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Die SG-Spieler in der Einzelkritik

Zaubermaus und bester SG-Torschütze in allen Wettbewerben: Linksauẞen Emil Jakobsen. Fotos: Michael Staudt

Eine Saison mit 52 Pflichtspielen Bundesliga (34), European League (14) und DHB-Pokal (4) liegt hinter den Handballern der SG Flensburg-Handewitt. Wie war ihre Leistung?

Benjamin Buric: Das „beste Torhütergespann der Bundesliga“ hat Federn gelassen. Buric noch mehr als Kevin Möller. Der Bosnier fehlt im aktuellen Paraden-Ranking der „Handballwoche“, das 19 HBL-Keeper aufführt. Zahlen sagen nicht alles über die Qualität eines Torwarts, doch auch im Gesamtbild hat Buric an Strahlkraft verloren. Er hat gezeigt, dass er weit Überdurchschnittliches leisten kann - aber in seinem sechsten SG-Jahr nicht so konstant wie zuvor. Buric trägt sich mit Wechselgedanken.

Bundesliga: 27 Spiele / 155 Paraden (8 Siebenmeter), 2 Tore
Europapokal: 11/87 (5)
Pokal: 3/33 (1)

hud Kevin Möller und Benjamin Buric wurden ihrem Ruf als bestes Torwartgespann der Liga nicht immer gerecht.
hud Kevin Möller und Benjamin Buric wurden ihrem Ruf als bestes Torwartgespann der Liga nicht immer gerecht.

Kevin Möller: Nicht erst im Final Four der European League wurde klar. Kevin Möller führt derzeit im Vergleich der SG-Torhüter, nachdem er sich in den Vorjahren noch auf Augenhöhe mit Buric bewegt hatte. Das liegt nicht nur an seinem Job im Kasten. Der bald 35-jährige Möller ist eine Führungskraft, die im Team über die eigene Aufgabe hinaus wirkt und in der Kommunikation mit Trainer Nicolej Krickau Vorteile hat.

Bundesliga: 31 Spiele/291 Paraden (22 Siebenmeter)
Europapokal: 10/92 (4)
Pokal: 3/23 (1)

Simon Pytlick: Es war kein ganz großes Risiko, für die Verpflichtung des hochbegabten Rückraumspielers einen finanziellen Kraftakt zu wagen. Der 23 Jahre alte dänische Rechtshänder hat sich im Stahlbad Bundesliga freigeschwommen und die Erwartungen weitgehend erfüllt. Dass er das Welthandballer-Potenzial, das in ihm steckt, nicht vollends entfaltete, lag an mehreren Verletzungen, zum Teil wohl Pytlicks spektakulärem Spiel geschuldet.

Bundesliga: 27/121 Tore
Europapokal: 7/30
Pokal: 3/23

Johannes Golla: Ein Spieler, wie ihn Trainer lieben. Konstant, verantwortungsbewusst und mit 26 Jahren noch nicht am Ende seiner Entwicklung. Der Kapitän, Abwehrchef und Kreisläufer hatte in der Umbruchsaison keine einfache Rolle. Da war die Gewöhnung an den neuen Trainer, für den er rechter Arm und Bindeglied zum Team ist. Im Spiel musste sich Golla mit neuen Partnern abstimmen, nachdem ihm in der Abwehrmitte Simon Hald abhanden gekommen war. Das neue Deckungszentrum nähert sich allmählich der alten Stabilität.

Bundesliga: 34/127 Tore
Europapokal: 13/57
Pokal: 4/14

Teitur Einarsson: Als im Herbst 2021 Franz Semper und Magnus Röd ausfielen, bewies die SG mit dem Transfer von Einarsson gutes Gespür. Der isländische Linkshänder passte ins schnelle Spiel und begeisterte mit Dynamik, Sprungvermögen und einem erstaunlichen Armzug. Der 25-Jährige, der künftig für Gummersbach auf Torejagd geht, konnte allerdings das bei der SG geforderte Niveau nicht konstant halten.

Bundesliga: 28/84 Tore
Europapokal: 13/42
Pokal: 4/15

Oskar Czertowicz: Der 18 Jahre alte Rückraumspieler hat es zu einem Profivertrag und zu fünf Einsätzen in der European League gebracht. Es ist ein Anfang, immerhin. Man darf gespannt sein, wie es für den lernwilligen, begabten und selbstbewussten jungen Polen weitergeht.

Europapokal: 5/10/1 Tore

Mads Mensah: Der 32 Jahre alte dänische Rückraumspieler hatte wie das gesamte Team auch schwächere Phasen, aber selbst dann erreichte der Routinier ein akzeptables Niveau. Beeindruckend sind seine Schlagwürfe, noch wichtiger sind jedoch seine Zweikampfstärke in der Abwehr und seine Verlässlichkeit als Alternative zu Gottfridsson in der Steuerung des Angriffs.

Bundesliga: 34/59 Tore
Europapokal: 12/14
Pokal: 4/5

Jim Gottfridsson: Der 31-jährige Schwede war viele Jahre der unumstrittene Chefstratege der Offensive, die sehr abhängig von seiner Form und seinen Ideen war. Das hat sich etwas geändert. Der Europameister von 2022 musste sich erst daran gewöhnen, nicht mehr 60 Minuten auf der Platte zu stehen. Das hat er geschafft. Die SG kann in vielen Situationen nicht auf seine große Erfahrung und Übersicht verzichten. Er geht in kritischen Phasen voran.

Bundesliga: 32/93/1 Tore
Europapokal: 13/37
Pokal: 4/8

Lukas Jörgensen: Jung, dynamisch und erfolgreich. Der von GOG gekommene Kreisläufer ist einer der großen Gewinner in dieser Saison. Im Angriff zeigte der 25 Jahre alte Däne von Beginn an seine Qualitäten, und im Abwehrmittelblock harmoniert er mit Golla oder Blagotinsek besser und besser. Sein defensives Meisterstück lieferte er beim Final Four in Hamburg ab, als er im Finale Mathias Gidsel die Lust und Energie raubte.

Bundesliga: 34/106 Tore
Europapokal: 13/57
Pokal: 4/7

Johan Hansen: Ähnlich wie seine Mannschaft erlebte der 30 Jahre alte Däne eine Saison mit Höhen und Tiefen. Die Fußstapfen eines Lasse Svan konnte er nicht immer ausfüllen. Die Trefferquote sackte zwischenzeitlich bedenklich ab. Doch er kämpfte sich - auch weil Trainer Krickau ihm Vertrauen schenkte - aus dem Leistungsloch und erzielte beim Final Final der European League in Hamburg 14 Tore.

Bundesliga: 33/88/3 Tore
Europapokal: 11/44
Pokal: 4/15

Aksel Horgen: Der norwegische Rechtsaußen war sich bei seinem Wechsel zur SG seiner Rolle als Backup von Platzhirsch Hansen und seiner begrenzten Einsatzzeit bewusst. Dennoch hat sich der 28-Jährige wohl sportlich etwas mehr erhofft. In wettbewerbsübergreifend 31 Spielen erzielte er 29 Tore. Bei seinen Einsätzen deutete Horgen sein Wurfrepertoire und seine Schnelligkeit an.

Bundesliga: 20/13 Tore
Europapokal: 9/13/1
Pokal: 2/3

August Pedersen: Leistungsstark, zuverlässig und loyal. Immer wenn der 29-jährige Norweger gebraucht wird, ist er da. In vielen anderen Bundesliga-Clubs wäre der Wirbelwind die Nummer eins auf dem linken Flügel. Bei der SG hat er das Pech, mit Emil Jakobsen einen der weltbesten Linksaußen vor sich zu haben. Pedersen kam bei der SG vor allem in der European League zum Einsatz, wo er fast immer überzeugte.

Bundesliga: 21/21 Tore
Europapokal: 11/48/10
Pokal: 2/2

Boris Zivkovic: Der Österreicher kam nach der EM aus Pulawy (Polen) für den erkrankten Kay Smits, um Einarsson zu entlasten. Das tat der 32 Jahre alte Linkshänder auch punktuell und weitgehend zuverlässig. Je näher das Saisonende rückte, desto weniger kam Zivkovic jedoch zum Zug, auch weil Smits zurückkehrte. In Erinnerung werden den Fans seine vier Tore beim Derbysieg in Kiel bleiben.

Bundesliga: 7/7 Tore
Europapokal: 4/5
Pokal: 2/2

Emil Jakobsen: Der Däne steht für Spektakel. Kein Zauberwurf ist dem 26-jährigen Linksaußen zu schwer. Jakobsen war in allen Wettbewerben bester SG-Schütze und verewigte sich als „MVP“ beim European-League-Triumph, zu dem er 18 Tore beim Final Four beisteuerte, in der SG-Historie. Mitunter wirkt es, als sei er nicht ganz fokussiert, was sich auch in der Quote widerspiegelt. Daran muss Jakobsen arbeiten, wenngleich diese Ausstrahlung Teil seines unterhaltsamen Spiels ist.

Bundesliga: 32/198/71 Tore
Europapokal: 12/62/19
Pokal: 4/25/14

Kay Smits: Smits' Wechsel nach Flensburg war mit hohen Erwartungen verbunden. Diese konnte der 27 Jahre alte Halbrechte in den ersten Saisonmonaten noch nicht erfüllen. Wie später herauskam, lag dies auch an einer Herzmuskelentzündung, die den Niederländer ab Mitte Dezember für über fünf Monate außer Gefecht setzte. Smits wird kommende Saison erneut eine Art Neuzugang sein, erst dann darf er ernsthaft bewertet werden.

Bundesliga: 14/62/16 Tore
Europapokal: 6/14/9

Blaz Blagotinsek: Der 2,02Meter-Hüne aus Slowenien brauchte im Abwehrzentrum Zeit, um sich mit Golla und Co. einzuspielen. Je besser das Verständnis füreinander wurde, desto stärker wurde auch Blagotinsek. Der Kreisläufer, der fast nur in der Defensive auftauchte, war lange eine Stammkraft. Erst in den vergangenen Wochen nahm ihm Jörgensen öfter auch in der Abwehr Spielzeit ab.

Bundesliga: 33/3 Tore
Europapokal: 12/18
Pokal: 4/-

Lasse Möller kam gesund durch die Saison, spielt aber noch nicht konstant genug.
Lasse Möller kam gesund durch die Saison, spielt aber noch nicht konstant genug.

Lasse Möller: Dass der Däne trotz seiner Verletzungshistorie gesund durch die Saison gekommen ist, ist eine Freude. Besonders, als Pytlick ausfiel, war Möller eine verlässliche und äußerst torgefährliche Kraft im SG-Rückraum. Im Europapokalfinale war er einer der Matchwinner. Insgesamt sind die Leistungen des 27-Jährigen aber schwankend.

Bundesliga: 33/122/2 Tore
Europapokal: 13/69/1
Pokal: 4/14

Holger Petersen, Jan Wrege und Jannik Schappert

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