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Der Sylter Winter

Schrieb im Winter in Kampen an einem Bestseller: Ernst von Salomon. FOTOS: ARCHIV DEPPE; SHUTTERSTOCK.COM

Eine Inspiration für Literaten

Der Winter auf Sylt, er hat auch so schon so manch bekannten Schriftsteller inspiriert. Ernst von Salomon zum Beispiel verfasste 1952 in einer Katakombe am Kampener Watt, ein Relikt des Krieges, den ersten deutschen Bestseller der Nachkriegszeit: „Der Fragebogen". In autobiographischer Form führte er die 131 Fragen der amerikanischen Entnazifierungsbehörden ad absurdum. Salomon schwärmte über die kalte Jahreszeit: „Tausendmal schöner ist die Insel im Winter als im Sommer. Sommers ist es die Insel der Trunkenen und der Narren, winters die der Einsamen und Ungeselligen. Im Winter bist du allein mit dem Meer. Du wanderst an seinem Rande Stunde um Stunde. Du ahnst das Ende der Welt, das niemals kommt. Denn diese Landschaft ist elementar."

Mit mehr als 70 Millionen verkauften Bücher ist Uta Danella eine der erfolgreichsten deutschen Schriftstellerinnen. Der Durchbruch gelang ihr 1960 mit dem Titel ,,Stella Termogen". Recherchiert hatte sie den Stoff für den Roman unter anderem auf Sylt. Hier wohnte sie für mehrere Wochen im Winter des Jahres 1957. „Sylt war damals wie leer gefegt, ich fand es herrlich.“

Günter Grass, dem 1999 der Nobelpreis für Literatur zugesprochen wurde, verbrachte mit seiner Ehefrau im Winter 1964 eine Woche in Westerland. Lapidar stellte er fest: ,,Zu dieser Zeit fanden wir es erträglich, das Klima sagte uns zu. Im Sommer möchte ich dort nicht hin."

Immerhin baute Grass die Insel in seinen Roman „Örtlich betäubt" ein. Und das liest sich dann so: ,,Mit ihrem Gatten und ihren Kindern will Frau Schlottau den Winterurlaub auf Sylt verbringen, so hat ihr der Arzt geraten. Tägliche Wanderung durch die windgeschliffenen Dünen. Mit geschlossenem Mund gegen den porenweitenden Wind durch das einsame Listland. Jod einatmend um den Ellenbogen herum oder auch um die Hörnumspitze, wo sich Watt und Meer strudelnd verquicken. Vater steckt täglich die Wanderkarte ab. Seht die Familie: Die Buben in Gummistiefeln voraus, im Anorak hält Mutter das Mittelfeld, Vater als Nachhut, fernglasbestückt. So sieht man sie Muscheln und Gesundheit suchen, strandauf, strandab." Text: Frank Deppe

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