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Eiderstedt: Ein Herrenhaus und seine Geschichte

Alfred Jordy vor seinem Herrenhaus Hoyerswort auf Eiderstedt mit Café, Restaurant, Museum und Töpferwerkstatt. Foto: Birger Bahlo

Die Lebensgeschichte von Alfred Jordy Besitzer des Herrenhauses Hoyerswort

Als Kind hat er in den Ruinen des Zweiten Weltkrieges in Berlin gespielt. In einem der Hinterhöfe der Stadt, in einer Einzimmerwohnung für vier Familienmitglieder, hat Alfred Jordy seine Wurzeln. Wie er es von dort über die Wilstermarsch, Hamburg und Sylt bis zum Besitz des einstigen Adelssitzes auf Eiderstedt, dem Herrenhaus Hoyerswort, geschafft hat, soll hier nachgezeichnet werden. Jordy betreibt dort in der Nähe von Oldenswort mit seinen Angehörigen Keramik-Werkstatt, Café, Restaurant, Ferienwohnungen und ein Museum zur Geschichte der Renaissance.

Ansage des Vaters: „Bildung ist Macht“

Die Mutter war wegen der Arbeit aus Pommern nach Berlin gekommen, der Vater kehrte spät aus russischer Gefangenschaft heim. Ein großer Teil des Familienlebens spielte sich im Schrebergarten ab, wo Jordy als Student erstmals seine handwerklichen Fähigkeiten bewies. Er ersetzte die alte Laube durch eine neue, selbst gezimmerte.

Der Vater soll eine beeindruckende Persönlichkeit gewesen sein. Dessen Ansage sei gewesen: „Bildung ist Macht“. Politisches Engagement begann an der Schule, als die Jugendlichen „Schüler-Mitbestimmung“ forderten und damit den bis heute offiziell geltenden Begriff „Schüler-Mitverantwortung“ abschaffen und inhaltlich ersetzen wollten. Der 1951 Geborene erzählt, dass er 1967 die Auseinandersetzungen um den Berlin-Besuch von Schah Reza Pahlavi und die Schüsse eines Polizisten auf Benno Ohnesorg miterlebt habe - Ereignisse, die zur Radikalisierung vieler Studenten beigetragen hatten. Er begann an der Freien Universität Berlin Volkswirtschaft zu studieren.

Jordy arbeitete auf dem Bau, eignete sich autodidaktisch das Holzhandwerk an und produzierte Bilderrahmen, Holztruhen und Seekisten. Da arbeitete seine erste Frau bereits als Töpferin, und jenes Kunsthandwerk sollte über Jahrzehnte zur gemeinsamen Profession beider werden. Es prägt bis heute das Berufsleben der Familie.

Alfred Jordy hat sich auf bemalte Wandfliesen in Fayence-Qualität spezialisiert.

Alte Traditionen eignete er sich unter anderem bei Besuchen in holländischen Fabriken an. Die Motivwahl ist geprägt durch die umliegende Landschaft. Seine Tochter Anna Bothe folgt in dem Familienunternehmen ebenfalls der Tradition, arbeitet an der Töpferscheibe und fertigt dort Hoyersworter Steinzeug unter dem Markennamen „Bothe-Keramik“ an.

Es war ein langer Weg mit seiner ersten Frau Erkel Gnauck. Beide entschieden sich Ende der 1970er Jahre für einen verfallenen Haubarg in der Wilstermarsch als Arbeitsort und Wohnsitz. Dessen Restaurierung wurde Jordys erstes großes Bauprojekt. Dabei entdeckte er seine Liebe zur Keramik, denn in der Stube fand er holländische Fliesen vor.

Später betrieb das Kunsthandwerker-Paar Läden und Werkstätten zwischen Hamburg und Sylt, unter anderem auch in Friedrichskoog (Dithmarschen). Auf der Insel baute Jordy schließlich in Munkmarsch ein Reetdachhaus, in dem sie lebten, arbeiteten und ihre Waren verkauften. Durch dessen Wertsteigerung im Laufe der Jahre kam ein Teil des Vermögens zusammen, das er nach der Trennung von seiner Frau 2011 in den Neustart im Herrenhaus Hoyerswort investierte.

Haubarg saniert mit Kraft und Können

Mit dem Ausbau dort krönte er sein Lebenswerk und stellte zur Verwunderung vieler Gäste einmal mehr sein handwerkliches Geschick und seine Leistungskraft unter Beweis. Und wieder - wie damals zu Beginn seines Berufsweges in der Wilstermarsch - stand er vor einem sanierungsbedürftigen Haubarg. Solche Bauwerke sind typisch für die Halbinsel Eiderstedt, sie „bargen das Heu“. Haubarge haben einen quadratischen Grundriss und werden von massiven Holzständern getragen. Ringsherum um das Heulager in der Mitte verteilten sich Räume für die Bewohner und die Ställe.

Mittlerweile ist aus dem Haubarg eine Brasserie geworden. Alfred Jordys Hermann Schwiegersohn Bothe, gelernter Koch, verwöhnt Gäste mit französisch inspirierten Gerichten aus regionalen Zutaten. Und Jordys Frau Brigitte Jürgensen kümmert sich ums Café und die Ferienwohnungen. Birger Bahlo


Führungen...

So trat einst Caspar Hoyer unter die Leute. Alfred Jordy führt in Kleidern im Stil des 16. Jahrhunderts jeden Mittwoch durch das Herrenhaus Hoyerswort. Foto: privat
So trat einst Caspar Hoyer unter die Leute. Alfred Jordy führt in Kleidern im Stil des 16. Jahrhunderts jeden Mittwoch durch das Herrenhaus Hoyerswort. Foto: privat

...im historischen Kostüm

Das Herrenhaus wurde auf einer Warft erbaut, die vermutlich schon zur römischen Kaiserzeit bewohnt war.

Im 16. Jahrhundert wurde es erbaut, 1564 schenkte Herzog Adolph von Gottorf seinem Rat und Vertrautem Caspar Hoyer das Anwesen mitsamt 200 Hektar Land. Caspar Hoyer war von 1578 bis zu seinem Tod 1594 der bedeutendste Staller (Vertreter des Herzogs) und auch der reichste Mann von ganz Eiderstedt.

Jeden Mittwoch um 15 Uhr schlüpft Alfred Jordy in Kleider aus der Zeit und führt Gäste durchs Haus und in dessen Geschichte. Und das Haus lädt zu einem vielseitigen Kulturprogramm ein, unter anderem mit Blues, Jazz oder Klesmermusik.

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