist, den Jugendlichen ähnlich wie einen Azubi zu begleiten und gleichzeitig die Möglichkeit zu bieten die Berufsschule zu besuchen. Dort wird ganz normal am Unterricht teilgenommen und es werden Prüfungen geschrieben. 

Können Sie beurteilen, wie erfolgreich diese Einstiegsqualifizierungen sind?
Aus meiner Erfahrung sind die Chancen hoch, dass Jugendliche nach einer erfolgreichen Einstiegsqualifizierung in eine reguläre Berufsausbildung übergehen. Selbst wenn die EQ nicht im selben Betrieb in eine Ausbildung mündet, haben die Jugendlichen die Möglichkeit, sich in anderen Betrieben zu bewerben und dort zu erklären, dass sie bereits Erfahrungen gesammelt haben. Es geht darum, Barrieren abzubauen und Chancen zu schaffen. 

Welche Botschaft würden Sie jungen Menschen mit auf den Weg geben, die vielleicht noch unsicher sind, welchen beruflichen Weg sie einschlagen sollen?
Jede sich bietende Chance ergreifen und aktiv nach Praktika und Erfahrungsangeboten suchen. Herauszufinden, was einem wirklich liegt und wo die eigenen Stärken sind. Auch der Austausch mit anderen, sei es im Freundes- oder Familienkreis, kann helfen, neue Ideen und Perspektiven zu bekommen. Und sich auch einmal mit Berufen beschäftigen, die auf den ersten Blick vielleicht nicht so attraktiv erscheinen. Wir in der Berufsberatung versuchen einen bunten Blumenstrauß zu binden, aus der man die für sich passende Blume aussuchen kann. Das Beste ist natürlich, dass man selbst aktiv wird, das heißt nicht, dass man sich gleich festlegen muss.




// Interview: Julia Voigt

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