Wer in Rendsburg Schwimmen gelernt hat, hatte es mit großer Wahrscheinlichkeit auch mit Helga Wendt zu tun. Die gebürtige Brandenburgerin hat tausenden Neulingen beigebracht, sich sicher über Wasser zu halten sowie Leistungsschwimmern zu Siegen und Pokalen verholfen. Am 17. Dezember ist die Frau, die auch als „Deutschlands älteste Schwimmlehrerin“ bekannt wurde, im Alter von 90 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit gestorben.
Helga Wendt war gelernte Kinderkrankenschwester und kam über berufliche Umwege in Süddeutschland nach Rendsburg, wo sie auch ihren Mann kennenlernte. Mit dem Schwimmen hatte sie zunächst gar nichts zu tun, ihre Sportarten waren das Tanzen und das Turnen. Aber als Mitte der 1980er Jahre Schwimmlehrer gesucht wurden, stürzte sie sich voller Energie in diese Aufgabe.

Probleme mit der Disziplin ihrer Schützlinge hatte die kleine, zierliche Frau nie. Mit ihrer unbändigen Energie, ihrem Fachwissen, viel Temperament und klaren Ansagen hatte sie jede Gruppe schnell im Griff. Einer ihrer ehemaligen Schützlinge ist Tom Matzen, Landesjugendvorsitzender der DLRG Schleswig-Holstein, der für Wiking Kiel in der 2. Bundesliga schwamm und 2021 einen Weltrekord über 1000 Meter Schmetterling aufstellte im Alleingang gegen die Uhr. „Helga hatte eine sehr direkte Art und einen speziellen Humor, mit dem nicht jeder auf Anhieb klarkam“, berichtet der 27-Jährige, „aber sie zeichnete sich auch dadurch aus, dass die sich um jeden einzelnen Schwimmschüler bemühte und niemanden aufgab. Bei ihr lernte jeder das Schwimmen“.
Lange Jahre betreute Helga Wendt fast täglich Nicht- und Leistungsschwimmer, von der Öffentlichkeit weitgehend unbeobachtet. Das änderte sich schlagartig vor fünf Jahren, als sie als „älteste Schwimmtrainerin Deutschlands“ bundesweit Schlagzeilen machte. Dazu trug sie durch ihre spezielle Art auch selbst bei. „Du musst aus jeder Leberwurst einen guten Schwimmer machen. Sonst bist Du kein Trainer“, lautete einer ihrer viel zitierten Sprüche. Das kam an. Helga Wendt wurde überregional bekannt und plötzlich auch mit offiziellen Ehrungen schier überhäuft, darunter Ehrennadeln der Stadt Rendsburg und der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft sowie ein Nivea-Lebensretter-Preis.
Ihre eigentliche Aufgabe aber sah sie immer am Beckenrand, wo sie ihre Schützlinge immer im Blick hatte und in ruhigem Ton Verbesserungen anmahnte: „Den Arm näher am Körper entlangziehen, mehr Druck aufbauen, auf die Körperspannung achten.“ Ihre Analysen waren immer präzise und hilfreich. Ebenso knapp und schonungslos wie ihre an die Anweisungen Schwimmschüler war ihre Erklärung auf die Frage nach ihrem immensen Engagement. „Soll ich etwa zu Hause sitzen und stricken oder Staub wischen? Da würde ich verrückt werden.“
So war es auch nur logisch, dass Helga Wendt ihren 90. Geburtstag im November am Beckenrand im Rendsburger Schwimmzentrum verbrachte. Dort, wo sich ein Großteil ihres Lebens abgespielt hatte und wo sie einen unschätzbaren Dienst Gesellschaft und für die Schwimmwelt geleistet hat.
Gero Trittmaack
Rathaus bleibt an diesem Freitag zu
Die Rendsburger Stadtverwaltung weist darauf hin, dass das Rathaus an diesem Freitag, 2. Januar, aufgrund des zu erwartenden geringen Publikumsverkehrs geschlossen bleibt. Ab Montag der kommenden Woche, 5. Januar, gelten wieder die gewohnten Öffnungszeiten. höf
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