Schnell ist es passiert: Die Teetasse mit kochend heißem Wasser ergießt sich über das Bein. Der Schnitt in den Finger beim Brotschneiden. Die aufgeschlagenen Knie nach einem Sturz mit dem Fahrrad. Manchmal bleibt im Falle eines Unfalles dann nur der direkte Weg ins Krankenhaus. Wann Hautverletzungen akut sind, was man selbst tun kann und wie der Alltag in der Notaufnahme aussieht, darüber hat unsere Redakteurin Julia Voigt mit Dr. Stefan Sudmann, Chefarzt für Notfall- und Akutmedizin in den Regio Kliniken Elmshorn und Pinneberg, gesprochen.
Dr. Sudmann, wie oft kommen Menschen mit einer Hautverletzung in die Notaufnahme und welche Arten von Verletzungen sehen Sie am häufigsten?
Verletzungen der Haut sind in unserer Notaufnahme alltäglich, überwiegend sind dann Unfälle die Ursache. Wir haben am Tag etwa 200 Patienten in der Notaufnahme, und ich schätze, dass ungefähr 30 bis 40 davon mit Hautverletzungen zu uns kommen. Am häufigsten sind Platzwunden, Schürfwunden und Ablederungen. Diese entstehen in der Regel bei Stürzen, Kollisionen oder durch scharfe Gegenstände. Akut ist eine Verletzung vor allem dann, wenn sie Verunreinigungen oder eine erhebliche Blutung aufweist.
Ab wann handelt es sich denn tatsächlich um einen Notfall?
Ein Notfall kann vielschichtig sein und umfasst Situationen, in denen eine Hautverletzung oder -erkrankung sofortige Behandlung durch einen Arzt erfordert. Dazu zählen frische Platz- oder Schnittwunden, die genäht oder geklebt werden müssen, damit u.a. keine Infektionen entstehen. Ebenso dazu gehören Verbrennungen verschiedenster Art und Schweregrade. Darüber hinaus gibt es Hauterkrankungen, die durch Ablösungen der Haut charakterisiert sind und die ebenfalls dringliche Behandlungen erfordern. Oft sind die Übergänge fließend und es ist für den Einzelnen schwer zu erkennen, ob ein Notfall tatsächlich vorliegt. Wer sich unsicher ist, sollte immer Kontakt zu einem niedergelassenen Arzt (außerhalb der Praxisöffnungszeiten über den kassenärztlichen Notdienst 116117) nehmen und dann ggf. die Notaufnahme aufsuchen.
Was raten Sie Betroffenen von Verbrennungen?
Verbrennungen erfordern oft spezialisierte medizinische Aufmerksamkeit, besonders wenn sie großflächig oder tief sind. Eine Faustregel ist, dass bei Verbrennungen, die größer als die Handfläche des Betroffenen sind, oder bei Verbrennungen, die keine Schmerzen verursachen, ein Arzt konsultiert werden sollte. Schmerzlosigkeit bei einer Verbrennung kann darauf hinweisen, dass die Verletzung so tief ist, dass sie die Nerven geschädigt hat. Bei der kleinsten Unsicherheit über die Schwere einer Verbrennung oder bei sichtbaren Symptomen wie Blasenbildung oder intensiver Hautverfärbung sollten die Betroffenen nicht zögern, die Notaufnahme aufzusuchen oder den Rat eines Facharztes einzuholen. Alternativ, wenn es sich um weniger schwerwiegende Fälle handeln könnte, kann auch der Kassenärztliche Notdienst Ersteinschätzungen und Unterstützung bieten. Ebenso ist der Hausarzt eine geeignete Anlaufstelle für erste Hilfe bei leichten Verbrennungen.
Welchen Unterschied gibt es zwischen Verbrennungen und Verbrühungen?
Während eine Verbrennung in der Regel durch trockene Wärmequellen wie Feuer oder heiße Oberflächen verursacht wird, entsteht eine Verbrühung durch den Kontakt mit heißem Wasser oder anderen heißen Flüssigkeiten. Medizinisch unterscheiden wir die Schwere von Verbrennungen unabhängig von ihrer Ursache, sondern eher anhand des Schädigungsgrades der Haut und der darunterliegenden Gewebe. Diese Schädigungen werden als Verbrennungsgrade klassifiziert, beginnend beim ersten Grad, der dem eines Sonnenbrandes entspricht, bis zum dritten oder vierten Grad, die tiefere Gewebeschichten betreffen. Bei leichten Fällen, die nur Rötungen hervorrufen, reicht in der Regel Kühlen und ggf. Feuchtigkeitscremes. Bei tiefergehenden oder großflächigeren Verletzungen ist es jedoch notwendig, medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen.


Gibt es typische Fehler, die bei Verbrennungen gemacht werden?
Ein häufig gemachter Fehler bei der Behandlung von Verbrennungen zu Hause ist die Verwendung von zu kaltem Wasser zur Kühlung der verletzten Stelle. Viele Menschen denken, dass kaltes Wasser die Schmerzen besser lindert, allerdings kann dies tatsächlich zu Unterkühlung führen, gerade wenn große Körperbereiche betroffen sind. Die Blutgefäße ziehen sich bei extremer Kälte zusammen, was die Heilung erschweren und zusätzlichen Schaden anrichten kann. Daher empfehlen wir, lauwarmes Wasser mit durchschnittlich 20 Grad für die Kühlung zu verwenden. Ein anderer Fehler ist das Auftragen von Hausmitteln wie Quark auf offene Wunden. Diese können die Wunde infizieren, die bakterielle Besiedlung fördern und generell das Risiko von Komplikationen erhöhen. Die besten Erste-Hilfe-Maßnahmen sind sauberes Abdecken der Verletzung und die schnellstmögliche Konsultation eines Arztes.
Was sollten Verletzte tun, bevor sie sich auf den Weg in die Notaufnahme machen?
Bringen Sie alle wichtigen medizinischen Unterlagen mit, insbesondere eine Liste der Medikamente, die regelmäßig eingenommen werden. Dies ist wichtig, damit das medizinische Personal, besonders bei Blutverdünnern, über potenzielle Risiken oder Komplikationen Bescheid weiß. Wenn möglich, sollte man auch eine Begleitperson mitbringen, die fährt und ggf. Unterstützung leisten kann. In Notfällen, wenn die Verletzung schwer ist oder in einer Schocksituation sollte man den Rettungsdienst rufen oder rufen lassen. Eine schnelle Versorgung kann bei schweren Fällen entscheidend sein.
Wann ist es denn angebracht, einen Krankenwagen zu rufen?
Dies gilt zum Beispiel bei starken Blutungen, die nicht gestoppt werden können, Ohnmacht oder extremen Schmerzen, die es unmöglich machen, sicher zu sitzen oder zu stehen. Auch bei akuten Herzproblemen, Schlaganfallsymptomen oder schweren Atembeschwerden ist der sofortige Transport ins Krankenhaus mittels Krankenwagen ratsam.
Wichtig ist, dass Patienten verstehen, dass ein Krankenwagen-Transport nicht zwangsweise mit einer schnelleren Behandlung in der Notaufnahme einhergeht. Die Priorisierung erfolgt auf Basis der medizinischen Dringlichkeit, die beim Eintreffen jedes Patienten individuell festgestellt wird. Unsere Einschätzung basiert auf einem standardisierten Abfragesystem der Symptome, das Parameter wie Blutdruck, Puls und Temperatur beinhaltet. Dementsprechend kann es vorkommen, dass Patienten, die selbst zur Notaufnahme kommen, schneller behandelt werden als jene, die mit einem Rettungswagen gebracht wurden.
Wie sollten Betroffene bei chemischen Verätzungen reagieren?
Wichtig ist das Abspülen der betroffenen Stelle mit Wasser, um die Chemikalie von der Haut zu entfernen oder zu verdünnen. Man sollte darauf achten, dass das Wasser nicht über unverletzte Hautstellen fließt, um eine Ausbreitung zu vermeiden. Bei Chemikalien oder Unsicherheiten sollte der Giftnotruf kontaktiert werden. Insbesondere bei Kindern ist Vorsicht geboten, da diese empfindlicher auf chemische Einwirkungen reagieren; in diesen Fällen ist ein schneller Arztbesuch unerlässlich. Auch wenn die initialen Symptome verschwunden scheinen, sollte eine medizinische Beurteilung vorgenommen werden, um spät einsetzende oder tiefergehende Schäden zu vermeiden.
Gibt es Unterschiede im Umgang mit Brandverletzungen bei Kindern und Erwachsenen?
Ja, der Umgang mit Brandverletzungen unterscheidet sich erheblich zwischen Kindern und Erwachsenen sowohl in der Beurteilung als auch in der Behandlung. Kinder haben aufgrund ihrer kleineren Körpergröße eine größere relative Körperoberfläche, was bedeutet, dass selbst kleinere Brandverletzungen eine größere Auswirkung auf ihren Körper haben können. Deshalb beginnen wir bei Kindern bereits ab einem verbrannten Bereich von fünf Prozent der Körperoberfläche mit einer intensiveren Überwachung, während dies bei Erwachsenen in der Regel erst bei zehn Prozent erforderlich ist. Die Empfindlichkeit der Haut und die geringere Menge an Flüssigkeitsreserven bei Kindern machen sie auch anfälliger für Kreislaufveränderungen und Flüssigkeitsverluste. Bei Verletzungen an bestimmten Körperregionen, wie zum Beispiel den Händen oder dem Gesicht, ist eine schnelle Behandlung durch einen Spezialisten unumgänglich, um Funktionseinschränkungen oder deformierende Narbenbildungen zu vermeiden. Gerade bei Kindern geht es neben der medizinischen Versorgung auch darum, achtsam mit ihnen zu arbeiten, um durch Beruhigung und Ermutigung in der Behandlung die emotionalen Traumata, die durch die Verletzung verursacht werden, zu minimieren.
Etwas ganz Persönliches, was fasziniert Sie an der Akut- und Notfallmedizin?
Für mich ist die Akut- und Notfallmedizin eine der dynamischsten und herausforderndsten Bereiche in der Medizin. Sie kombiniert einen einzigartigen Mix aus schnellem Denken, umfassendem medizinischem Wissen und der Fähigkeit, in stressigen und oft unvorhersehbaren Situationen ruhig und besonnen zu handeln. Eine wesentliche Komponente unserer Arbeit ist die Kommunikation. Patienten befinden sich häufig in einer stressigen und schockierenden Situation, und unsere Aufgabe ist es, ihnen die notwendigen Informationen klar und verständlich zu vermitteln, während wir gleichzeitig beruhigen und unterstützen wollen. Darüber hinaus ist die Arbeit interdisziplinär. Wir stehen in engem Austausch mit anderen Fachrichtungen und pflegerischen Mitarbeitern, um die beste Behandlung für jeden Patienten sicherzustellen, was ein starkes Teamgefühl und eine enge Kooperation erfordert. Diese Kombination aus Herausforderung, Vielfältigkeit und Teamarbeit macht die Akut- und Notfallmedizin für mich besonders faszinierend.
Interview: Julia Voig
Die wichtigsten Vitamine für schöne Haut
Folgende Vitamine und weitere Nährstoffe tragen dazu bei, dass die Haut gesund bleibt und auch so aussieht:



• Vitamin A spielt eine wichtige Rolle beim Schutz und der Erneuerung von Haut- und Schleimhautzellen. Es findet sich vor allem in Milchprodukten, Spinat, Eigelb, Leber und Fisch.

• Provitamin A (Beta-Carotin) ist eine Vorstufe von Vitamin A und gehört zu den sogenannten Antioxidantien. Es schützt die Haut vor Sonnenlicht und oxidativem Stress. Beta-Carotin steckt zum Beispiel in Möhren, Brokkoli, Paprika und Aprikosen.

• Vitamin C kräftigt das Bindegewebe und regelt den Feuchtigkeitshaushalt der Haut. Gute Quellen sind frisches Obst und Gemüse, etwa Paprika, Zitrusfrüchte, Beeren, Kohlgemüse und Kartoffeln.

• Vitamin B2 (Riboflavin) wird auch als „Wachstumsvitamin“ bezeichnet und ist ebenfalls an der Hautgesundheit beteiligt. Bei Mangel kommt es häufig zu Hautrötungen. Es findet sich unter anderem in Milch- und Getreideprodukten (zum Beispiel in Vollkornweizen), Fleisch, Fisch und Erbsen.

• Biotin zählt ebenfalls zur Gruppe der B-Vitamine. Es ist essenziell für den Aufbau von Keratin und somit von gesunder Haut, Haaren und Fingernägeln. Biotin steckt zum Beispiel in Eiern, Nüssen, Haferflocken, Sojabohnen, Champignons und Leber.

• Zink gehört zu den essenziellen Spurenelementen und ist unter anderem an der Proteinsynthese, Kollagenbildung und Wundheilung beteiligt. Sie finden es beispielsweise in Fleisch (Rind- und Schweinfleisch), Käse, Nüssen (Cashew- und Pekannüsse) und Hülsenfrüchten.

• Omega-3-Fettsäuren gehören zu den ungesättigten Fettsäuren, sind Bestandteil der Zellmembranen und wichtig für eine geschmeidige Haut. Sie stecken unter anderem in fettem Fisch und Algen. Auch Leinsamen und Walnüsse leisten einen Beitrag. jvo