
Von einer der ersten Windkraftanlagen Nordfrieslands im Cecilienkoog bis zur ganz neuen Wasserstoff-Fabrik in Bordelum erstrecken sich lauter Anlagen zur Produktion erneuerbarer Energien. Auf der Landkarte ist das ein breiter Streifen von West nach Ost im mittleren Nordfriesland, der die Innovations- und Tatkraft der Menschen hier demonstriert. Oberstes Ziel scheint derzeit zu sein, so viel Solar- und Windstrom wie irgend möglich gleich hier vor Ort zu speichern oder idealerweise sinnvoll zu verwenden.
Von den ersten Kämpfen der Kreisverwaltung gegen die Windmühlenflügel der Pioniere bis zur heute weit verbreiteten Akzeptanz in Behörden und Bevölkerung war es ein langer Weg, der stets von den Husumer Nachrichten mit Recherchen und Reportagen begleitet worden ist. Mal sind es Hemmnisse, wie die Überarbeitung der Regionalpläne für den möglichen Ausbau, mal kommt Schwung in die Sache, wie Ende Juli dieses Jahres mit der von der Bundesregierung gestarteten Wasserstoff-Strategie. Allein aus Robert Habecks Wirtschaftsministerium sollen dafür zehn Milliarden Euro vor allem in den Norden der Republik fließen.
In Nordfriesland soll alles mit „Kuddel“ begonnen haben, wie Landwirt Karl-Heinz Hansen genannt wird. Er fuhr 1982 nach Dänemark zum Hersteller Vestas und besiegelte dort mit dem für die Westküste üblichen Handschlag den Kauf einer 55-KilowattAnlage. Deren Flügel rotieren nach wie vor hinterm Deich. Aktuell wird nach Kräften repowert, also an Alt-Standorten größere Einheiten errichtet. An manchen Stellen sollen Anlagen bereits ein zweites Mal vergrößert werden.
Ein Blick in die Zukunft bietet sich beim Treffen mit Marten Momsen aus Bordelum. Er ist Geschäftsführer des Bürgerwindparks BO3 und ist auch sonst so überall dabei, wenn es umerneuerbare Energien in Bordelum geht. Er zählt unter anderem drei Biogas-Anlagen und mehrere Windparks am Ort auf. Kommunale Einrichtungen und die auf Mutter-/Vater-Kind-Kuren spezialisierte Fachklinik Norderheide würden bereits die Abwärme der Biogas-Anlagen nutzen können, erklärt er. Mit dem Schwung, den Nahwärme zweifellos auch durch die Initiative von Habeck zum Thema Heizungen bekommen hat, fragen nun verstärkt auch Eigenheimer danach.
Momsen riet, zu einem Termin am Elektrolyseur im Bordelumer Ortsteil Dörpum zu kommen. In dem von dem Unternehmen GP Joule in Reußenköge initiierten Verbundprojekt „eFarm“ geht es um die Produktion von ausschließlich regenerativ erzeugtem, grünem Wasserstoff.
Und dort fand Ende Juli die Einweisung des Personals durch den technischen Betriebsleiter Thomas Krohn statt. Eingeladen dazu waren Kollegen, Projektpartner und Grundstücksnachbarn. Im Juni vorigen Jahres war der Baubeginn gefeiert worden. Krohn erläuterte, wie der Elektrolyseur arbeitet und wie der dabei gewonnene Wasserstoff sicher in Transportanhänger verladen wird.
Jennifer Buchner von GP Joule fasst zusammen, wo der Wasserstoff bereits eingesetzt wird: an Tankstellen in Niebüll und Husum, für zwei Linienbusse der Autokraft und für 30 Autos, die im Zusammenhang mit dem Projekt angeschafft worden sind.
Sowohl in Reußenköge sowie in Dörpum seien Elektrolyseure nun in Betrieb, für einen weiteren in Langenhorn war Baubeginn im August. Und nördlich des hier betrachteten mittleren Nordfrieslands sind in Bosbüll außerdem zwei Elektrolyseure samt Wärmenetz in Betrieb.
Weiter wachsen soll das Projekt eFarm: um zehn Brennstoffzellen-Busse und um zehn Brennstoffzellen-Lkw. Die Rolle von grünem Wasserstoff als Standortfaktor gewinne somit zunehmend an Bedeutung und Nordfriesland sei „mit dem eFarm-Projekt wegweisend gut aufgestellt“, beurteilt Jennifer Buchner die Entwicklung in der Region.
Auch in Bredstedt, geografisch mittendrin zwischen Reußenköge und Bordelum, sind erneuerbare Energien jüngst verstärkt in den Fokus gerückt worden. Die Stadt will im Rahmen eines Vertrages mit GP Joule voll auf Nahwärme setzen. So gesehen lässt sich spätestens jetzt sagen, dass in den Menschen im mittleren Nordfriesland besonders viel erneuerbare Energie steckt. Birger Bahlo
Erneuerbare Energien
Nordfriesland und seine Vorreiterrolle
Der Druck großer Auflagen von Zeitungen ist ohne Elektrizität nicht denkbar. Und die Leser der Husumer Nachrichten wären noch immer auf Petroleumlampen angewiesen. Erster Strom für Licht und Pumpen kam Mitte des 19. Jahrhunderts mit in Heide produzierten Windrädern des Typs „Adler“ und ähnlichen aus Dänemark nach Nordfriesland. Durch die Erneuerbaren Energien, ab 1980er Jahre, wurden Nordfriesen zu Stromversorgern und Husum mit der Windmesse zum internationalen Mekka der ganzen Branche. Stets begleiteten die Husumer Nachrichten den weiteren Auf- und Ausbau. So berichteten sie, dass bereits 1993 im Kreisgebiet fast die Hälfte der landesweit 500 Anlagen standen. Und heute beherrscht die Veredelung durch Wasserstoff-Technologien die Berichte. Er dient als Speicher und grüner Kraftstoff.