Nudeln, Apfelmus oder Tomaten und Champignons in Konserven - es sind alltägliche und haltbare Lebensmittel, die in der „Tüte für die Tafel“ sind. Kunden konnten diese im Oktober in den Eutiner und Malenter Rewe-Märkten sowie bei Stopka für fünf Euro kaufen und für die Tafel-Kunden spenden. Gut 800 Tüten sind so zusammengekommen.
„Die Aktion gibt es bei uns schon gut zehn oder zwölf Jahre. Sie lebt davon, dass Ehrenamtler vor Ort in unseren Märkten sind und die Menschen gezielt darauf ansprechen“, sagen die Rewe-Marktleiter Alexander Meier (Weidestraße) und Mario Uchneytz (Industriestraße). Das könnten sie im System anhand der Zeiträume sehen. Bis Corona habe es einen Anstieg an Spendenbereitschaft gegeben, danach sei ein Rückgang spürbar. Viele hätten insgesamt bei steigenden Preisen und Inflation weniger Geld zur Verfügung, gegen Monatsende werde immer häufiger zu den Discount-Artikeln gegriffen und insgesamt weniger eingekauft. Das Kaufverhalten sei bewusster. Auch das können Meier und Kollegen im Kassensystem nachvollziehen. Umso mehr freuen wir uns über die Aktion und das, was wir bekommen haben“, sagt Monika Gertenbach, Vorsitzende der Eutiner Tafel.
Die haltbaren Lebensmittel, die die Tafel über die Aktion „Gemeinsam Teller füllen“ des Bundesverbands der Tafel und der Rewe-Märkte bekommt, helfen in der „harten Zeit“, in der es oft auch weniger frische Lebensmittel für die Tafel im Alltag gibt, sagt Gertenbach. „Im Sommer, wenn die Touristen kommen und die Märkte weniger gut kalkulieren und planen können, ist auch eine gute Zeit für die Tafel. Denn was nicht verkauft wird, kommt zu uns“, weiß sie. In der touristenarmen Zeit, könne der Handel besser für die Einheimischen kalkulieren und es bleibe weniger übrig. „Die Kunden kaufen oft auch die von uns reduzierte Ware häufiger als früher“, sagt Alexander Meier.
Es mute komisch an, dass der eigentliche Tafelgedanke, kein Essen wegzuschmeißen und bewusster mit Lebensmitteln umzugehen, nun auch zum Problem der Tafel gerate, wenn es weniger Lebensmittel für sie gibt, sagt Gertenbach. Die Eutiner Tafel habe aktuell 1000 Kunden und versorge damit 400 Haushalte in Eutin und Malente. Die Zahl der Kunden mit Migrationshintergrund liege mittlerweile über 50 Prozent. Dabei wechselten die Kunden besonders aus der Ukraine häufiger, einige zögen innerhalb Deutschlands um, andere gingen zurück, wie Gertenbach berichtet. Momentan kämen aus Syrien wieder vermehrt alleinstehende Männer in Eutin neu bei der Tafel an.
„Nicht nur bei unseren Kunden haben wir viele Nationalitäten, sondern auch bei unseren Ehrenamtlern“, erzählt Gertenbach. Bei den gut 70 Ehrenamtlern seien Helfer aus acht Nationen vertreten und es würden noch mehr wollen, sagt die Vorsitzende, aber es bringe nichts, wenn der Platz und die Arbeit vor Ort fehle.
Die ersten Tüten der gemeinsamen Aktion der Rewe-Märkte und der Tafel seien schon verteilt, die zweite werde durch die „Saure-Gurken-Zeit“ zu Jahresbeginn helfen, satt zu werden, so Gertenbach. Sie bedankt sich - wie die Marktleiter auch bei den Menschen, die trotz der schwierigen Zeiten auch an andere denken und gespendet haben.
Constanze Emde