Der Jahresbeginn ist für viele ein Neustart. Mehr Bewegung, fitter werden, etwas für sich tun. Doch ebenso regelmäßig wie die guten Vorsätze folgt oft die Ernüchterung. Warum scheitern so viele – und was hilft wirklich, um langfristig dranzubleiben? Antworten darauf gibt Heidi Hammerschmitt-Klatt. Die Diplom-Ernährungs- und Sportwissenschaftlerin leitet das Fitnessstudio des VfL Pinneberg und begleitet seit Jahren Menschen unterschiedlichsten Alters beim Einstieg – und Wiedereinstieg – in Bewegung.
„Der größte Fehler ist, zu viel auf einmal zu wollen“, sagt Lange Hammerschmitt-Klatt. Trainingseinheiten, zu hohe Erwartungen und starre Pläne führten häufig dazu, dass Motivation schnell verloren gehe. Entscheidend seien stattdessen realistische Ziele und ein Rahmen, der zum eigenen Alltag passt. Aus ihrer Praxis weiß sie: Die ersten drei bis vier Monate sind entscheidend. In dieser Zeit muss Bewegung zur Routine werden – nicht zur Belastung. „Man sollte herausfinden, welcher Trainingstyp man ist“, empfiehlt sie. Krafttraining oder sanfte Bewegungsformen, Training allein oder in der Gruppe, feste Termine oder flexible Zeiten: Was langfristig funktioniert, ist individuell sehr unterschiedlich.
Ein häufiger Grund fürs Aufhören sei Überforderung. Hammerschmitt-Klatt rät deshalb zu einem bewussten Einstieg: 30 bis 40 Minuten Training mit Fokus auf Muskelaufbau, reichten am Anfang völlig aus und seien deutlich leichter durchzuhalten als lange Kardioeinheiten. Erste Erfolge stellten sich so schneller ein – und genau diese seien wichtig, um dranzubleiben. „Viele merken schon nach kurzer Zeit, dass sie sich besser fühlen, weniger kurzatmig sind und stabiler werden“, beschreibt die Expertin.

Oft beobachtet sie Wiedereinsteiger ab Mitte 40. Menschen, die früher sportlich waren, dann aber einige Jahre pausierten – etwa wegen der Familie. „Der Körper erinnert sich“, sagt Hammerschmitt-Klatt. Dieses sogenannte Sportgedächtnis helfe dabei, vergleichsweise schnell wieder in Bewegung zu kommen. Auch Flexibilität spiele eine große Rolle. Nicht jede Lebensphase oder jeder Monat erlaubt gleich viel Training. Wer zeitweise weniger trainiert, muss deshalb nicht ganz aufhören. Für die gesundheitliche Prävention reiche oft schon eine Einheit pro Woche. Wichtig sei es, kontinuierlich in Bewegung zu bleiben – nicht dauerhaft das Maximum leisten zu wollen.
Hilfreich könne es außerdem sein, nicht allein zu starten, sondern zusammen mit Freunden, Partnern oder der Familie. Gemeinsame Termine erhöhen die Verbindlichkeit und senken Hemmschwellen. Am Ende geht es nicht um Perfektion, sondern um Regelmäßigkeit. Bewegung als fester Termin mit sich selbst. Hammerschmitt-Klatt nennt es „Me-Time“ – und betont: „Wenn wir länger und gesund leben wollen, müssen wir unseren Körper darauf vorbereiten.“ Nicht mit Druck, sondern mit einem Weg, der sich dauerhaft in den Alltag integrieren lässt.
Natascha Thölen