„Wie wäre es denn mit dem öffentlichen Dienst?“ Eine Frage, die vor allem Berufseinsteiger häufig hören. Doch welche Perspektiven verstecken sich eigentlich dahinter und welche Wege gibt es? Unsere Redakteurin hat bei Anne Ahrens (kleines Foto), Berufsberaterin der Agentur für Arbeit in Kiel, nachgefragt.
Frau Ahrens, was genau darf man sich unter „öffentlicher Dienst“ vorstellen?

Es ist tatsächlich gar nicht so einfach zu erklären und wichtig, dass man sich das einmal genauer ansieht, denn der öffentliche Dienst ist ein weit gefasster Begriff. Viele denken dabei sofort an die Verwaltung. Tatsächlich umfasst der öffentliche Dienst jedoch eine Vielzahl von Berufen. Vom Straßenwärter bis zum Busfahrer, Polizisten, Feuerwehrleuten und sogar Fachinformatikern – alle, die bei Stadt, Kommune oder Bundesverwaltung beschäftigt sind, gehören dazu. Auch ich als Berufsberaterin bin im öffentlichen Dienst tätig.
Wie sieht es mit der Verbeamtung aus? Ist man automatisch Beamter, wenn man im öffentlichen Dienst arbeitet?
Nein, nicht automatisch. Etwa 30 Prozent der Menschen, die im öffentlichen Dienst arbeiten, sind Beamte. Das bedeutet, rund 70 Prozent sind Angestellte mit unterschiedlichen Tarifgruppen und Arbeitszeiten, obwohl sie gleiche Aufgaben haben. Wenn man sich die Zahlen einmal ansieht, haben wir in Deutschland im öffentlichen Sektor aktuell 4,5 Millionen Beschäftigte, was ich sehr beeindruckend finde.
Wie kann man Beamter werden?
Der Weg ist strukturiert. Es gibt verschiedene Ebenen wie den gehobenen und mittleren Dienst, für die unterschiedliche schulische Voraussetzungen gelten. Zum Beispiel benötigt man für den gehobenen Dienst Fachhochschulreife oder Abitur. Wichtig ist, sich frühzeitig auf diese Laufbahn vorzubereiten. Bewerbungen sollten anderthalb Jahre vor Beginn eingereicht werden.
Welche Vorteile und welche Nachteile, würden Sie sagen, bietet der öffentliche Dienst im Vergleich zu anderen Branchen?
Sicherheit ist definitiv ein Hauptvorteil, gerade in Zeiten, in denen junge Menschen wirtschaftliche Unsicherheiten erlebt haben. Besonders seit der Pandemie ist die Nachfrage nach einem krisensicheren Job auch bei jungen Menschen gestiegen. Dazu kommt, dass mit den demografischen Veränderungen der Bedarf an Nachwuchs enorm steigt. Es gibt gute Karrierechancen, eine starke Interessenvertretung und oft eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Der öffentliche Dienst bietet sowohl Vorals auch Nachteile, die je nach Persönlichkeit und unterschiedlich Lebenssituation wahrgenommen werden können. Einer der Nachteile ist sicherlich die Bürokratie und die vorgegebenen Strukturen, die Aufstiege oder Stellenwechsel mit sich bringen. Alles folgt klaren Regeln und Vorgaben, was für manche einschränkend sein kann. Ein bedeutender Vorteil des öffentlichen Dienstes ist die hohe Arbeitsplatzsicherheit. Es gibt eine strukturierte Planung der Karrierewege und Kündigungen sind selten, es sei denn, man verstößt gegen Vorschriften. Zusätzlich bietet der öffentliche Dienst Vorteile wie Flexibilität bei den Arbeitszeiten. Fürsorgepflichten der Arbeitgeber im öffentlichen Dienst sind ebenfalls im Vorteilskatalog zu finden. Dies bedeutet, dass Unterstützung in Lebenssituationen wie Elternzeit oder Pflege von Angehörigen vorhanden ist, was in der freien Wirtschaft nicht immer selbstverständlich ist. Ein weiterer positiver Aspekt ist die Möglichkeit, innerhalb des öffentlichen Dienstes die berufliche Richtung zu ändern, ohne gleich den Arbeitgeber wechseln zu müssen. Letztlich hängt die Einschätzung der Vor- und Nachteile des öffentlichen Dienstes sehr davon ab, welchen Wert man auf Sicherheit, Struktur und auch gesellschaftliche Anerkennung legt.
Wie sieht es mit den Gehältern aus?
Der öffentliche Dienst bezahlt gut, sowohl während der Ausbildung als auch im Beruf. Dennoch bleibt er im Vergleich zur freien Wirtschaft etwas dahinter zurück, was auch mit der strukturellen Vorsorge und den besonderen Konditionen für Angestellte im öffentlichen Dienst zusammenhängt. Da gilt es abzuwägen, was einem persönlich wichtiger ist.
Gibt es eine Altersgrenze für Bewerber?
Ja, für die Beamtenlaufbahn gibt es in der Tat häufig ein maximales Eintrittsalter, das je nach Bereich und Bundesland variieren kann. Beispielsweise bei der Polizei gibt es oft eine Altersgrenze, die beachtet werden muss, um die physischen Anforderungen und die Länge des Dienstverhältnisses bis zur Pensionierung sicherzustellen. In anderen Bereichen, wie der allgemeinen Verwaltung, gibt es keine strenge Altersgrenze für eine Einstellung, aber die Voraussetzungen für eine Verbeamtung können anders aussehen. Das bedeutet, man kann in der Verwaltung auch in einem höheren Alter noch eingestellt werden, allerdings meist nicht mehr als Beamter. Diese Vorschriften sollen sicherstellen, dass die Karrierewege und die finanziellen Aspekte des Beamtenverhältnisses, einschließlich der Pensionsansprüche, langfristig erfüllt werden können.
Sehen wir einmal auf die KI, wie beeinflusst die Digitalisierung den öffentlichen Dienst?
Die Digitalisierung und Künstliche Intelligenz verändern den öffentlichen Dienst, wie alle anderen Bereiche auch. Monotone Aufgaben werden zusehends automatisiert, was zu einer vielseitigen Arbeit führen kann. Dies öffnet den Raum für mehr Flexibilität und Kreativität.
Während einige traditionelle Rollen abgebaut werden, steigt die Nachfrage nach Fachleuten, die die neuen Technologien verstehen und nutzen können. Anwendungsentwickler werden weniger gefragt sein, dafür wächst der Bedarf an Systemintegratoren und Administratoren.
Julia Voigt