"Viel Glück in Kolstad!“ Als der Hallensprecher des SC Magdeburg am vergangenen Mittwoch Anders Eggert am Ende eines Interviews mit diesen Worten verabschiedete, musste der Däne kurz schmunzeln, korrigierte aber auf gewohnt sympathische Art den inhaltlichen Fauxpas seines Gesprächspartners: „Kolding, nicht Kolstad. Hört sich fast gleich an.“
In Anlehnung an Andy Möllers berühmtem Fußball-Spruch („Mailand oder Madrid, Hauptsache Italien!“) hätte Handball-Legende Eggert auch schlagfertig antworten können: „Kolding oder Kolstad, Hauptsache Dänemark!“
Der 43-Jährige hat nach nur einem Jahr seinen Posten als Co-Trainer der SG Flensburg-Handewitt aufgegeben und tritt das Traineramt bei KIF Kolding an - dort, wo er seit ein paar Jahren mit seiner Frau und seinen drei Töchtern lebt. Beim 40:37-Heimsieg am Sonntag gegen Hamburg gab „Eggi“ seine Abschiedsvorstellung auf der Flensburger Bank, die anschließende Verabschiedung in der Halle inklusive der Wertschätzung der Fans nahmen ihn emotional sichtbar mit.
Flensburg sei seine zweite Heimat. „Es liegt mir so am Herzen, hier zu sein. Deshalb tut es weh, wieder von der SG wegzugehen. Das ist schon eine tolle Mannschaft, innerhalb und außerhalb des Spielfelds. Aber ich habe auch das Gefühl, dass dieser Schritt richtig ist“, sagte die dänische Frohnatur.
In den nächsten Tagen gilt es, die Systeme herunterzufahren, private Dinge (unter anderem Projekte seiner Handballschule) zu erledigen, dann mit der Familie in den Urlaub zu fahren und ab Juli sich in den neuen Job zu stürzen. "Es ist komisch, dass am Saisonende alles vorbei ist und es von einem Tag zum nächsten ruhig wird. Aber man ist müde und freut sich auf Erholung.“
Die kann der 43-Jährige gut gebrauchen. Hinter dem ehemaligen Weltklasse-Linksaußen, der als Spieler Champions-League-Sieger und DHB-Pokalsieger mit der SG wurde, liegen aufregende und kräftezehrende zwölf Monate. Erst Co-Trainer unter Nicolej Krickau, nach dessen Demission im Dezember („Das war eine richtig schwere Zeit“) in vier Spielen Chefcoach und schließlich ab Februar in kleinerer Rolle als zuvor Adjutant von Ales Pajovic.
Eggerts sportliches Saisonfazit fällt durchwachsen aus. „Mit unserer Ausbeute bin ich nicht zufrieden. Es ist nicht so gelaufen, wie ich es mir gewünscht habe. Ich wollte, dass wir in allen Wettbewerben vorne mitspielen. Das haben wir nicht getan.“ Persönlich sei das letzte Jahr sehr„lehrreich“ gewesen, berichtete Eggert. Er habe das Gefühl gehabt, dass ich viele Sachen von mir einbringen konnte und umgekehrt auch viel von anderen Leuten lernen konnte“. Er habe einen guten Einblick auf die andere Seite, die eines Trainers und nicht eines Spielers, gewonnen.
Einmal Flensburg, immer Flensburg! Der Leitspruch der SG-Fans muss bei Eggert nun geringfügig modifiziert werden: Zweimal Flensburg, immer Flensburg! Er werde zwar keine Dauerkarte für die kommende Saison beantragen, aber auf jeden Fall ab und zu in der „Hölle Nord“ vorbeischauen, wenn es seine Zeit zulässt. Wahrscheinlich öfter in Begleitung seines Koldinger Nachbarn Lasse Svan.
Aller guten Dinge sind bekanntlich drei. Eggert als Chefcoach bei der SG - ein denkbares Szenario in ein paar Jahren? Bei dieser Frage zog der 43-Jährige sein typisches spitzbübisches Lächeln auf: „Natürlich wäre das eine tolle Herausforderung. Das ist ein Traumjob, aber auch eine riesige Aufgabe, die in meiner jetzigen Lebensphase nicht zu mir passt.“
Jetzt sind Kolding, die zweite dänische Liga und die Familie angesagt. Eggert: „Pajo braucht keine Angst haben, dass ich heiß auf seinen Stuhl bin“ - sagte er und grinste wieder spitzbübisch.
Holger Petersen