Früher war die Frage "Was willst du einmal werden?“ meist schnell zu beantworten. Vielleicht Prinzessin oder Feuerwehrmann? Tierärztin oder Sportlehrer? Jetzt, wo du kurz vor deinem Schulabschluss stehst, ist das nicht mehr ganz so einfach. Wer noch keine gute Idee hat oder noch überlegt, welcher Beruf der Traumberuf sein könnte, der ist bei der Jugendberufsagentur im Kreis Pinneberg gut beraten. Die Mein-Ausbildungsstart-Redaktion hat mit Caroline Heinz, Koordinatorin der Jugendberufsagentur im Kreis Pinneberg gesprochen.
Die Jugendberufsagentur, kurz JBA, ist vielleicht nicht jedem unserer Leser ein Begriff. Könnten Sie uns bitte erklären, was genau die Jugendberufsagentur ist und welche Ziele sie verfolgt?
Die Jugendberufsagentur ist ein regionales Netzwerk, das sich darauf spezialisiert hat, Jugendlichen beim Übergang von Schule zu Beruf zu helfen. Die JBA besteht aus verschiedenen Partnern: der Agentur für Arbeit, dem Jobcenter, der Jugendhilfe sowie allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen im Kreis Pinneberg. So können wir ein breites Spektrum an Beratungs- und Dienstleistungen anbieten.


Wie sind Sie zu Ihrer Rolle als Koordinatorin der JBA gekommen?
Angefangen habe ich hier als Arbeitsvermittlerin für Jugendliche unter 25 Jahren. Nach und nach bin ich dann in die Koordinationsrolle hineingewachsen, die ich nun seit drei Jahren habe. Meine Hauptaufgabe besteht darin, Projekte und Partner, mit denen wir zusammenarbeiten, zu koordinieren und ich bin zudem die direkte Ansprechpartnerin für die Mitarbeitenden in unserem Netzwerk, um kurze Wege für junge Menschen aus dem Kreis Pinneberg zu vermitteln.
Welche Herausforderungen begegnen Ihnen in Ihrer täglichen Arbeit mit Jugendlichen?
Eine der größten Herausforderungen sind die verschiedenen Lebenssituationen. Einige stehen nicht nur vor beruflichen, sondern auch vor persönlichen Herausforderungen, sei es gesundheitlich oder familiär. Deshalb arbeiten wir auch mit Jugendsozialarbeitern zusammen, die helfen können.
Wie sieht denn die derzeitige Ausbildungssituation in der Region aus?
Die aktuelle Ausbildungssituation ist für Bewerber richtig gut. Es gibt nach wie vor mehr Ausbildungsplätze als Nachfrage. Nachgefragt sind bei jungen Männern besonders Berufe wie der Kfz-Mechatroniker, der Fachinformatiker oder der Anlagenmechaniker, während sich junge Frauen häufiger für Ausbildungen im Einzelhandel, zur Medizinischen Fachangestellten und zur Kauffrau Büromanagement interessieren. Dringend benötigt wird Nachwuchs besonders in der Pflege, im Handwerk und im Lebensmitteleinzelhandel.
Welche Unterstützung bieten Sie Jugendlichen, die noch nicht so richtig wissen, wohin sie wollen?
Unser Schwerpunkt liegt vor allem in der Beratung. Diese beginnt bereits durch die Berufsberatung der Agentur für Arbeit ab der achten oder neunten Klasse in den Schulen vor Ort. Die Beratungsfachkräfte helfen beispielsweise bei Themen zur beruflichen Orientierung, der Praktikums- und Ausbildungsstellensuche und informieren auch zu Studienmöglichkeiten. Zudem bietet das Berufsinformationszentrum einen Bewerbungsmappen-Check plus Unterstützung beim Schreiben von Bewerbungen, für welches individuell Termine vereinbart werden können. Ziel ist es, den Jugendlichen zu helfen, ihre Stärken, aber auch ihre Schwächen zu erkennen und die passende Richtung einzuschlagen.
Welche Möglichkeiten stehen der Jugendberufsberatung zur Verfügung?
Zur Verfügung stehen verschiedene Tools der Agentur für Arbeit wie Check U und BerufeNet (Anmerkung der Redaktion: siehe Infokasten), die ein breites Spektrum an Informationen und Orientierungshilfen bieten.
Wie wichtig finden Sie persönlich Praktika?
Praktika sind meiner Meinung nach super wichtig, da sie den Jugendlichen die Möglichkeit geben, erste praktische Erfahrungen zu sammeln und einen Einblick in das Berufsleben zu erhalten. Einer unserer JBA-Partner ist beispielsweise auch die Praktikumsbörse, genannt "Praktikum Westküste“, über die Jugendliche und Betriebe zusammenfinden können.
Und welche Rolle spielen eigentlich duale Studiengänge für junge Menschen?
Duale Studiengänge werden ebenfalls immer beliebter, da sie eine ideale Verbindung von Theorie und Praxis sind und sehr attraktive Karrierechancen bieten.
Was hat sich seit der Gründung der Jugendberufsagentur im Jahr 2016 verändert?
Am Anfang dachten wir, dass wir alle Partner unter einem Dach haben müssten und zentral erreichbar sein sollten. Mittlerweile hat sich das geändert und wir sind, vertreten durch die Berufsberatung, viel mehr auch in den Schulen vor Ort. Außerdem hat sich unser Netzwerk seit seiner Gründung um ein Vielfaches vergrößert. Anfangs saß ich mit nur wenigen Mitwirkenden am Tisch, mittlerweile sind wir bei unseren Austauschtreffen über 30 Leute, darunter Lehrer, Sozialarbeiter und Kollegen aus anderen Fachbereichen.



Welche Themen stehen aktuell auf Ihrer Agenda?
Gerade haben wir unsere Homepage überarbeitet, um Jugendlichen den Zugang zu Informationen und Angeboten zu erleichtern. Im Moment planen wir eine Umfrage bei Jugendlichen im Übergang Schule-Beruf, um direkt von ihnen zu erfahren, welche Unterstützung sie benötigen und welche Wünsche sie an uns haben. Langfristig wird uns natürlich das große Thema Fachkräftemangel weiter beschäftigen.
//Julia Voigt