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Verein für Glasversicherung Husum: Die "alte Dame" erfreut sich bis heute großer Beliebtheit

Ein Team (v.l.): Björn Kinsky (Besitzer Bredstedt), Jürgen Clausen (2. Schriftführer), Torsten Peters (Vorsitzender), Jörn Zimmermann (2. Vorsitzender), Peter Koch (1. Schriftführer), Björn Lorenzen (Geschäftsführer) und Holger Jessen (Beisitzer Niebüll). Foto: Hans-Thomas Lorenzen

100-jähriges Bestehen: Interview mit Vorsitzenden Torsten Peters über eine eigene Initiative für Versicherungen für Schaufensterscheiben

Ein Verein für Glasversicherung auf Gegenseitigkeit (a. G.) – das klingt ein bisschen aus der Zeit gefallen. Aber das ist es nicht. Vor 100 Jahren gegründet, um den hohen Kosten für die Versicherung von Schaufensterscheiben eine eigene Initiative entgegenzusetzen, erfreut sich die ,,alte Dame" bis heute großer Beliebtheit und ist so aktuell wie eh und je. Ein Grund zum Feiern und für ein Gespräch mit dem amtierenden Vorsitzenden Torsten Peters. Das Interview führte Rüdiger Otto von Brocken.

100 Jahre Verein für Glasversicherung in Husum? Hätten Sie gedacht, dass Ihr Verein ein so reifes Alter erreicht?

Die eigentliche Idee, Hilfe auf Gegenseitigkeit und Risiken auf viele Schultern zu verteilen, ist schon sehr alt, und wenn viele Menschen den eigenen Vorteil ein klein wenig hinter den der Allgemeinheit stellen, kann dies sehr lange gehen, wie dieser Verein stolz und eindrucksvoll beweist.

Ältere Menschen werden ja gern gefragt, was ihr Rezept für ein langes Leben ist. Was ist das Erfolgsrezept des Glasversicherungsvereins?

Achtung, Vertrauen, Verantwortung.

Das ist eine knackige Antwort. Aber nun mal von Anfang an und damit ins Jahr 1923 oder eigentlich sogar noch weiter zurück. Was gab den Anlass für die Gründung des Vereins?

Großflächige Scheiben in Spiegelglas-Qualität waren Anfang des letzten Jahrhunderts bei weitem nicht so robust wie heute - und teuer. Dennoch wollten die Husumer Kaufleute gerne Ihre Waren präsentieren und einigten sich auf einen Glasschutz auf Gegenseitigkeit.

Worin bestanden und bestehen die Leistungen des Husumer Glasversicherungsvereins?

Im Falle von Glasbruch schnell und unkonventionell den Schaden beheben und dessen Kosten zu tragen. Bis 1979 leistete sich die Versicherung sogar ein eigenes Glaslager für gebrauchte Scheiben.

Zunächst war das Angebot ja nur Gewerbetreibenden vorbehalten, später konnten auch Privatpersonen beitreten. Warum diese Erweiterung?

Der Schutz auf Gegenseitigkeit wird besser, wenn er auf viele Schultern verteilt wird. Es war und ist das Bestreben, möglichst einen hohen Mitgliederstand zu erreichen, um das Risiko vielfältig zu verteilen.

Anfangs war der Glasversicherungsverein eine reine Husumer Angelegenheit. Was waren die Beweggründe für die Gebietserweiterung um Bredstedt und Niebüll. Und warum wurden dort keine eigenen Vereine gegründet wie zum Beispiel in Schleswig?

Wir hatten in Husum eine gute und bewährte Basis geschaffen, und die Kontakte der Kaufmannschaft gingen weit über die Stadtgrenzen hinaus. Kaufleute wägen von Haus aus immer wieder Nutzen und Risiko ab, und sowohl in Bredstedt als auch in Niebüll wurden die Vorteile erkannt.

Peter Koch, Inhaber des Husumer Traditionsunternehmens Detlef Jensen - Uhren, Schmuck und Besteck. Foto: Rüdiger Otto von Brocken
Peter Koch, Inhaber des Husumer Traditionsunternehmens Detlef Jensen - Uhren, Schmuck und Besteck. Foto: Rüdiger Otto von Brocken

Schon zum Zehnjährigen wurde der Verein euphorisch als "ein Erfolg" bezeichnet, ,,wie Husum einen größeren nicht aufzuweisen hat!" Das klingt nach reichlich Selbstbewusstsein. Worin lag das begründet?

Gleich nach der Gründung fuhr der Verein in das Fahrwasser der Inflation und hatte es schwer, seinen Aufgaben gerecht zu werden. Die Prämien konnten nicht so zügig angepasst werden, wie das Geld an Wert verlor. Erst mit Einführung der Reichsmark wurden die Aufgaben wieder verlässlich kalkulierbar. Der Verein stand 1933 dank der Umsicht seines Vorstandes gliederzahl gut da, die Mithatte sich von 213 auf 291 erhöht, die Zahl der versicherten Scheiben von 456 auf 852 fast verdoppelt.

Wie sieht es heute aus?

Aktuell haben wir 395 Mitglieder mit zusammen Verträgen bei einem Bei543 tragsaufkommen von 30000 Euro.

In den ersten zehn Jahren wurden 105 Schäden reguliert. Wo stehen Sie aktuell?

Im Schnitt der zurückliegenden Jahre hatten wir zwischen 25 Schäden und Rechnungen in Höhe von 15000 Euro jährlich erstattet. Es gab aber auch Jahre mit deutlich mehr und höheren Schäden.

Nach welchen Kriterien werden die Schreiben Ihrer Versicherten berechnet? Gibt es da Unterschiede, was Form und Qualität des Materials angeht?

Wir unterscheiden zwischen gewerblichem und privatem Tarif. Im Gewerbe rechnen wir mit Scheibenflächen und Risikoaufschlägen. Im Privaten haben wir Pauschalen auf die Wohnfläche festgelegt. Ein Haus mit 120 Quadratmetern würde einen Beitrag von 30 Euro zuzüglich der Versicherungssteuer von heute 19 Prozent kosten. Hier ist auch das Glas des Inventars mit versichert, und wer möchte, kann mit einem Aufschlag von 15 Euro sein Ceranfeld mit absichern.

Eine Sternstunde in der Vereinsgeschichte war sicher, dass eine veritable Mehrheit von Mitgliedern den Antrag des damaligen Bürgermeisters Hansen ablehnte, wonach diese das traditionelle Eisbeinessen künftig aus eigener Tasche bezahlen sollten. Das war des Schlechten zu viel, oder?

Nein, keine Sternstunde. Wir kennen die Beweggründe für den Antrag nicht, deshalb ist dies schwer zu bewerten. Ich kann mir vorstellen, dass es in der Zeit des Nationalsozialismus mutig war, einem Antrag des Bürgermeisters mit Ablehnung zu begegnen. Ein paar Jahre lang konnte das Eisbeinessen dann wegen der Kriegswirren nicht stattfinden.

Apropos. Eisbein hat hierzulande eine lange Tradition, ist aber auf immer weniger Speisekarten zu finden. Warum hält Ihr Verein bis heute daran fest?

Wir möchten uns der Tradition verpflichten bis der Tag kommt, da ein anders lautender Beschluss aus der Mitgliederversammlung gefasst wird.

Auffallend ist, dass wer einmal in den Vorstand des Vereins für Glasversicherung gewählt wird, dort in der Regel viele Jahre verbleibt. Das hat aber nichts mit einem Mangel an Freiwilligen zu tun, oder?

Nein, ganz bestimmt nicht. Da der Vorstand traditionsgemäß die zu wählenden Vorstandsmitglieder vorschlägt, wurde bereits bei der Auswahl möglicher Kandidaten Wert darauf gelegt, neben Kompetenz und charakterlicher Stärke auch ein gutes Miteinander zu finden.

Zum Schluss ein kurzer Blick in die Zukunft: Wie viele Vereine dieser Art gibt es in Schleswig-Holstein noch? Und glauben Sie, dass der Husumer auch die nächsten 100 Jahre überdauern wird?

Meines Wissens sind wir einer von drei Vereinen, die sich ausschließlich mit Glasbruch beschäftigen. Weitere 100 Jahre sind eine große Zeitspanne und ein hehres Ziel. Aus heutiger Sicht ist der Verein sehr gut aufgestellt, hat genügend Mitglieder, gute Rücklagen und weitere positive Voraussetzungen, dass dem nichts entgegenstehen dürfte, wenn Mitglieder dies unsere wollen.

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