Björn Nieger bereichert in seiner zweiten Saison mit der „Bude 54“ die Kappelner Gastro-Szene. Der gelernte Bootsbauer kann aber auch auf ein spannendes und anspruchsvolles Berufsleben, unter anderem im Profi-Regattasport, zurückblicken.
Noch klingelt öfter sein Telefon und er ist zur Stelle, wenn ein Stammkunde ein Problem mit seinem Boot hat. Doch eigentlich lässt Björn Rieger seit August seinen Bootsbau-Betrieb „Breitengrad 54“ in Kappeln ruhen. Er wolle jetzt erst einmal zur Ruhe kommen und sich seinem gastronomischen Standbein widmen, sagt er. Die Idee zur „Bude 54“ hatte er 2021 in der Corona-Pandemie, als Gastronomie ausschließlich im Außenbereich erlaubt war. Er habe gemeinsam mit seinem von der Krise in der Gastronomie stark betroffenen Bruder, einem erfolgreichen Winzer aus Baden-Baden, einen Gastro-Anhänger für dessen Weingut und einen für sich selbst in Kappeln besorgt. Den Ausbau des Anhängers zu einer mobilen Weinbar hat der Bootsbauer kurzerhand selbst übernommen und so tauchte er im Sommer 2021 erstmals auf dem Fischmarkt auf. Im Winter stellte er den Anhänger als Glühweinstand in den Hof neben der Boutique „Fru Bøgel“ in der Poststraße und weil das gut ankam, eröffnete er dort die „Bude 54“ mit Sofas und kleiner Speisekarte. Inzwischen habe sich seine „Bude 54“ in Kappeln etabliert. Nieger schmeißt den Laden gemeinsam mit seiner festangestellten Mitarbeiterin Britta Mikkelsen und blickt insgesamt positiv in die Zukunft. „Ich habe noch viele Ideen und Pläne in der Gastronomie. Und auch wenn ich den Werftbetrieb im Moment ruhen lasse, hängt mein Herz auch weiterhin am Bootsbau. Aber ich würde da künftig lieber Aufgaben als Berater, Projektleiter oder Sachverständiger übernehmen“, erklärt der 46-Jährige. Gebürtig kommt Björn Nieger aus Rastatt bei Baden-Baden. Dort habe er schon als Kind seine Leidenschaft fürs Segeln entdeckt. „Ich wollte unbedingt Bootsbauer werden und habe meine Ausbildung am Bodensee gemacht“, erzählt er. Von Anfang an habe ihn vor allem das Rennyacht-Business gereizt. „Da wird mit den neuesten Techniken und Werk-stoffen gearbeitet, das hat mich einfach fasziniert“, erinnert sich Nieger. Seine Leidenschaft führte ihn nach Hamburg, wo er unter anderem bei der Ziegelmayer-Werftam Bau von 470er-Jollen für die Olympischen Spiele 2000 in Sydney beteiligt war. Mit Frau und Kind zog er danach für ein Jahr nach Neuseeland, wo er erstmals in die oberste Liga des Segelsports hineinschnuppern konnte. „Ich war bei Martens Yachts, einer der damals weltweit führenden Werften. Die haben spektakuläre Schiffe gebaut. Unter anderem die „Kingfisher“ für Dame Ellen MacArthur, mit der sie ihre Karriere als legendäre Seglerin begründete“, erzählt er. Danach wurde er in Deutschland ins Illbruck-Team aufgenommen und war am Bau des ersten deutschen Bootes für den America's Cup beteiligt. „Leider wurde das Projekt wegen Finanzierungsproblemen eingestellt.
Aber die Zeit war klasse und ich habe viel Erfahrung sammeln können“, sagt Nieger, der weiter seinen Traum verfolgte, ein Teil des ältesten und zugleich modernsten Segelwettbewerbs der Welt zu sein. So wechselte er in die Shore-Crew des französischen America's Cup Teams. „Das ist wie die Boxencrew in der Formel-1. Man ist 24 bis 30 Stunden am Stück im Einsatz, sieben Tage die Woche. Ständig werden Reparaturen und Verbesserungen an den Yachten vorgenommen.


Das ist ein Knochenjob, den ich heute nicht mehr machen könnte. Aber damals war das für mich das Größte“, erzählt er. Rund sieben Jahre hat Nieger den America's Cup begleitet, unter anderem beim Schweizer „Alinghi“-Team, dem britischen „GBR Challenge“-Team sowie beim Schwedischen Victory Challenge“-Team. „Dazwischen habe ich auch spektakuläre Aufträge für private Superyachten in Istanbul, England oder Katar bekommen“, sagt er. So war er unter anderem am Bau des Karbon-Riggs für die damals größte Segelyacht der Welt, den „Maltese Falcon“. „Nach Kappeln bin ich schließlich über meinenFreund Henning Mittelmann gekommen, der mich 2005 mit der Bauleitung für einen Yacht-Neubau beauftragte“, erzählt Nieger. Er habe sich dann an der Schlei niedergelassen und nach einigen Jahren bei der Knierim Werft in Kiel sein eigenes Unternehmen „Breitengrad 54“ in Kappeln gegründet. „Neben Yachtservice und Reparaturen habe ich mich auch mit dem Bau eines eigenen Motorboots beschäftigt. Die Idee kam 2007 während einer gemeinsamen Transatlantik-Regatta mit Henning Mittelmann auf“, erinnert er sich.


Mit seiner C 700 habe er ein Boot gebaut, dass aufgrund seines modernen Rumpf-Designs weniger Sprit verbrauche und durch die Wellen schneide anstatt zu hämmern. Das erste Exemplar habe er für sich behalten, das sei auch unverkäuflich. „Die Werft liegt zwar derzeit auf Eis, aber wenn jetzt jemand nach einer C 700 fragen würde, könnte ich sie auch woanders bauen lassen. Ich habe ja ein gutes Netzwerk“, sagt Nieger und man spürt, dass ihn die Leidenschaft für den Bootsbau nicht loslässt. Text: Stephan Schaar