Seit zehn Jahren gibt es die Werft von Jan Brügge. Was klein begann, ist heute ein Betrieb mit etwa 25 Mitarbeitern, die sich einig sind: Boote sind mehr als Fortbewegungsmittel - sie sind Leidenschaft. Das zeigt sich im Alltag: Neben dem Neubau besteht ein großer Teil seiner Arbeit aus Service, Reparaturen und der Pflege von Booten. Gerade im Winter füllt sich das Gelände mit 50 bis 60 Schiffen. Darunter viele Holzboote, aber natürlich auch moderne Kunststoffyachten. Der Unterschied? Den spürt man sofort, sagt Brügge - in der Haptik, im Klang, im ganzen Gefühl an Bord.
HOLZBOOTE: MEHR ALS NUR EIN MATERIAL
Holz hat an der Küste eine lange Tradition. Doch in den 1970er-Jahren wurde es zunehmend von Kunststoff verdrängt. Für Jan Brügge ist das kein Zeichen von Überlegenheit, sondern eher von Stillstand: "Die Technologie wurde einfach nicht weiterentwickelt."
Genau hier setzt seine Arbeit an. In seiner Werft wird der klassische Holzbootbau neu gedacht. Moderne Techniken treffen auf bewährtes Wissen - und bringen Boote hervor, die nicht nur schön aussehen, sondern auch leistungsfähig sind. Denn ein Holzboot lebt, arbeitet, verändert sich. Wer einmal mit der Hand über ein lackiertes Deck gestrichen hat, versteht, was gemeint ist. Dieses warme, natürliche Gefühl lässt sich nicht kopieren.
Ein Holzboot verlangt Aufmerksamkeit. Lackieren, Motor warten, das Rigg überprüfen, Unterwasseranstriche erneuern - all das gehört dazu. Für manche mag das nach viel Arbeit klingen. Für Liebhaber ist es Teil der Beziehung zu ihrem Boot. Und genau diese Beziehung begleitet Brügge mit seinem Team. Jedes Schiff wird individuell betreut, jedes Detail zählt. Es geht nicht nur darum, dass alles funktioniert - sondern dass es sich richtig anfühlt.



EIGENE KLEINSERIE: WOY 26
Neben dem klassischen Werftbetrieb hat Jan Brügge auch seine eigene Marke aufgebaut: Woy Yachts. Dahinter steckt die Idee, moderne Holzboote zu entwickeln, die sowohl ästhetisch als auch funktional überzeugen.
Das erste Modell: die Woy 26 - ein acht Meter langes Boot mit zeitlosem Design und modernen Segeleigenschaften, das er gemeinsam mit Martin Menzner von Berckemeyer Yacht Design entwickelt hat. Es ist leicht zu handhaben, schnell und gleichzeitig elegant. Ein Boot für Menschen, die klassische Linien lieben, aber auf Komfort und Performance nicht verzichten wollen.


SCHON FRÜH VOM SEGELVIRUS GEPACKT
Dass Jan Brügge heute hier arbeitet, ist kein Zufall. Aufgewachsen in Hamburg, kam er schon als Kind zum Segeln an die Schlei. Später folgte die Ausbildung zum Bootsbauer, dann der Meistertitel - und schließlich die eigene Werft. Seine Begeisterung ist geblieben. Für das Segeln, für das Arbeiten mit Holz, für Boote mit Seele. Und das ist sicher ein Faktor, warum seine Werft mehr ist als ein Handwerksbetrieb: Sie ist ein Ort, an dem Geschichten entstehen.
AUCH MAL EIN BUS IST DABEI
Dass in der Werkstatt auch ungewöhnliche Projekte entstehen, passt ins Bild. Ob ein Bus mit edlem Yacht-Innenausbau oder die Mitarbeit an einem Katamaran-Prototyp mit Foils – im Team von Jan Brügge wird nicht nur bewahrt, sondern auch experimentiert.
// Katja Scholz