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Viöl ist typisch für Nordfriesland: Große Vielfalt mit ländlichem Charme

Frische Tomaten gibts auch für die Bürgermeisterin von Viöl im Einzelhandel vor Ort. Hier könne man seinen Wocheneinkauf erledigen und gleichzeitig noch Menschen aus Viöl und dem Umland treffen, sagt Telse Dircks (CDU). Fotos: Frank Spyra

Es ist eine familienfreundliche Gemeinde mit guter Infrastruktur und ein zentraler Anlaufpunkt

Vergleichsweise dünn besiedelt ist das Verbreitungsgebiet der Husumer Nachrichten: Nur Husum hat mehr als 20000 Einwohner. Alle anderen Städte oder größeren Orte wie Bredstedt, Tönning oder Friedrichstadt haben deutlich unter 6000 Bürgern. Dennoch haben sie eine große Bedeutung für das Umland. So wie Viöl.

Ein bisschen am Rand von Nordfriesland, ein eigenes kleines Zentrum: Das ist der ländliche Zentralort Viöl. Er liegt an der Bundesstraße 200. Ein verschlafenes Wohndorf ist der Ort beileibe nicht: Er ist Sitz der Amtsverwaltung, Schulstandort und war und ist auch heute noch das wirtschaftliche Zentrum der Region.

Der Zentralort und sein Umland

„Das Umland trägt mein Geschäft“, sagt Silvia Jensen. „Die vielen, kleinen Orte tragen Viöl.“ Sie ist die Inhaberin der Traumklamotte“, des Kleidungsgeschäfts am Westermarkt. Seit 2018 betreibt sie den Laden hier.

Warum Viöl? „Der Ort liegt sehr zentral, die Landschlachterei Burmeister und der Aldi in meiner direkten Nachbarschaft ziehen Kunden.“ Jensen versucht sich auch gegenüber Husum abzugrenzen, indem sie dänische und holländische Mode führt.

Hört man sich um, sind die Viöler stolz auf ihre Sonderrolle. „Viöl ist eine familienfreundliche Gemeinde der kurzen Wege“, findet etwa der ehemalige Bürgermeister Heinrich Schmidt-Durdaut (CDU). Der zog in den 1980er Jahren hierher. Urkundlich erwähnt wurde Viöl bereits 1275, weiß der ehemalige Lehrer. „Die Siedlungsgeschichte ist jedoch wesentlich älter. Es wurden Broschen aus der Wikingerzeit gefunden, die auf Handel hinweisen, der bereits viel früher stattfand.“ Handel hat in Viöl also Geschichte.

Doch auch noch heute gehört der Handel zur Kernidentität Viöls. Rund 40 Mitglieder hat der Handels- und Gewerbeverein (HGV) des Orts, unter dessen Dach rund 300 Mitarbeiter versammelt sind. Von der Werbeagentur über den Tischler, Werkstätten von zum Steuerbüro und der Meierei - Viöl ist mit seinen Dienstleistungen und Produkten Anlaufpunkt für die Bürger im Umland.

Reiner Thordsen engagiert sich im HGV. Der Geschäftsführer des Nah & Frisch-Marktes hat bereits in Viöl seine Lehre gemacht. „Viöls Eigenständigkeit war schon immer so“, sagt der 35-Jährige. Es sei ein Prozess: Die gute Infrastruktur - Schulen, Ärzte, Vereine, die Tankstelle befruchte den Einzelhandel. Und weil so Menschen in den Zentralort kommen, erhalte sich auch die Infrastruktur. „Wer nach Viöl fährt, kann mehr als eine Sache erledigen.“

Der Unternehmer nennt einen weiteren Aspekt: „Die Betriebe in Viöl wachsen ebenfalls“, sagt er und zählt auf: Kälte Klima Nord, Voss (Weidezäune) und die Meiereigenossenschaft, um nur einige der Player auf dem Viöler Spielfeld zu nennen. Außerdem: Wegen seiner Bedeutung für das Umland hält Thordsen den Zentralort auch für krisenfester als andere Gemeinden. Wobei der Unternehmer keine Prognose wagt. 

Vernetzte Orte - man trifft sich

Stefan Lensch ist Teil der Wirtschaft Viöls. Seine Werkstatt liegt direkt an der B200, die Viöl teilt.
Stefan Lensch ist Teil der Wirtschaft Viöls. Seine Werkstatt liegt direkt an der B200, die Viöl teilt.

Auch die amtierende Bürgermeisterin von Viöl, Telse Dircks (CDU), sieht die wirtschaftliche Rolle des Zentralorts im Zusammenhang mit seinen Angeboten für die Region. „Die Amtsvolkshochschule hat hier ihren Sitz, wir Schwimmbad. haben ein Und außerdem arbeiten mehrere Sportvereine aus der Umgebung zusammen. Sie trainieren mal hier, mal in den Nachbargemeinden.“ Vernetzung mit den umliegenden Dörfern sei auch beim Einkaufen zu spüren, weil man sich trifft. 

Viöl sei auch zentraler Anlaufpunkt wegen seiner Feste. Dircks zählt auf: „Der Bauernmarkt auf dem Dörpsplatz, das Kinderfest, das Ringreiten – all das sind Anziehungspunkte für die Viöler und die Menschen aus der Umgebung“, erklärt sie. Und wer eh schon einen Grund hat, nach Viöl zu fahren, kann dann beispielsweise auch noch einen der Friseure besuchen. „Wir haben alles in Viöl. Hier kann man seinen Wocheneinkauf machen.“

Und: Viöl wächst. Zwischen 2005 und 2015 ist die Bevölkerungszahl von 1921 auf 2153 gestiegen, also um 232 Menschen. Seitdem kamen weitere 72 dazu. Das Baugebiet Möhlmannsweg im Nordosten des Ortes besteht aus 65 Grundstücken. Hier entstehen Einfamilienhäuser für weitere neue Viölerinnen und Viöler. 2225 Menschen lebten hier zum Stichtag 31. Dezember 2022. Weitere 7160 Menschen leben in den umliegenden Gemeinden des Amtes Viöl – in Ahrenviölfeld oder Behrendorf, in Norstedt oder Sollwitt.

Profitieren vom Durchgangsverkehr

Handwerker mit Geschick: Omar Al-Dulaimi (2. v. r.) und sein Team vom „Star Barber und Beauty Shop“ in Viöl (v. I.): Marwan Al-Dulaimi, Ahmmad Mohammad und Ali Ali.
Handwerker mit Geschick: Omar Al-Dulaimi (2. v. r.) und sein Team vom „Star Barber und Beauty Shop“ in Viöl (v. I.): Marwan Al-Dulaimi, Ahmmad Mohammad und Ali Ali.

„Meine Kunden, häufig Pendler, geben ihre Autos hier ab“, sagt Stefan Lensch. Er ist der Inhaber der Bosch-Werkstatt am Kreisverkehr an der B200 und der Straße Westerende. „Viöl profitiert auch vom Durchgangsverkehr“, sagt er. Die Straße zwischen Husum und Flensburg belebt sein Geschäft. 

Aber der Ort habe seinen dörflichen Charakter behalten, sagt der Unternehmer. Viöl sei aber auch offener geworden.

Offen beispielsweise für den Iraker Omar Al-Dulaimi. Der 33-Jährige ist Inhaber des „Star Barber und Beauty Shop“. „Ich habe meinen Friseurladen hier im Herbst 2020 eröffnet, und ich bin sehr zufrieden“, sagt Al-Dulaimi. Seine Kunden kämen sogar aus Husum und Mildstedt nach Viöl, berichtet er. Fünf Angestellte hat der Friseur aus Heide. „Ich würde gerne herziehen, aber es ist schwierig, eine Wohnung zu finden.“ Frank Spyra

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