Der Sport spielt eine wichtige Rolle in Nordfriesland und daher auch in den Husumer Nachrichten. Im Interview erklärt der HN-Leser und Vorsitzende des Kreissportverbandes 2KSV3, Matthias Hansen, welche Bedeutung die Kommunikation für die Belange des Sports hat und erzählt von Erfolgen und Sorgen.
Die Husumer Nachrichten feiern ihren 150. Geburtstag. Was bedeutet Ihnen diese Tageszeitung?
Selbstverständlich habe ich die Husumer Nachrichten seit vielen Jahren abonniert. Für mich ist es ein Kommunikationsmittel für die Themen dieser Region. Sport ist eine wichtige Säule dieser Zeitung, sie ist für mich eine Art Schaufenster, in dem ich Profi-, Amateur- und Breitensport finde.
Vorsitzender Kreissportverband
Sie sorgen ja selbst auch für Inhalte...
Wir nutzen im Kreissportverband dieses Schaufenster gern, um Menschen mit unseren Themen zu erreichen. Ein Beispiel ist die Reise nach Israel im Rahmen unseres seit 2010 bestehenden Jugendaustauschs. Ich hatte in der Gruppe gefragt: Wie seid ihr darauf aufmerksam geworden, dass ihr mitfahren könnt? Ich war überrascht, dass die meisten Jugendlichen antworteten: durch die Zeitung. Also nicht durch soziale Medien wie erwartet, sondern tatsächlich durch die Tageszeitung. Das hat mich beeindruckt.
Wie wichtig ist es für Sie generell, nicht allein die Arbeit im Ehrenamt zu leisten, sondern auch, darauf aufmerksam zu machen?
Es gibt ja den Spruch: Tue Gutes und rede darüber! Für den Sport ist es wichtig, dass er immer wieder zeigt, wofür er steht und wo er sich engagiert. Der Sport ein wichtiger Player und das müssen wir kommunizieren. Es ist wichtig, Themen strategisch zu setzen und klarzumachen, dass Sport mehr ist als nur Bewegung, siehe eben die Begegnung mit Israel.
Wie sehr sind Sportorganisationen von Belang bei gesellschaftlichen Themen und Problemen?
Wir stehen in der Mitte der Gesellschaft und daher ploppen alle Themen, die die Gesellschaft betreffen, auch im Sport auf. Nehmen wir die Geflüchteten, die zu uns kommen. Da können wir nicht sagen: Das regeln andere. Oder die Inklusion von Menschen mit Behinderung. Das sind Themen, die uns direkt betreffen und die wir kreativ und engagiert behandeln. Der KSV will gestalten und nicht nur Zuschauer sein.
Wie sieht diese Gestaltung aus, was funktioniert besonders gut?
Wir haben im Kreissportverband hauptamtliche Stellen für die Integration, besetzt mit Wilma Arndt, und für die Inklusion mit Tyll Reinisch. Das ist nicht selbstverständlich und wird überregional, sogar bundesweit wahrgenommen. Der Sport kann auf diesen Feldern sehr niedrigschwellig etwas bewirken. Ein Beispiel: Wir haben gemeinschaftlich einen Sporttag in Friedrichstadt ausgerichtet. Die Kinder und Jugendlichen aus der Landesunterkunft für Geflüchtete in Seeth konnten den Sport im Verein kennenlernen und einen schönen Tag haben. Ganz vorbildlich ist hier der TTV Koldenbüttel, der sich seit Jahren für Flüchtlinge engagiert.

Wie kann der KSV Vereinen helfen, die diesem Beispiel folgen wollen?
Wir sind die Anlaufstelle, bei der man erfährt, wo es Fördergelder gibt. Das wissen viele nicht. Wir können solche Maßnahmen nicht selber vor Ort durchführen. Unsere Integrationslotsin Wilma Arndt kann nicht überall im Kreis auftauchen und Gruppen leiten. Aber sie kann unterstützen, beraten und Kontakte knüpfen.
Was zeichnet den Sport in dieser Region besonders aus?
Man kennt sich, man hilft sich. Das Miteinander hier unterscheidet uns von den großen Ballungszentren. Wir können stolz darauf sein, dass wir trotz der Strukturen, die anders sind als in den Ballungszentren, tolle Erfolge vorweisen können. Da gibt es Highlights wie die Rudergesellschaft Friedrichstadt, die tolle Leichtathletik in Bredstedt oder die Schwimmabteilung in Niebüll.
Noch einmal das Thema Jubiläum: Der KSV ist im vorigen Jahr halb so alt geworden wie die Husumer Nachrichten, also 75. Wie geht's denn Ihrem Verband in diesem gesegneten Alter?
Ich kann nachvollziehen, wie schön so ein Jubiläum ist. Man wird sich bei der Gelegenheit des Wandels bewusst, der sich vollzogen hat. Der Sport selbst hat sich stark verändert, etwa in der Trainingslehre. Das Drumherum hat sich enorm entwickelt durch technische Dinge wie die Digitalisierung. Sportvereine und -verbände sind heute kleine Unternehmen, die vieles beachten müssen: Steuerrecht, Arbeitsrecht, Baurecht, Naturschutz, Öffentlichkeitsarbeit, Wirschaftlichkeit einer Gastronomie - um nur einige Themen zu nennen.
Und das Ganze wird zum größten Teil ehrenamtlich geleistet. Ist das überhaupt noch machbar?
Dem ehrenamtlichen Engagement gilt unsere größte Sorge. Das war schon vor Corona eine Herausforderung, aber in der Pandemie sind uns viele Ehrenamtliche verloren gegangen. Die haben für sich festgestellt: Es geht auch ohne den Job als Trainer oder als Funktionär. In Nordfriesland ist das zum Glück nicht ganz so stark eingetreten. Aber wir haben Kinder, die gerne Sport im Verein machen möchten und auf eine Warteliste kommen, weil zu wenig Ehrenamtler da sind. Das ist das Schlimmste, was uns passieren kann. Es gibt Vereine in Schleswig-Holstein, die vor der Auflösung stehen, weil sie keinen ehrenamtlichen Vorstand zusammenbekommen.
Vorsitzender Kreissportverband
Was war denn Ihre Motivation, ehrenamtlich tätig zu werden? Das Bundesverdienstkreuz, das Sie kürzlich erhalten haben, war damals ja nicht der Antrieb?
Das war nicht meine Motivation. Ich bin als Kind durch den Handball in den organisierten Sport gekommen. Mich hat dieser Spirit angesprochen: Als Team unterwegs zu sein, gemeinsam eine gute Zeit zu haben. Ich hatte tolle Trainerinnen und Trainer. Es hat mich beeindruckt, was und wie sie es machen. Irgendwann wird man selbst gefragt: Matthias, kannst du mal ein Training machen? Dann sagt man ja. Später macht man die Übungsleiterlizenz, wird wieder gefragt, und SO rutscht man in die verschiedenen Positionen.
Eine Gelegenheit zur Werbung: Was erwartet Menschen, die sich im Ehrenamt engagieren?
Ich sage immer, es wartet eine Schatzkiste. Man hat die Möglichkeit, ganz viele Erfahrungen zu machen und Menschen kennenzulernen. Ich wäre niemals nach Israel gefahren, nach Japan oder Finnland, wenn ich mich nicht im Sport engagiert hätte. Beruflich haben Ehrenamtler bessere Chancen. Viele Arbeitgeber unterstützen das Engagement und es ist bei der Bewerbung um einen Ausbildungsplatz oder eine neue Stelle von Vorteil. Denn wer sich ehrenamtlich engagiert hat, bringt ein gewisses Knowhow mit, denkt ganzheitlich und sozial. Man darf sich gern ausprobieren als Gast in einem Vorstand. Man muss nicht gleich Übungsleiter oder Betreuer werden. Man kann die Homepage eines Vereins pflegen, viele Jugendliche sind total gut darin. Oder beim Turnier als Helfer da sein oder einen Kuchen backen. Die Möglichkeiten, etwas zu tun, sind ungeheuer vielfältig.
Hatten Sie eigentlich eine Mission, als Sie KSV-Vorsitzender geworden sind?
Ich hatte einen Plan. Mein Vorgänger Günther Fleskes, der mich gefördert hat, hat seine Arbeit sehr gut gemacht. Aber ich wollte nicht in seinen Fußspuren weiterlaufen, sondern eigene Spuren hinterlassen. Ich wollte den Anteil von Frauen im Vorstand erhöhen. Die Integration war im schwierigen Jahr 2015 ein wesentlicher Punkt von mir. Ich wollte die Sportjugend breiter aufstellen. Ich wollte die finanzielle Ausstattung des Kreissportverbandes bessern und unseren Service ausbauen. Das sind Dinge, die gelungen sind, nicht mir allein, sondern immer mit einem guten Team. Jan Wrege
Zur Person
Matthias Hansen (54) ist seit 2015 Vorsitzender des Kreissportverbandes Nordfriesland. Von 2008 bis 2015 war der Hattstedter Vorsitzender der Sportjugend NF, seit 2013 ist er auch Vorsitzender der Sportjugend Schleswig-Holstein und gehört dem Präsidium des Landessportverbandes an. Im TSV Hattstedt war Hansen 2. Vorsitzender und ist dort derzeit noch Leiter der Leichtathletiksparte.