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600 Jahre Wittbek: Eine Gemeinde im Wandel der Zeit

Ein waschechter Wittbeker: Bürgermeister Johannes Jürgensen

Großer Zusammhalt in einer kleinen Gemeinde: 800 Einwohner leben gut und gerne dort. Ort hat bewegte Geschichte und auch die Schule hat sich dem Wandel der Zeit angepasst

Die Husumer Nachrichten berichten nicht nur aus den großen Zentren im südlichen und mittleren Nordfriesland, wie Husum oder Bredstedt, sondern die Reporter haben auch die rund 80 Gemeinden mit 1000 oder weniger Einwohnern im Blick: eine davon ist Wittbek.

Hier ticken die Uhren etwas langsamer als andernorts, diesen Eindruck gewinnt man, wenn man an einem sonnigen Sommernachmittag durch das Dorf schlendert. Da wird im Garten gearbeitet, im Dorfteich geangelt, Rentner sitzen vor der Haustür und unterhalten sich. Ab und zu fährt ein Auto oder ein Traktor vorbei. Und es ist ein ausgesprochen hübsches Dorf mit stattlichen alten Bauernhäusern und gepflegten Gärten. Auch die Umgebung ist eine Idylle: Sanfte Hügel, Felder, Weiden mit Kühen – im Ort gibt es noch einige Milchviehbetriebe und dazwischen Knicks und Wäldchen. Und das passt auch zum Namen der Gemeinde: Wittbek heißt so viel wie Waldbach.

Großer Zusammhalt in einer kleinen Gemeinde

In dieser harmonischen Umgebung leben gut 800 Einwohner in Wittbek und den Ortsteilen Oster- und Westerwittbekfeld. Und sie leben gut und gerne hier, wie Bürgermeister Johannes Jürgensen weiß. Das wirkt sich auch auf die Dorfgemeinschaft aus: „Der Zusammenhalt in der Gemeinde ist sehr gut.“

Doch wie alle Dörfer auf dem Lande hat auch Wittbek gerade in den vergangenen 50 Jahren einen starken Wandel erfahren: Vieles ist verschwunden: Laden, Bäckerei, die Schulen, und zuletzt 2018, die Gaststätte, der „Wittbeker Krog“ – das Gastwirtsehepaar hatte das Rentenalter erreicht und keinen Nachfolger gefunden. Wo einst gefeiert wurde, wird heute gewohnt.

All das, was man so zum Leben braucht, findet sich im gut zwei Kilometer entfernten Ostenfeld. Dort steht die Kirche, die Grundschule und ein Supermarkt, unter anderem gibt es eine Apotheke, Ärzte, Friseur, eine Tankstelle und ein Freibad. Keine schlechte Nachbarschaft also. Und gut zu erreichen: Straße und Radweg verbinden die Dörfer.

Rückblick in die bewegte Geschichte

Das erste Mal urkundlich erwähnt wird Wittbek vor 600 Jahren im Jahr 1423. Es waren wilde Zeiten damals, wie weitere historische Quellen belegen: Demnach überfielen die Schwabstedter die Wittbeker Bauern und klauten ihnen 130 Kilo Hafer. Das zehn Kilometer entfernte Schwabstedt war damals keine gute Nachbarschaft, und es waren wirklich andere Zeiten: Die Schwabstedter stahlen nämlich nicht nur Hafer, sondern auch Kühe. Das ließen sich die Wittbeker nicht gefallen, holten sich die Kühe wieder. Dabei starben allerdings zwei Wittbeker Bauern. Andere wurden von den Schwabstedtern gefangen genommen. Auch mit Ostenfeld gab es Knatsch: Diese ließen gerne mal ihr Vieh auf Wittbeker Weiden grasen. So steht es in der Chronik von Wittbek (2012).

Das alles ist lange her, und heute arbeiten Wittbek und Ostenfeld mit dem dritten im Bunde, Winnert, gut zusammen - für die Grundschule, den Kindergarten mit seiner Außenstelle in Wittbek und das Freibad, im Kooperationsraum „Veer Dörper“ außerdem noch mit Oldersbek.

Vom Verschwinden einer Institution

Beispiel für den Wandel ist die Spar- und Leihkasse von 1878.

Ihre fast 125 Jahre währende Geschichte zeigt den Weg von selbstbestimmter Innovation über den Aufschwung, die Fusion und dann das Verschwinden in größeren Einheiten. Die Spar- und Leihkasse, ab 1923 Spar- und Darlehnskasse Wittbek, diente vor allen Dingen den Landwirten zur Finanzierung ihrer Investitionen. Über Jahrzehnte spielt sie eine zentrale Rolle im Dorf, die über das Bankgeschäft hinausgeht. So werden Futtermittel, Kohlen und Kunstdünger verkauft. In den 1940er Jahren wird eine Großwäscherei betrieben, in den 1950er Jahren ein Landmaschinenverleih gestartet, eine Getreidetrocknung eingerichtet sowie eine weitere Düngerhalle gebaut.

Auch in den Nachbarorten gibt es solche Spar- und Leihkassen, die später in Raiffeisenbanken umbenannt werden. Anfang der 1980er Jahre fusionieren diese zur Raiffeisenbank Treene, die aber schon 1983 ihr Warengeschäft an die Hauptgenossenschaft Husum/Kiel verkauft. Bis auf die Düngerhalle werden 1984 alle Gebäude, auch das Wahrzeichens Wittbeks, der große Siloturm, abgerissen. 1992 wird der Bankbetrieb in Wittbek eingestellt.

Die Schule im Wandel der Zeit

Ein anderes Bespiel für den Wandel ist die Dorfschule.

Gegründet wird die erst 1764. Zeitweise existierten zwei Schulen im Dorf, eine für Wittbek und eine für Osterwittbekfeld. Wegen des langen Schulweges wurde dort 1909 eine eigene Volksschule eröffnet, die bis 1968 bestand. Heute ist dort das einzigartige Tankstellenmuseum von Adolf Trede zu finden.

In Wittbek selbst wurde am Ortsrand 1959 eine neue Volksschule (1. bis 9. Klasse) gebaut, die aber wegen sinkender Kinderzahlen 1975 schon wieder schloss. Der Wasserbeschaffungsverband Treene übernahm das Gebäude, bevor er in Osterwittbekfeld neu baute. Heute sind dort das Dörpshus und der Kindergarten untergebracht. Aber schon wieder steht eine Änderung an: Insbesondere die Energiesanierung zwingt dazu, so der Bürgermeister.

Apropos Wasserverband: So lange gibt es in Wittbek noch keine zentrale Trinkwasserversorgung - erst seit dem 20. Dezember 1970. Zuvor versorgten sich die Wittbeker aus eigenen Brunnen. Im Jahrhundertsommer 1959 wurde das Wasser knapp. Es musste eine zentrale Trinkwasserversorgung her. Und das nicht nur für Wittbek, sondern für weitere 45 Gemeinden östlich von Husum und im Kreis Schleswig.

Vielfältiges Vereinsleben

Während vieles an Infrastruktur verschwindet, erwacht das Vereinsleben: Zwar bestanden die Feuerwehr schon seit 1882, die Ringreiter- und Schützengilde seit 1892 und der Kriegerverein seit 1902. Doch dann tat sich lange Zeit nichts: Erst nach dem Zweiten Weltkrieg rückte Soziales in den Vordergrund: 1948 wurde der Ortsverein des Sozialverbands gegründet, 1971 der Landfrauenverein, 1972 der Fremdenverkehrsverein, 1976 die Wittbeker Kindergilde, die bis heute das Kinderfest organisiert, und erst 1988 der DRK-Ortsverein. Auch der 1. FC Wittbek ist noch jung: Der Fußballverein wurde erst 1983 ins Leben gerufen. 1998 kommt der Heimatverein Glatter Gang hinzu, der sich um Belange der Bürger kümmert. Der Reit- und Fahrverein Wittbek entsteht 2007. Ilse Buchwald

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