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Erst Bedenken, dann Erfolgsgeschichte

Ursprünglich Kaufhaus Martens, heute „Prinz-Fashion“. Hans-Werner Weih vor dem Haus in der Mittelstraße, in dem sich von 1973 bis 1989 sein „Textilhaus Weih“ befand. Foto: Susan Müller-Paulsen

50 Jahre Mittelstraße: Als Wyk die Autos verbannte und die erste Fußgängerzone auf Föhr entstand

Wyk Im Sommer 1976 - vor 50 Jahren war es eine Sensation für die Insel Föhr: In Wyk wurde in der Mittelstraße die erste Fußgängerzone für die Öffentlichkeit freigegeben. Heute kaum noch vorstellbar, dass bis dahin Autos, Parkplätze und Kantsteine hier das Bild dominiert hatten. Verantwortlich damals: „Platten-Peter“ - Bürgermeister Peter Schlotfeldt.

„Kein Durchkommen in der Wyker Mittelstraße: Tausende von Urlaubern und Einheimischen drängeln sich an den Geschäften vorbei, der Duft von Erbsensuppe erfüllt den kleinen Platz am Rosenbeet vor der „Drogerie Kohl“. Zwischen Glockenturm und dem Café „Die Insel“ schiebt sich eine schier endlose Menschenmenge, Frauen in Friesentracht verschenken Rosen an die Passanten. Der Becher Bier kostet 30 Pfennig. Grund für den Ansturm: Nach nur rund dreimonatigen Arbeiten wird mit der Festmeile die Eröffnung der ersten Fußgängerzone auf Föhr gefeiert.

Im März 1976 rollten die Bagger an

„Nicht nur das Fest, auch die Fußgängerzone war sofort ein Erfolg“, erinnert sich Hans-Werner Weih. Heute ist er 91, damals war er, zusammen mit seiner Frau Christel, Inhaber des „Textilhauses Weih“. Das Paar hatte ab 1973 den vorderen Teil des früheren „Kaufhauses Martens“, Ecke Mittelstraße und Wilhelmstraße, gepachtet. Heute findet sich hier „Prinz Fashion“.

Unternehmen aus der Region

„Teile der Kaufmannschaft hatten ziemliche Bedenken.“

Als Anfang der 1970er-Jahre die Pläne des damaligen Wyker Bürgermeisters Peter Schlotfeldt bekannt wurden, die Wyker Innenstadt zur Fußgängerzone umzugestalten, da gab es keinesfalls nur Zustimmung. „Teile der Kaufmannschaft hatten ziemliche Bedenken“, weiß Hans-Werner Weih noch. Kein Wunder. Befanden sich doch in der Mittelstraße nicht nur Einzelhandelsgeschäfte, sondern auch Handwerksbetriebe. Und wer, wie „Elektro Behnke“, Fernseher und Haushaltsgeräte verkaufte, fürchtete natürlich, dass die Kundschaft zur Konkurrenz „Boetius“ abwandert. Denn in der damaligen Friedrich-Christiansen-Straße, heute Große Straße, gab es noch den Parkplatz vor der Ladentür. Seit 1968 übrigens mit Parkuhr, als Groschengrab bezeichnet und ungeliebt bei Autofahrern, Geschäftsleuten und Anwohnern.

Trotz der Kritik: An der Umsetzung des Beschlusses der Stadtvertretung war nicht zu rütteln. Und so rollten Anfang März 1976 die Bagger in der Mittelstraße an. Beginnend am Glockenturm rissen sie die Asphaltdecke auf und beseitigten die Kantsteine. Die Mittelstraße war zu diesem Zeitpunkt erst oder schon - rund 120 Jahre alt, entstanden nach den verheerenden Wyker Stadtbränden von 1857 und 1869 aus der einstigen „Linie“. Bei der Neubebauung waren die schmalen Gänge zwischen den Häusern zusammengelegt und begradigt worden.

„Die Arbeiten konnten in knapp sechzig Tagen durchgeführt werden.“

Erbsensuppe scheint Mitte der 1970er-Jahre auf der Insel das Gericht für alle Fälle gewesen zu sein: Nach der Abnahme der Bauarbeiten Anfang Juni hatte Bürgermeister Schlotfeldt Arbeiter und Architekten ins „Colosseum“ zu einem „zünftigen Teller“ dieses Gerichts geladen, vermerkte damals der Insel-Bote. Exakt wurden hier auch die verwendeten Materialien aufgeführt: „Auf einer Länge von 321 Metern wurden circa 11-tausend Platten und 28-tausend Ziegelsteine verlegt. Die Arbeiten konnten in knapp sechzig Tagen durchgeführt werden“, steht dazu in der Zeitung. Es waren im Übrigen diese Bodenplatten, die Bürgermeister Peter Schlotfeldt in der Wyker Bevölkerung den Ökelnamen „Platten-Peter“ einbrachten, zunächst spöttisch, später durchaus anerkennend gemeint.

„Eine Attraktion“ für das Nordseebad Wyk auf Föhr sei die neue Fußgängerzone, diktierte besagter „Platten-Peter“ den damaligen Insel-Boten-Kollegen in den Block. „Alle haben an einem Strang gezogen“, bestätigt der frühere Textilkaufmann Hans-Werner Weih. Die Geschäftsleute hatten sich zur „Werbegemeinschaft Mittelstraße“ zusammengeschlossen. Gemeinsam warben sie mit mehrseitigen Anzeigen im „Insel-Boten“. Hans-Werner Weih hat Zeitungsausschnitte von damals aufbewahrt: Da wirbt „Photo Scheel“ mit „computerkalkulierten Preisen“ und sein „Textilhaus Weih“ bietet Damenkittel für zehn Mark oder weiße Herren-Frottiersocken für eine Mark.

„Die Werbegemeinschaft Mittelstraße will auch in Zukunft mit attraktiven Unternehmungen für ihre Fußgängerzone an die Öffentlichkeit treten“, war nach dem erfolgreichen Eröffnungswochenende zu lesen. In den folgenden Jahren gab es Flohmärkte, Ponykutschfahrten durch die Mittelstraße, Kinderolympiaden und sicher immer wieder auch die allgegenwärtige Erbsensuppe.

Umbau der heutigen „Großen Straße“ folgte

Drei Jahre später, 1979, folgte die Umgestaltung der heutigen Großen Straße. Ende der 1970er-Jahre waren die Pläne von Bürgermeister Peter Schlotfeldt vollständig umgesetzt: Vom Hafen bis zur Badestraße zog sich die Fußgängerzone des Nordseebades Wyk auf Föhr.

Für die Mittelstraße war die stolze Summe von 220 Tausend Mark verbaut worden, Bund und Land hatten den. Großteil der Kosten übernommen. Die Gelder stammten aus Konjunkturförderprogrammen. 44 Tausend Mark musste die Stadt Wyk selbst aufbringen. Zum Vergleich: Die Neugestaltung der Großen Straße, 2021 bis 2023, kostete 2,5 Millionen Euro. 750 Tausend Euro gab das Land an Zuschüssen. Susan Müller-Paulsen


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