Kaffeemühlen sind unentbehrlich, wenn gerade in der Weihnachtszeit ein frisch gemahlener und aufgebrühter Kaffee zu Adventsplätzchen oder Lebkuchen gereicht werden soll. Heute gibt es moderne Vollautomaten, die auf Knopfdruck Kaffeebohnen mahlen und Café Crema, Cappuccino oder Espresso zubereiten. Einer gewissen Nostalgie dagegen erfreuen sich die alten, handbetriebenen Kaffeemühlen, an die sich so mancher in Omas Küche erinnern wird.

Das Schwedenecker Ehepaar Detgard (70) und Karsten Schmidt (68) wollte sich nicht mit nur einer dieser „alten“ Gerätschaften begnügen. Mit ihrer Sammelleidenschaft haben es die beiden inzwischen auf über 2500 Kaffeemühlen jeder Art gebracht. Damit sind sie Spitzenreiter: Im vergangenen Jahr hielt ihre Sammlung Einzug ins „RID-Buch der Weltrekorde“ (RID: Rekord-Institut für Deutschland).
Die beiden können zum Thema Kaffee-Mahlwerke wirklich jede Frage beantworten, denn in ihrem Haus in Schwedeneck stehen und hängen Modelle aus aller Zeit seit der Entdeckung dieses Küchengeräts, mit dessen Hilfe sich geröstete Kaffeebohnen zu Pulver mahlen lassen. Begonnen hat es 1981, als der gebürtige Dresdner Karsten Schmidt mit seiner Frau Detgard in Wismar ein Haus kaufte und dort in der Küche eine alte Schoß-Kaffeemühle entdeckte. Freunde kamen zu Besuch und stellten fest, dass auch bei ihnen zu Hause noch solch alte Haushaltshelfer irgendwo ihr fristeten.
Kurzerhand Dasein brachten alle ihre „alten“ Kaffeemühlen zum Ehepaar Schmidt, das somit eher zufällig diese Sammlung begründete. Bereits nach kurzer Zeit stand die gesamte Küche voll mit teilweise antiken Exemplaren. Die nächsten fanden Platz auf Regalen, für die kleinen Kinder-Kaffeemühlen wurden Glasvitrinen angeschafft, die Wand-Kaffeemühlen an die Wände sämtlicher Zimmer und des Treppenaufgangs geschraubt.
Vor 30 Jahren ist das Ehepaar Schmidt nach Schwedeneck gezogen - natürlich inklusive Sammlung. Die schweren gusseisernen Exemplare stehen hier auf den Stufen der Treppen oder auf dem Boden. Ganz handlich ist dagegen das Lieblingsmodell von Detgard Schmidt, wenn es um die praktische Anwendung geht: Sie mahlt die Bohnen mit einer handbetriebenen „Mühelos“.
Reise-Mühle aus der Barockzeit

Bevor eine Kaffeemühle in die Sammlung aufgenommen wird, reinigt Karsten Schmidt den Neuzugang ausgiebig, prüft auf Funktionalität, arbeitet das seltene Stück sorgfältig auf und versieht es dann mit einer Nummer. Oft werden gerade beim Kauf einer solchen Antiquität Ersatzteile nötig. Durch diese Teilesuche stieß Schmidt auf die Geschichte der Kaffeemühlen und deren über 300 Hersteller. „Die älteste ist eine holländische Reisekaffeemühle, die aus der Zeit von 1750 bis 1780 stammt“, berichtet der versierte Sammler. Selbstredend, dass auch diese bei ihm zu finden ist.
Mini-Mühle aus VEB-Werk
Doch nicht nur das älteste Modell gehört zu dieser Sammlung, sondern auch das kleinste für Erwachsene. Es ist gerade einmal zehn Zentimeter groß und wurde aus Kunststoff im VEB Spiegelwerk Wilsdruff bei Dresden gefertigt. Das Gegenteil misst 160 Zentimeter und gehört zur Rubrik „Ladenkaffeemühlen“. Mit über 100 Kilogramm Gewicht und etwa 80 Zentimetern Höhe ist die „Stawert“ das schwerste Exemplar in der Sammlung. Und so reiht sich im Hause Schmidt in wirklich jedem Raum und an jeder Wand Kaffeemühle an Kaffeemühle. Karsten Schmidt unterhält weltweit zu anderen Sammlern und den beiden Kaffeemühlen-Sammlerclubs in Frankreich und den USA Kontakt und berichtet begeistert vom Zusammenhalt: „Wir helfen und unterstützen uns gegenseitig, wo und wie es irgendwie geht“.
An einen Umzug mit dieser riesigen Sammlung von über 2500 Kaffeemühlen ist kaum zu denken, und dennoch wünschen sich Detgard und Karsten Schmidt altersbedingt inzwischen ein kleineres Zuhause. Karsten Schmidt meint: „Idealerweise würden sich ein Museum oder ein Interessent finden, um diese unvergleichliche Sammlung auf einer Ausstellungsfläche von etwa 400 Quadratmetern unterzubringen. Damit würde zudem die Möglichkeit geschaffen, Interessenten diese Kollektion zugänglich zu machen.“ Er selbst würde sich mit seiner Fachkenntnis einbringen: „Ich kann in Berichten und Führungen allen Besuchern anhand einer Weltkarte die Kaffee-Anbaugebiete und die Geschichte des Kaffeeanbaus veranschaulichen.“ Und das, obwohl er selbst Teetrinker ist.
pba