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Katharina Khodami in Schlewig: Aus Stahl, Holz und Herzblut

Die Flensburgerin baute sich ein fast plastikfreies Öko-Hausboot

Am Rande des Schleswiger Stadthafens liegen zahlreiche Hausboote für die Ferienvermietung. FOTOS: MARCUS DEWANGER
Am Rande des Schleswiger Stadthafens liegen zahlreiche Hausboote für die Ferienvermietung. FOTOS: MARCUS DEWANGER

Die Flensburgerin Katharina Khodami hat sich ein Hausboot selbst gebaut: Ökologisch aus Stahl und Holz und fast plastikfrei. Die „Habitide“ liegt im Schleswiger Stadthafen, doch die Idee kommt von der dänischen Ochseninsel. Genauso wie ein verstecktes Detail. Der Weg zum Hausboot ist ein kleines Abenteuer. Die Gangway ist etwas steil, denn an diesem Vormittag ist Niedrigwasser in der Schlei. Über die Holzbrücke geht es hinunter auf einen Vorsprung und mit zwei Schritten hinunter auf die schmale Veranda. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann sich am Tau festhalten, das vorm Fenster baumelt. Mitten im Stadthafen, am Ende eines verwinkelten Stegs, liegt das Hausboot „Habitide“. Stadtnah und doch weit weg vom Alltag. Hier entspannt Katharina Khodami am liebsten, wenn die Sonne über Schleswig untergeht. Die Flensburgerin hat sich mit dem selbstgebauten Hausboot einen Lebenstraum erfüllt. 

Die Idee kam ihr, als ihr damaliger Partner das Lokal auf der dänischen Ochseninsel in der Flensburger Förde betrieb. Ein Hygge-Ort – nur mit dem Boot erreichbar. „Ich bin mit dem Motorboot hingependelt und habe an den Wochenenden dort gewohnt“, sagt die Flensburgerin. Das Lokal gibt es nicht mehr, die kleine Aussteiger-Szene ist auseinandergebrochen, ebenso wie die Beziehung von Katharina Khodami. Doch ihr Traum vom Hausboot ist geblieben. Auch dieser Weg war ein kleines Abenteuer. Die erste Kufe des Pontons wurde in einer Flensburger Halle geschweißt. „Aber dort fehlte es an Platz“, sagt Khodami. 

"Die Schlei hat sich wegen der Liegeplätze angeboten."

Katharina Khodami

Also zog das Projekt auf die Schleswiger Freiheit um. „Zwischendurch habe ich daneben im VW-Bus gewohnt“, erinnert sie sich. Zusammen mit Zimmermann Peter Reith hat die Designerin die „Habitide“ gestaltet und gebaut, bis das Hausboot 2014 ins Schleiwasser durfte. Der Stadthafen ist gesäumt von Hausbooten. 22 Liegeplätze sind es insgesamt, heißt es vom Betreiber, den Stadtwerken SH – mehr sollen es nicht werden. Zur offenen Schlei hin liegen sie wie eine Kette nebeneinander. Mehrere Anbieter vermieten Urlaub in Wassernähe. So hat „Fjordlink“ hier sechs Hausboote, insgesamt vermietet der Anbieter aus Heikendorf 23. „Tendenz steigend“, sagt Geschäftsführer Wolfram Scheid. Der maritime Urlaub boomt – mit allen Bequemlichkeiten. „Die Hausboote haben alle einen Geschirrspüler und eine Dachterrasse“, sagt Scheid. Die meisten Gäste reisen aus Mitteldeutschland an und sind „zwischen Ende 40 und bis Ü60“, erklärt Sandra Erdel von „Wind und Wellen“ im Wikinghafen. „Die Schlei hat sich wegen der Liegeplätze angeboten“, sagt die Nordfriesin. „Die Nordsee eignet sich weniger dafür – es gibt einfach zu starke Gezeiten.“ An dieser Einschätzung hat auch das Jahrhunderthochwasser nicht viel geändert, auch wenn Hausboote in den Schleswiger Häfen Schäden erlitten. Bei Katharina Khodami, Sandra Erdel und Wolfram Scheid waren es zum Glück keine großen. Katharina Khodami hat mit „Habitide“ bewusst auf gleichförmige Serienprodukte verzichtet. „Ich habe nicht so hoch gebaut und die Linien gebrochen, so dass es nicht so ein Kasten ist“, sagt sie. „Ich wollte etwas, das hineinpasst.“ Wichtig war der Designerin auch, ein nachhaltiges Hausboot zu bauen. 

Sie hat weitgehend auf Plastik verzichtet. Die Zutaten: „Stahl, Glas, Holz und Herzblut.“ Die Holz-Aufbauten sind mit Ökofarben lasiert, beim Ponton verzichtet sie auf Antifouling und ein Teil der ökologischen Dämmung ist aus Schafwolle – die hatte Katharina Khodami noch von den Schafen der Ochseninsel. Energie wird über Solarpaneele und ein Windrad auf dem Dach gewonnen, als Brauchwasser nutzt sie Regenwasser. „Wir sind noch am Landstrom dran, aber wenn man irgendwo ankert und sparsam ist, dann kann man autark sein“, sagt Khodami. Zwei Motoren hat das Hausboot im Schott – doch für Urlauber ist die Möglichkeit für Törns nicht geplant. Und auch die Flensburgerin lässt „Habitide“ fast immer am Liegeplatz. 

Eigentlich wollte die Designerin das Hausboot mit etwa 42 Quadratmetern Wohnfläche als neues Zuhause bauen. Doch zwischendurch wurde die neue PatchworkFamilie mit fünf Kindern zu groß. Sie und ihr Partner haben nun ein Haus mit Permakultur-Garten und Hühnern. „Daher bin ich erstmal in Flensburg geblieben“, sagt sie. „Jetzt sind die Kinder aus dem Haus, aber es gibt so viele andere Projekte.“ Vor allem der Kampf gegen Mikroplastik. Kurzum: Im kommenden Jahr soll die „Habitide“ wieder vermietet werden. Urlauber können mit bis zu sechs Personen auf dem Hausboot wohnen. 

Neben der Schlaf-Kajüte gibt es ein Schlafsofa und ein Doppelbett, das an eine Wand geklappt ist. Man kann es am Flaschenzug hinunterlassen. Eine der vielen Ideen, die das Hausboot so individuell machen. „Es ist eben kein Pauschalurlaub auf Mallorca“, sagt sie. Mira Nagar

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