Zu Beginn des Jahrhunderts wurde die Bundeswehrkaserne „Auf der Freiheit“ geräumt und die zivile Nachnutzung des Geländes beschlossen, der Bau der Häuser begann 2009. Ein Jahr später zogen die ersten Bewohner ein. Seither hat sich das Areal ordentlich weiterentwickelt.


Zu den ersten, die in die Siedlung zwischen Holm, Holmer Noor und dem nördlichen Ufer der Kleinen Breite der Schlei zogen, gehören Renate und Christian Seifert aus Gelting. Er hatte selbst an der Erschließung und der Entstehung des Baugebiets mitgewirkt und deshalb bei der Auswahl der Wohnung auch gute Karten. Das Paar wohnt einem der sechs Strandhäuser direkt an der Schlei. Es ist schon fast filmreif, wenn die Fahrstuhltür sich in der fünften Etage öffnet und der Blick durch Flur und offene Küche hindurch direkt auf die Schlei fällt. „Wir haben uns hier vom ersten Tag an sehr wohlgefühlt“, sagt Renate Seifert. Warum, danach muss man angesichts der lichten Räume, der an drei der Gebäudeseiten umlaufenden Terrasse und dieser Aussicht eigentlich gar nicht fragen. „Es sind der Blick und die Lage. Der Himmel, der sich im Wasser der Schlei spiegelt - das ist jeden Tag anders, und wir genießen es jeden Tag aufs Neue“, sagt Christian Seifert. Eine besondere Freude für den Naturfilmer sind die vielen Vögel, die hier zu sehen sind. In der riesigen Eiche direkt vor dem Haus sammeln sich die Stare zum Abflug in den Süden. Schwalben sitzen manchmal ,wie an der Perlenketteaufgereiht“ auf den Simsen. Im Januar kommen große Mengen von Kormoranen. „Das sind sehr raffinierte Jäger“, konnte Seifert vom Balkon aus beobachten. Die Sorgen der Fischer um die Heringsbestände und die Wasserqualität der Schlei kann er gut nachvollziehen. Das Seeadlerpaar, das am Gottorfer Burgsee nistet, fliegt häufig vorbei in Richtung Reesholm. Vögel, aber auch Schiffe und die Eindrücke bei Gewitter- oder dem jährlichen Lampionfest - Renate und Christian Seifert wird es nicht langweilig. Das Paar genießt nicht nur die außergewöhnliche Wohnung, sondern auch den kurzen Weg in die Innenstadt, der in der Regel per Fahrrad zurückgelegt wird. Sie schwärmen von vielfältigen kulturellen Angeboten wie Festivals, Ausstellungen im Stadtmuseum und Schloss Gottorf. Positiv finden sie auch die medizinische Versorgung vor Ort, die Anbindung an Bahnhof und Autobahn. „In Schleswig ist viel los. Ich kenne keine andere Stadt dieser Größe, die soviel Kultur und Kleinkunst bietet“, so Seifert, der selbst aktiv in zwei Chören singt ChorColores, dem Chor der Kreismusikschule, und einem Gospelchor.
Aber gibt es denn am Leben auf der „Freiheit“ so hoch über den Dächern gar nichts auszusetzen? Christian Seifert lacht. „Die roten Gebäude, der ehemalige „Fabrikhof“, waren ursprünglich anders geplant. Das finde ich nicht so richtig schön. Der Baustil gefällt mir zwar, aber es ist zu eng gebaut. Aber über die Architektur kann man streiten“, sagt er. Damit möglichst wenig Autos auf den engen Straßen der Freiheit stehen, hatte seinerzeit die Planung neben den Doppelhäusern je zwei Parkplätze pro Haushälfte vorgesehen, aber die wurden zum Teil zugebaut. Dadurch wurde die Parksituation in der Straße „Zum Netzetrockenplatz“ oft „chaotisch“ und unübersichtlich, besonders an einzelnen Hauseingängen. Aber die Stadt habe vor wenigen Wochen reagiert und Parkplätze markiert. „Das ist meiner Ansicht nach eine sehr gelungene Lösung“, so Seifert.


Ebenfalls am Netzetrockenplatz haben Monika und Hauke Huusmann sich vor zehn Jahren ein Einfamilienhaus gebaut. „Wir wohnten noch in Hamburg und waren zufällig in Schleswig. Wir standen hier, und es gab bis dahin nur ein paar Stadthäuser“, beschreibt Monika Huusmann. „Wir haben ganz viel von der Schlei „Wir gesehen und beschlossen: Wenn wir mal bauen, dann hier!“

Sie entschieden sich recht kurzfristig für ein Grundstück an einem Fußweg, das ein bisschen mehr „Luft“ in alle Richtungen versprach. Hauke Huusmann, selbst Architekt und Maler, entwarf auf dem relativ kleinen Stück Land ein lichtdurchflutetes Haus auf drei Ebenen, 2014 zog das Paar ein. Und auch, wenn das Quartier inzwischen gewachsen ist, Monika und Hauke Huusmann leben gern hier, genießen das einfallende Licht in ihrem „Durchwohnhaus“ und die Aussicht aus den oberen Etagen in alle Richtungen. „Wir sehen die Schlei, das Kloster und den Dom, wir sehen das Holmer Noor und haben einen wunderschönen Spielplatz vor der Tür“, schwärmt Monika Huusmann. Der Künstler im Haus hat viel Licht im Atelier und sich gleichzeitig ein kleines Planetarium neben der Dachterrasse geschaffen. Beide genießen die verschiedenen Terrassen im Osten frühstücken sie draußen in der Sonne oder im extra dafür angelegten Frühstücksraum, im Westen im Garten wird es am Abend gemütlich. Der kleine Garten ist inzwischen so eingewachsen, dass ungestörtes Sitzen inmitten des eng bebauten Quartiers gut möglich ist. „Es ist eine kleine Oase“, sagt Monika Huusmann.
Seit 2014 ist es etwas enger geworden um sie herum. Zu den ersten Nachbarn, die man kennenlernte und aus denen zum Teil gute Freunde wurden, sind viele neue dazu gekommen. Die Nachbarschaft sei etwas anonymer geworden. „Klassische Blockbebauung“, sagt er. Diese städtische Blockstruktur schotte sich ab und passe nicht recht zu der Siedlungsstruktur, die sonst in den Quartieren vorherrsche. „Kein Vorwurf, aber ein Empfinden“, sagt er, „und ich sage das nicht als Nachbar, sondern als Stadtplaner.“ Als gelungenes Beispiel für angepasste Struktur in der Stadt nennt Huusmann den Pionierhafen: „Er ist durchlässig und hat Schleibezug.“


Am Ärztezentrum „Flieger“ wünschen sich die anliegenden Bewohner eine Einfriedung des Grundstücks mit einer Hecke als Sicht- und Blendschutz für die Hausfenster. Mit Sorge schaut Huusmann auf den Bereich zur Kleinen Breite, der auf dem ehemaligen Modell noch als Grünstreifen verzeichnet war. Nun sollen da drei Häuserblocks entstehen. „Ich hoffe, dass diese zeilenartige Bebauung weniger massiv wird“, sagt er. Insgesamt lobt das Paar die schöne Wohnlage, die Nähe zur Schlei und beobachten die weitere Entwicklung mit Interesse und einer Hoffnung: „Ich „Ich würde mir mehr Sensibilität zwischen der Bebauung und der Natur wünschen“, so Hauke Huusmann. Text: Doris Smit