Nachbarn sind laut oder lieb, gesprächig oder wortkarg. Sie halten sich an Regeln oder nicht. Und vor allem: Kaum jemand kann sich seine Nachbarn aussuchen. Sie sind einfach da und man muss zusehen, wie es so läuft über die Jahre. Das zu erkunden am Beispiel der Stadt Husum und der Gemeinde Mildstedt haben sich die Husumer Nachrichten zum Ziel gesetzt. Die Nähe der beiden zueinander ist etwa mit einem Doppelhaus zu vergleichen eben Wand an Wand.
Die Kommunalwahl im Mai diesen Jahres bietet sogar die Möglichkeit für Rück- und Ausblick. So kommen hier Alt-Bürgermeister Uwe Schmitz (parteilos) und der Neue, Martin Kindl (CDU), für Husum zu Wort und für Mildstedt Telse Jacobsen (CDU) und ihr Nachfolger Rolf Riebesell (SPD).
Was trennt, was verbindet? Radwege verbinden. Da gibt es aktuell viele Gespräche miteinander und Fördergelder vom Land. Noch teilen sich nämlich auf der Mildstedter Landstraße und der Hauptstraße Autos und Fahrräder die Fahrbahn. Weil das gefährlich werden kann, wird nun der Gehweg zu einem kombinierten Rad- und Gehweg ausgebaut. Dafür bekomme Mildstedt eine Förderung in Höhe von rund 160 000 Euro aus dem Sonderprogramm Stadt und Land, teilt Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen (CDU) mit. „Die Gemeinde geht hier den richtigen Weg“, erklärte Madsen, als er im Juni Rolf Riebesell den Förderbescheid aushändigte.
Ein bedeutendes Bindeglied für Fahradfahrer bildet der Mia-Ketelsen-Weg, der vom Husumer Ortsteil Rödemis über die Gemeindegrenze zur Mildstedter Landstraße führt. Er soll auch Teil eines Rad-Fernweges Husum - Erfde - Rendsburg werden.
Eine weitere Klammer, erzählt Rolf Riebesell, bildet auch der Stadtbusverkehr, der allerlei Abstimmungen erfordert. So gelte es, den Rhythmus im Fahrplan zu besprechen. Mildstedt reiche ein Stundentakt mit Husum, erklären Telse Jacobsen und Rolf Riebesell. Auch, um die Kosten für die Gemeinde zu begrenzen.


In einem Boot durch die Stadtwerke
Verbunden sind beide Orte durch die Husumer Stadtwerke, die - und das ist einzigartig im Umfeld der Kreisstadt - auch die Nachbargemeinde Mildstedt mit Energie und Wasser versorgt. Und der Deich- und Hauptsielverband Eiderstedt kümmere sich um den Abtransport des Regenwassers.
Telse Jacobsen lobt rückblickend die enge Zusammenarbeit mit den Verwaltungen, sei es mit den Mitarbeitern im Amt Nordsee-Treene oder im Husumer Rathaus. „Ein Anruf beim Bürgermeister, ich schildere kurz das Thema - und ein, zwei Tage später kommt aus der Verwaltung die Antwort“, berichtet die ehemalige Bürgermeisterin von Mildstedt. Oder falls das alles telefonisch nicht zu klären sei, habe man sich kurzerhand zusammengesetzt und die Sache besprochen.
Die jeweiligen Ortsschilder fallen kaum auf. Weil die Siedlungen nahezu ineinander fließen, werden sich viele bei ihren Fahrten zwischen beiden Orten schon gefragt haben, ob sie nun noch in der einen oder bereits in der anderen Gemeinde gelandet sind. Uwe Schmitz erinnert sich noch an eine Arbeitsgruppe Umlandbereich, die mit dem Partner Wildwuchs in der städtebaulichen Entwicklung verhindern sollte. Das sei wegen eines Ungleichgewichts notwendig gewesen, weil Husum sein Wachstum frei bestimmen konnte und Umlandgemeinden nicht. Inzwischen können Husum und Mildstedt frei über ihre städtebauliche Entwicklung selbst bestimmen, denn die Landesplanung reglementiert das nicht mehr.
Der ein oder andere der vier Bürgermeister nimmt bei den Gesprächen das Wort „Hauptstadt“ in den Mund, womit aber nur auf die vielseitigere Infrastruktur in Husum mit Gymnasien und Berufsschule, Ärzten und Klinik sowie den vielen Geschäften und bald dem neuen Schwimmbad mit Sportzentrum hingewiesen wird. Aber mal direkt gefragt: „Gab es jemals konkrete Gespräche darüber, mit Mildstedt zu fusionieren, wie es mit Rödemis und Schobüll geschehen ist?“ „Meines Wissens hat es das in den vergangenen 40 Jahren nie gegeben“, antwortet Uwe Schmitz. Auch er hebt vielmehr die enge Kooperation und verlässliche Nachbarschaft hervor. Das beweise sich beispielsweise täglich vor allem bei Fragen zur Versorgung Geflüchteter. Schmitz und Jacobsen hätten zudem im Tourismusverein „Husumer Bucht Ferienorte an der Nordsee“ zusammengearbeitet. Birger Bahlo