
Dr. Greuling, was hat Sie dazu bewegt, Gynäkologin zu werden?
Nun, wenn ich ehrlich bin, wollte ich eigentlich zuerst gar nicht Medizin studieren. Doch ich bin damit aufgewachsen, meine Mutter ist Gynäkologin. Nachdem ich ein gutes Abitur gemacht hatte, dachte ich darüber nach, ob vielleicht doch die Medizin das Richtige für mich sein könnte. Ich bin erst einmal nach Afrika gereist, um bei einem Aids-Projekt mitzuarbeiten. Hier habe ich viel mit Schwangeren gearbeitet und fand diese Frauen einfach toll. Danach war für mich klar, wie wichtig die medizinische Versorgung für Frauen ist und dass ich etwas bewirken möchte.
Wie fanden Sie dann den Weg zur Onkogynäkologie, also zum Schwerpunkt Krebserkrankungen?
Für mich bildet diese Spezialisierung den idealen Schnittpunkt zwischen klinischer Medizin und den zwischenmenschlichen Aspekten. Ich engagiere mich seit dem dritten Jahr meiner Facharztausbildung im onkologischen-gynäkologischen Bereich und habe anschließend eine spezielle Weiterbildung absolviert. Ich finde, dass sich meine persönlichen Interessen, die sowohl wissenschaftlich-akademische als auch zwischenmenschliche Aspekte umfassen, gut vereinen lassen. Die Arbeit in diesem Gebiet ist anspruchsvoll, aber auch unglaublich erfüllend. Insbesondere, da es so viele Fortschritte gibt, die den Patientinnen helfen.
Welche Krebsarten behandeln Sie in der Onkogynäkologie?
Die Onkogynäkologie umfasst alle Krebserkrankungen des weiblichen Genitals. Dazu gehören Vulvakrebs, Vaginalkarzinome, Gebärmutterhals- und Gebärmutterkörperkrebs sowie Eierstockkrebs. So unterschiedlich diese Erkrankungen sind, so unterschiedlich müssen sie auch betrachtet und behandelt werden.
Gibt es typische Symptome, auf die Frauen selbst achten können?
Das hängt von der Krebsart ab. Nicht heilende Wunden oder Knoten im Bereich der Vulva sind beispielsweise ein Warnsignal. Gebärmutterhalskrebs zeigt in frühen Stadien oft keine Symptome, weshalb die Vorsorgeuntersuchungen so wichtig sind. Blutungen in der Postmenopause können auf Gebärmutterkörperkrebs hinweisen, und Veränderungen des Bauchumfangs oder unspezifische Magen-Darm-Beschwerden können ein Zeichen für Eierstockkrebs sein.
Wie steht es um die Heilungschancen bei diesen Krebsarten?
Dank medizinischer Fortschritte und der Früherkennung sind die Heilungschancen in frühen Stadien sehr gut. So liegt die Heilungsrate bei frühem Gebärmutterhalskrebs beispielsweise bei über 90 Prozent. Schwieriger wird es bei Eierstockkrebs, der oft erst in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt wird. Hier liegt die durchschnittliche Überlebensrate über alle Stadien hinweg bei etwa 50 Prozent.
Welche Rolle spielt die HPV-Impfung in der Prävention?

Die HPV-Impfung ist enorm wichtig. Sie kann Gebärmutterhalskrebs, aber auch andere von HPV-assoziierte Krebsarten, vorbeugen. Die Erkenntnis, dass ein Virus Krebs verursachen kann, hat nicht nur die wissenschaftliche Welt beeindruckt, sondern stellt ein enormes Potenzial für unsere Gesundheitsvorsorge dar. Es ist meiner Meinung nach gerade revolutionär, dass wir in der Lage sind, uns gegen Krebs impfen lassen zu können. Leider sind die Impfraten noch recht niedrig. Die Impfung kann das Risiko des Auftretens dieser Krebserkrankungen drastisch senken, und ich hoffe, dass das Bewusstsein dafür noch stärker wächst. Dabei ist die HPV-Impfung die erste und aktuell einzige Impfung, die gegen Krebs schützt.
Welche Faktoren sind Ihrer Meinung nach verantwortlich für die niedrigen Impfraten?
Ein großes Hindernis ist die Tatsache, dass HPV oft als „Sex-Virus“ wahrgenommen wird. Das ist wiederum mit Tabus und Missverständnissen behaftet. Dabei spielen die gesellschaftliche Wahrnehmung und der Umgang mit Sexualität eine Rolle. Auch die Bekanntheit der Impfung und die Empfehlungen von Medizinern sind entscheidend. Es bedarf dringend einem gesellschaftlichen Umdenken. Wir müssen hier daher unbedingt umfassendere Aufklärungsarbeit leisten.
Was ist das HPV-Virus, und welche Auswirkungen hat es?
Das Humane Papillomavirus (HPV) ist eine Gruppe von Viren, die weltweit weit verbreitet sind und verschiedene gesundheitliche Auswirkungen haben können. Besonders bekannt ist HPV dafür, dass bestimmte Typen des Virus das Risiko für die Entwicklung von Gebärmutterhalskrebs (Cervixkarzinom) erhöhen können. Eine HPV-Infektion erfolgt meist in den ersten Jahren nach Beginn der sexuellen Aktivität, im Durchschnitt im Alter von 16 Jahren. Mehr als 80 Prozent der sexuell aktiven Menschen infizieren sich im Laufe ihres Lebens mit HPV. In den meisten Fällen eliminiert das Immunsystem das Virus innerhalb von zwei Jahren von selbst. Es gibt hunderte Typen von HPV und viele lösen keine schwerwiegenden Gesundheitsprobleme aus. Diese sogenannten Hochrisiko-Typen können im Laufe von zehn bis 30 Jahren Vorstufen und schließlich Krebs verursachen, wenn das Virus im Körper verbleibt. Risikofaktoren für eine Persistenz (Fortbestehen) der Infektion sind unter anderem eine geschwächte Immunantwort, zum Beispiel durch Rauchen oder eine Immunsuppression.
Warum sollen Mädchen und Jungen schon früh geimpft werden?
Idealerweise erhalten Kinder die HPV-Impfung zwischen dem 9. und 11. Lebensjahr. In diesem Alter zeigt sich eine besonders starke Immunantwort auf die Impfung. Zudem ist es wichtig, die Impfung vor Beginn möglicher sexueller Erfahrungen zu bekommen. Um einen vollständigen Impfschutz zu erreichen, dauert es gut ein Jahr und zwei Impfungen sind erforderlich, daher ist es ratsam, frühzeitig damit zu beginnen.
Ist es denn sinnvoll, Jungen auch impfen zu lassen?

Absolut. Jungen sollten unbedingt geimpft werden, da HPV auch bei Männern zu Krebs führen kann, wie Analkrebs oder Peniskrebs. Zudem tragen geimpfte Jungen dazu bei, die Verbreitung des Virus zu verringern, was wiederum einen indirekten Schutz für Mädchen und Frauen bietet. Leider liegt die Impfrate bei Jungen noch niedriger als bei Mädchen, was sich dringend ändern sollte.
Welche Nebenwirkungen hat die HPV-Impfung?
Die HPV-Impfung ist sehr sicher. Die häufigsten Nebenwirkungen sind leichte lokale Reaktionen an der Injektionsstelle, wie Rötungen oder Schmerzen. Gelegentlich können auch grippeähnliche Symptome auftreten, aber schwerwiegende Nebenwirkungen sind extrem selten.
Was können Frauen allgemein tun, um das Risiko einer Unterleibserkrankung zu reduzieren?
Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen sind wichtig, um eventuelle Veränderungen früh zu erkennen, oft bevor Beschwerden auftreten. Davon unabhängig sollten Frauen sensibel für die Signale ihres Körpers sein und bei Unklarheiten immer ärztlichen Rat einholen. Per Se ist ein gesunder Lebenswandel auch zur Vorbeugung von gynäkologischen Krebserkrankungen wissenschaftlich nachgewiesen sehr effektiv. Das bedeutet auf das Rauchen zu verzichten, sich regelmäßig zu bewegen und auf eine ausgewogene Ernährung und auf ein Normalgewicht zu achten.
Die Hormonersatztherapie, vor allem in den Wechseljahren, ist ja ein sehr kontrovers diskutiertes Thema und wird manchmal als Auslöser für Unterleibskrebs beschrieben. Wie sehen Sie das?
Ich würde niemals die Aussage treffen, der Krebs wurde exakt durch das und dies verursacht. Hormonersatztherapien können sowohl Risiken als auch Vorteile mit sich bringen. Sie können das Risiko für bestimmte Krebsarten erhöhen, aber auch einen schützenden Effekt auf andere haben. Es ist wichtig, dass der Einsatz solcher Therapien genau auf die Patientin abgestimmt wird. Der Nutzen kann erheblich sein, insbesondere bei starken Wechseljahresbeschwerden.
Was möchten Sie Frauen noch mit auf den Weg geben?
Ich möchte, dass Frauen keine Angst vor ärztlicher Hilfe haben. Die Medizin kann viel Gutes bewirken, und ich möchte jede Frau motivieren, die Angebote der Vorsorge und Prävention für sich zu nutzen.
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