Der 16. Oktober 1959 ist ein freundlicher Herbsttag. Auf dem neuerbauten Flugplatz Husum-Schwesing glänzt ein knappes halbes Hundert F-84F-Jagdbomber aus US-Produktion silbrig in der Sonne, aufgereiht zur Parade anlässlich der feierlichen Indienststellung des Jagdbombergeschwaders 35 der Luftwaffe. Im Beisein von hochrangigen Landespolitikern, Nato-Militärs und vielen Bürgern, denn zur Zeremonie ist das Areal für die Öffentlichkeit freigegeben. Busse mit Besuchern pendeln vom Marktplatz zur Basis. Und natürlich sind jede Menge Pressevertreter vor Ort, darunter auch der Reporter der Husumer Nachrichten.
Stets redaktionelle Berichterstattung
Der allerdings muss die Ausführungen des schleswigholsteinischen Ministerpräsidenten, Kai-Uwe von Hassel, und des Inspekteurs der Luftwaffe, Generalleutnant Josef Kammhuber, auf der begleitenden Pressekonferenz gründlich missverstanden haben. Denn am nächsten Tag vermelden die Husumer Nachrichten ihren überraschten Lesern, dass die Jets in unterirdischen Hallen untergebracht würden. Das bleibt jedoch in der Folge einer der gröbsten Ausrutscher, denn für gewöhnlich begleiteten die HN-Redakteure zwar oft kritisch, aber zumeist wohlwollend und möglichst genau die Bundeswehr vor Ort.
Was auch für die Leserschaft besondere Bedeutung hat, denn während die Husumer Nachrichten ihren 150. Geburtstag feiern, hat das Militär hier eine mehr als doppelt so lange Tradition: Husum ist schon seit 317 Jahren Garnisonsstadt. Heute tragen von 23 500 Einwohnern 2500 Uniform, also mehr als jeder Zehnte. Nach der Auflösung des Jagdbombergeschwaders übernahm das Flugabwehrraketengeschwader 1 der Luftwaffe 1993 die Fliegerhorstkaserne, 1000 Soldatinnen und Soldaten sind hier stationiert. Weitere 1500 steuert das Spezialpionierregiment 164 der Streitkräftebasis in Julius-Leber-Kaserne der bei.
Nicht nur bei der Berichterstattung über alles, was die verschiedenen Verbände in des Husum betraf, zeigt sich die Verbundenheit der Husumer Nachrichten zu den Streitkräften. Nicht wenige freie Mitarbeiter und sogar Redakteure kamen aus dem Kreis der Truppe vor Ort. Was auch dem „Tinchen“ zu verdanken ist: Eingeführt als Verbandszeitschrift nunmehr Leichten Kampfgeschwaders 41 im Dezember 1973, ab April 1974 monatlich bis heute in Heftform erscheinend und seit 1993 das gedruckte NachrichtenPortal des Flugabwehrraketengeschwaders 1, ist es die älteste Truppenzeitschrift der Bundeswehr.


Vom Kommodore zum Zeitungs-Mitarbeiter
Die Idee dazu hatte Reinhard Mesch († 2004), der von 1977 bis 1982 als Oberst Kommodore des Husumer Jet-Geschwaders und sehr presse-affin war. Nach seiner Pensionierung machte er schließlich Nägel mit Köpfen und heuerte bei den Husumer Nachrichten an, mit eigenem Büro im ersten Stock der Redaktion, wo er bis zur Jahrtausendwende tätig war.
Über die Bundeswehr schrieb er nicht, weil er sich als befangen ansah, und konzentrierte sich auf soziale und gesellschaftspolitische Themen. Und stemmte jedes Jahr zu den Husumer Hafentagen die mehrseitige Zeitungs-Beilage, die es damals gab.
Der einstige Presseoffizier des Geschwaders und erste Redaktionsleiter des „Tinchen“, Jürgen Dietrich († 2017), war schon während seiner BundeswehrZeit für die Husumer Nachrichten tätig und nach der Pensionierung ebenfalls als freier Mitarbeiter. Lokalpolitik und Bauvorhaben sowie die Stadt-, Bauund Kulturgeschichte waren seine Themen, zu denen er jahrzehntelang historisches Material und Bilder zusammentrug und zudem Bücher und Aufsätze veröffentlichte. Er galt als einer der führenden Kenner der Husumer Stadtgeschichte. Sein Nachlass befindet sich heute im Bredstedter Nordfriisk Instituut.
Jens Voss († 2011), Zivilbeschäftigter im Geschwader, versorgte fast 50 Jahre lang als freier Mitarbeiter und „rasender Reporter“ die Husumer Nachrichten mit Sportreportagen, Berichten über Versammlungen und Feste oder Notfall-Einsätze. Polizei und Feuerwehr lieBen sich von ihm über die Schulter schauen. Und Stefan Petersen, „Tinchen“-Redaktionsleiter von 1980/81 und später (mit-)fliegender Reserveoffizier, war bis Juni dieses Jahres Redakteur in der Husumer Stadtredaktion, nachdem er vorher seit 1998 als Politik-Redakteur in der sh:z-Zentrale in Flensburg gearbeitet hatte.
Jürgen Dietrich schaffte es, Bilder für seine Artikel auch auf unkonventionelle Weise zu erlangen. So wurde 1980 auf dem „kurzen Dienstweg“ ein Helikopter angefordert, um den Autor dieser Zeilen, Stefan Petersen, als Fotografen die Möglichkeit zur Luftaufnahme der neu aufgesetzten Turmspitze des Husumer Schlosses zu geben - heute ein Ding der Unmöglichkeit. Petersen wiederum sorgte dafür, dass seine Flug-Reportagen nicht nur den Weg in die Fachzeitschriften fanden, sondern auch zur Lokalzeitung. Und das schon vor seiner Zugehörigkeit zum sh:z, wie bei der multinationalen GroßTactical Fighter übung Meet 1989“ in Husum.
Chefredakteur als Mentor für die Truppenzeitschrift
Wertvolle Hilfestellung bei der Entstehung des „Tinchen“ lieferte als geistiger Ziehvater und Förderer Helmuth Sethe, von 1962 bis zu seinem frühen Tod 1983 Chefredakteur der Husumer Nachrichten und ein ausgewiesener Freund des Geschwaders. Um sich ein genaueres Bild „seiner“ Truppe zu machen, ging er 1976 in die Luft und schrieb für die Zeitung einen packenden Erlebnisbericht über seinen Mitflug in der doppelsitzigen Trainer-Version der Fiat G.91, die die F-84F Mitte der 1960er Jahre abgelöst hatte. Das „Tinchen“ wiederum stellte in der Dezember-Ausgabe 1982 ausführlich die Husumer Nachrichten vor. Stefan Petersen