Stephan von Kolson
Sie sind wieder da: Pünktlich zum Frühlingsanfang hat sich gleich eine ganze Reihe von Zugvögel-Schwärmen auf Sylt, im Wattenmeer – und den Halligen eingefunden. Für die meisten ist es ein Zwischenstopp auf der Weiterreise gen Norden. Alpenstrandläufer, Sandregenpfeifer, Ringelgänse. Sie alle sind schon da. Dr. Matthias Strasser, Chef der Naturgewalten in List, hat ganz besonders seltene Vögel gerade erst auf dem Deich beobachtet: Zu den Neuankömmlingen gehören auch Kiebitze, die auf der Insel gelandet sind.
Kiebitze? Genau: Taubengroß, kleiner als Möwen, schimmernd und mit einem blau-violetten Fleck auf der Schulter. Besonders gut zu erkennen sind sie an ihrer langen zweizipfligen Haube, die Vogelkundler übrigens als Holle bezeichnen. Die Bodenbrüter haben Seltenheitswert und stehen seit Jahren auf der internationalen Liste gefährdeter Vogelarten. Vergangenes Jahr wurde die Art zum Vogel des Jahres gekürt. Davor auch schon einmal: 1996.
Ebenso für einen Zwischenstopp auf der Insel: Knutt-Schwärme. Selbst der Naturfernste erkennt sie an zwei eindeutigen Merkmalen: diesem gedämpften, irgendwie nasalen „uätt“. Und vielleicht noch eindringlicher und auch offensichtlicher: Knutts vollführen in großen Trupps beeindruckende Manöver, bei denen der Schwarm ständig seine Richtung ändert. Ihr Ziel: die Taimyr-Halbinsel in Russland. Dort, wo das Festland der Erde Richtung Norden aufhört.
Führung von Ornithologen
Wer es genauer möchte, hat dazu in der kommenden Woche Gelegenheit. Dann führt der Ornithologe Jörg Grützmann auf Einladung der Naturgewalten in die Welt der Zugvögel auf Sylt ein. Nach einer kurzen Vorstellung der typischen Vogelwelt im Norden Sylts geht es zu Fuß auf den Lister Mövenbergdeich. Ausgestattet mit Ferngläsern und Spektiven bekommen die Gäste einen Vogelrastplatz und den Brackwassersee im Lister Koog vor die Linse.
Zugvogel-Wolken, aber auch rastende Enten können in aller Ruhe beobachtet und bestimmt werden. Mit etwas Glück lassen sich ein paar Seehunde auf der Vogelschutzinsel Uthörnblicken. Für die zweistündige Führung wird festes Schuhwerk sowie wetterfeste und winddichte Kleidung empfohlen. Hunde sind nicht erlaubt.
➡ Informationen und Tickets gibt es unter naturgewaltensylt.de . Die Tour dauert rund zwei Stunden.