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Pflegestudium an der Uni Lübeck: „Das Studium bietet zusätzliche Karrieremöglichkeiten“

Pflegeberufe sind nicht nur krisensicher sondern auch sinnstiftend: Ein Pflegestudium öffnet Absolventen dabei viele Türen. Foto: Adobestock

Das Pflegestudium bietet nicht nur eine umfassende Ausbildung, sondern eröffnet auch zahlreiche Karrierechancen in der Pflege, Forschung, Gesundheitsmanagement und Bildung.

Seit 2014 haben an der Universität zu Lübeck mehr als 150 junge Menschen ein Pflegestudium erfolgreich abgeschlossen. Hiermit sollen Versorgungslücken für Menschen mit chronischen oder schweren Krankheiten geschlossen und Aufgabenbereiche von Pflegefachpersonal erweitert werden. Seit 2022 gibt es auch einen berufsbegleitenden Studiengang in Angewandter Pflegewissenschaft. Wie genau das aussieht und was Bewerber dafür mitbringen sollten? Unsere Redakteurin hat mit Prof. Dr. rer. cur. Katrin Balzar (Foto) gesprochen.

Frau Prof. Balzer, das Pflegestudium der Universität zu Lübeck gibt es bereits seit mehr als einem Jahrzehnt. Dennoch ist das vielen jungen Menschen gar nicht bekannt. Können Sie es uns kurz erklären?

Tatsächlich gibt es in Deutschland seit über 20 Jahren die Möglichkeit, Pflege zu studieren. Inzwischen gibt es bundesweit über 35 Pflege-Studiengänge, die direkt zur Qualifikation als Pflegefachperson führen. Beim Studium wird die Theorie an einer Fachhochschule oder Universität gelehrt, wobei auch praktische Einsätze Teil der Ausbildung sind, ähnlich wie bei den Auszubildenden im beruflichen Weg. Im Studium erlangt man jedoch zusätzlich einen Bachelor Abschluss. Das Besondere an diesem Studium ist, dass man sowohl die Bachelor Prüfung als auch die staatliche Prüfung bestehen muss, um die Qualifikation als Pflegefachperson zu erhalten. Beide Abschlüsse sind wichtig: Die Bachelorarbeit dient dem Nachweis der akademischen Leistungen, während die staatliche Prüfung den Zugang zur beruflichen Tätigkeit ermöglicht. Das Bachelorstudium schließt mit dem Titel Bachelor of Science ab und gilt als akademischer Abschluss. Mit dem Bachelor hat man zudem die Eintrittskarte in ein Masterstudium.

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Welche Vorteile hat das Pflegestudium im Vergleich zur klassischen Ausbildung?

Katrin Balzar Foto: Uni Lübeck
Katrin Balzar Foto: Uni Lübeck

Ein Studium ermöglicht eine umfassendere Qualifikation für ein breiteres Aufgabenspektrum. Absolventen kommen nicht nur mit solidem, theoretischem Wissen über die direkte Patientenversorgung aus dem Studium, sondern sind auch in der Lage, komplexe Pflegeprozesse zu steuern und zu optimieren. Ein wesentlicher Bestandteil des Studiums ist die Interdisziplinarität. Die Studierenden arbeiten von Beginn an intensiv mit anderen Gesundheitsberufen zusammen, was ihnen ermöglicht, in interprofessionellen Teams effizient zu kommunizieren und zu arbeiten. Sie lernen, verschiedene Berufe und Disziplinen zu integrieren und zu verstehen, wie sie am besten zusammenarbeiten können, um die Versorgung ihrer Patienten zu optimieren. Darüber hinaus bietet das Studium die Möglichkeit zusätzlicher Karriere- und Aufstiegsmöglichkeiten. Absolventen können Schlüsselpositionen SO übernehmen, die über die klassische Pflege hinausgehen, beispielsweise in der Forschung, im Gesundheitsmanagement oder in der Bildung.

Könnten Sie die Struktur des Studiums beschreiben? Welche Rolle spielt die Praxis in der Ausbildung der Studierenden?

Unser Studiengang trägt seit kurzem offiziell die Bezeichnung „dual praxisintegrierter Studiengang“. Der Studiengang ist dual, das heißt während der 3,5 Jahre des Studiums verbringen die Studierenden insgesamt 2300 Stunden in der Praxis. Diese Praxisphasen finden in verschiedenen Einrichtungen statt, wie zum Beispiel in Krankenhäusern, Pflegeheimen und der ambulanten Pflege. Zudem haben die Studierenden die Möglichkeit, in einem Wahlpraktikum weitere Bereiche kennenzulernen, darunter Rettungsdienste, Ambulanzen, Arztpraxen, Verwaltung, Forschung, Weiterbildung oder auch Krankenkassen. Die Praxiszeiten sind über die Semesterferien verteilt, was bedeutet, dass die Studierenden während der Vorlesungszeit Campus auf dem theoretischen Unterricht gemeinsam mit ihren Kommilitonen absolvieren. In den Semesterferien arbeiten sie dann in den jeweiligen Einrichtungen.

Welche Schwerpunkte werden denn vermittelt?

Inhaltlich konzentrieren wir uns auf evidenzbasierte Pflege, also die, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruht. Unsere Studierenden lernen, Patienten nach Operationen oder bei schweren Krankheiten unterstützen. Dazu gehören zum einen Themen wie Hygiene, Injektionstechniken und grundlegende Pflegepraktiken, zum anderen aber auch die Beratung und Schuzulung von Patienten. Der Unterricht umfasst sowohl theoretische Vorlesungen als auch praktische Übungen in simulierten Patientenzimmern sowie Seminare zur Vertiefung. Medizinische Grundlagen wie Anatomie, Physiologie, Pathologie und Psychologie sind ebenfalls Bestandteil des Studiums. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung von Kommunikationsfähigkeiten.

Haben Sie einen persönlichen Wunsch, was die Entwicklung des Studiengangs betrifft?

Ich wünsche mir, dass das Pflegestudium als völlig normal angesehen wird. Es sollte selbstverständlich sein, Pflege zu studieren, und wir hoffen, noch mehr Studierende zu gewinnen. Viele Abiturienten wünschen sich, mit Menschen zu arbeiten und interessieren sich für den Bereich Medizin, möchten oder können aber vielleicht nicht Medizin studieren. Ich möchte ihnen mit auf den Weg geben, dass ein Studiengang in Pflege nicht mit dem Bachelor endet, sondern weiterführende Wege bis hin zur Professur oder Pflegeexpertenrollen bietet, ähnlich den Facharztqualifikationen in der Medizin. Pflegefachkräfte tragen oft die entscheidende Verantwortung in der Patientenversorgung. Ich habe selbst Krankenschwester gelernt, für mich sind Pflegeberufe sinnstiftend und sorgen für Lebenszufriedenheit.


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