Yvonne Rosenberger ist 2025 von Mainz nach ☐ Neumünster gezogen. Seit dem 1. Juli 2026 gehört sie als erste Frau in der fast 200-jährigen Geschichte der Sparkasse Südholstein dem Vorstand an. Für sie steht dabei vor allem eines im Mittelpunkt: zuhören, ankommen und gemeinsam mit ihrem Vorstandsteam die Zukunft der Sparkasse und der Region gestalten. Hier spricht sie über Aufbruch und Ankommen, über Vertrauen und Führung – und darüber, warum gutes Banking vor allem eines ist: menschlich.
Frau Rosenberger, wenn man neu in eine Stadt zieht, noch dazu aus dem Rheinland in den hohen Norden, sieht man vieles mit anderen Augen. Wie nehmen Sie Neumünster wahr? Vermissen Sie Ihre alte Heimat?
Neumünster hat mich von Anfang an positiv überrascht. Die Stadt ist viel grüner, als viele vermuten, und verbindet wirtschaftliche Stärke mit einer hohen Lebensqualität. Vor allem aber sind es die Menschen, die meinen ersten Eindruck geprägt haben. Ich bin in der Sparkasse und weit darüber hinaus mit großer Offenheit und Herzlichkeit aufgenommen worden. Für mich beginnt Ankommen nicht mit einer neuen Adresse, sondern mit Begegnungen. Wenn Menschen aufeinander zugehen, entstehen Vertrauen und Verbundenheit. Ein schönes Beispiel dafür war die Übernahme unseres Hauses in Neumünster: Die bisherigen Eigentümer haben unsere künftigen Nachbarinnen und Nachbarn zu Kaffee und Kuchen eingeladen, damit wir uns kennenlernen konnten. Diese herzliche Geste hat mich sehr berührt und sagt viel darüber aus, wie Menschen hier miteinander umgehen. Natürlich wird das Rheinland, in dem ich viele Jahre gelebt habe, und auch meine fränkische Heimat immer ein Teil von mir bleiben - das hört man wahrscheinlich auch an meinem Dialekt. Aber ich fühle mich im Norden und in Neumünster inzwischen wirklich zu Hause.
Wie lernen Sie die Stadt kennen?
Ganz bewusst nicht nur vom Schreibtisch aus. Zahlen, Daten und Fakten sind wichtig, aber sie erzählen nie die ganze Geschichte einer Stadt. Ich möchte die Menschen kennenlernen: bei Veranstaltungen, in Vereinen, bei Unternehmen, im Ehrenamt oder einfach im persönlichen Gespräch. Genau dort erfährt man, was eine Region bewegt und was sie besonders macht.
Was gefällt Ihnen besonders an der Stadt?
Was mir besonders gefällt, ist die Mischung aus Stadtleben, Natur und dem starken Miteinander. Neumünster entwickelt sich sichtbar weiter und gleichzeitig gibt es viele Orte, an denen man zur Ruhe kommen oder Menschen begegnen kann. Beeindruckt hat mich auch das große ehrenamtliche Engagement der beiden Neumünsteraner Bürgergilden. Solche Traditionen zeigen, wie stark der Zusammenhalt in einer Stadt sein kann. Besonders gefreut hat mich der Festzug der Jacoby-Bürgergilde mit dem Halt an unserer Sparkasse. Das war für mich ein sehr schöner Moment und ein besonderes Zeichen der Verbundenheit. Beim anschließenden Vogelschießen am Abend hatte ich dann viele Gelegenheiten, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen und Neumünster noch besser kennenzulernen.
Auch die Offenheit der Serviceclubs hat mich sehr beeindruckt. Gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen und der Gemeinschaft etwas zurückzugeben, hat mich schon immer begleitet. Deshalb freue ich mich darauf, diesen Gedanken künftig auch hier gemeinsam mit vielen engagierten Menschen weiterzutragen.
Haben Sie schon einen Lieblingsplatz?
Lieblingsorte habe ich inzwischen tatsächlich schon einige: Spaziergänge mit unserem Hund durch das Brachenfelder Gehölz gehören für mich zu den schönsten Momenten, um abzuschalten. Genauso genieße ich den Gerisch-Park mit seiner Verbindung aus Kunst, Natur und Kultur oder einen Besuch im Tierpark. Ich liebe es, auf dem Wochenmarkt einzukaufen und in einem der tollen Cafés mit einem Stück Kuchen Pause zu machen.
Und dann sind da die besonderen Momente mit meinen Kolleginnen und Kollegen, die die Stadt lebendig machen, zum Beispiel nach Feierabend gemeinsam über die Holstenköste zu schlendern oder in der Adventszeit im Sparkassendorf zusammen einen Glühwein zu trinken. Genau solche Erlebnisse sorgen dafür, dass aus einem neuen Arbeitsort langsam ein Zuhause wird.
Sie haben nicht nur eine neue Aufgabe übernommen - Sie schreiben auch Geschichte. Sie sind die erste Frau im Vorstand der Sparkasse Südholstein in ihrer fast 200-jährigen Geschichte. Wie fühlt sich das an?
Natürlich ist mir bewusst, dass ich als erste Frau im Vorstand der Sparkasse Südholstein ein Stück Geschichte mitschreibe. Das erfüllt mich mit großer Dankbarkeit – und zugleich mit Verantwortung. Ich sehe diese Rolle aber nicht als persönlichen Erfolg, sondern als Zeichen dafür, dass sich unsere Arbeitswelt weiterentwickelt. Entscheidend sollte heute nicht mehr sein, ob eine Frau oder ein Mann eine Führungsaufgabe übernimmt, sondern welche Haltung, welche Kompetenz und welche Ideen jemand mitbringt. Ich setze mich für Chancengerechtigkeit und Parität ein. Vielfalt entsteht dann, wenn unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen. Gleichzeitig bin ich überzeugt von einem meritokratischen Ansatz: Verantwortung sollte immer den Menschen übertragen werden, die mit Kompetenz, Leistung und Persönlichkeit dafür geeignet sind unabhängig vom Geschlecht. -
Wenn mein Weg dazu beiträgt, Menschen Mut zu machen, Führungsverantwortung zu übernehmen und ihren eigenen Weg zu gehen, freut mich das sehr. Denn gute Führung kennt kein Geschlecht - sie lebt von Haltung, Integrität und dem Willen, gemeinsam etwas zu bewegen.
Sie sind Teil eines Vorstandsteams. Was macht gute Zusammenarbeit auf dieser Ebene aus?
Vertrauen ist die Grundlage einer guten Zusammenarbeit.



Ich erlebe die Zusammenarbeit mit unserem Vorstandsvorsitzenden Martin Deertz als sehr partnerschaftlich. Er bringt 17 Jahre Vorstandserfahrung mit, ich neue Perspektiven und Impulse. Diese Kombination ergänzt sich hervorragend. Geprägt von gegenseitiger Wertschätzung und Vertrauen treffen wir Entscheidungen gemeinsam – immer mit dem Ziel, das Beste für unsere Sparkasse, unsere Mitarbeitenden und unsere Region zu erreichen.
Die Sparkasse ist gerade den Großflecken gezogen -wie empfinden Sie den Betrieb in der neuen Zentrale und was gefällt Ihnen besonders?
Vor allem begeistert mich, dass wir jetzt mitten in der Innenstadt präsent und für unsere Kunden noch besser erreichbar sind. Genau dort gehört eine Sparkasse hin - mitten ins Leben der Menschen. Unser neuer Hauptsitz verbindet moderne Technik mit persönlicher Beratung. Ein schönes Beispiel dafür ist unser Videoservice: Unsere Kunden erreichen uns an 50 Stunden in der Woche und können sich in mehr als 25 Sprachen beraten lassen. So verbinden wir digitale Möglichkeiten mit der persönlichen Nähe, für die die Sparkasse steht. Die zentrale Lage schafft außerdem Raum für besondere Begegnungen. Dass das traditionelle Turmkonzert am Heiligabend erstmals von unserem neuen Standort aus stattfinden konnte und auch in diesem Jahr wieder stattfinden wird, freut mich ganz besonders. Solche Momente zeigen, dass unsere Sparkasse ein Teil des gesellschaftlichen Lebens in Neumünster ist. Auch freue ich mich schon sehr auf den Einzug der Stadtbücherei, denn ich liebe die Literatur und hoffe, das Angebot oft nutzen zu können. All das zeigt: Unser neuer Hauptsitz ist weit mehr als ein modernes Bürogebäude – er ist ein Ort der Begegnung und ein sichtbares Bekenntnis zu unserer Region.



Viele Menschen verbinden mit einer Sparkasse in erster Linie Konten, Kredite oder Geldanlagen. Was macht eine Sparkasse aus Ihrer Sicht aus?
Eine Sparkasse ist weit mehr als ein Ort für Konten, Kredite oder Geldanlagen. Wir begleiten Menschen oft ein Leben - lang vom ersten Sparschwein über das Jugendkonto, die Finanzierung der ersten eigenen Wohnung oder eines Hauses bis hin zur Altersvorsorge oder der Gründung eines Unternehmens. Hinter jeder finanziellen Entscheidung stehen persönliche Geschichten, Wünsche und manchmal auch Sorgen. Deshalb ist Banking für mich vor allem ein Geschäft von Mensch für Mensch. Gleichzeitig übernehmen wir als Sparkasse Verantwortung für die Region - mit Spenden, Sponsorings und auch mit der Sparkassenstiftung. - Zudem bieten wir allen Bürgern sowie Unternehmen über unsere Plattform „Wir Wunder“ (www.wirwunder.de/suedholstein) die Möglichkeit, konkrete regionale Projekte von gemeinnützigen Einrichtungen finanziell zu unterstützen – und auch wir engagieren uns dort mit Überzeugung. Besonders beeindruckt haben mich außerdem unsere Ehrenamtstage: Jeder Mitarbeiter kann sich an zwei Arbeitstagen im Jahr für soziale Projekte engagieren. Dieses gelebte gesellschaftliche Engagement zeigt, was eine Sparkasse für mich ausmacht: wirtschaftlich erfolgreich sein und gleichzeitig Verantwortung für die Menschen und die Region übernehmen.
Gerade junge Menschen erledigen heute fast alles digital. Welche Rolle spielt dann noch die Filiale?


Digitale Angebote sind heute selbstverständlich - und sie werden in Zukunft noch wichtiger. Auch meine beiden Söhne sind mit dem Smartphone aufgewachsen und erledigen ihre Bankgeschäfte ganz selbstverständlich digital. Deshalb ist es unsere Aufgabe, genau dort zu sein, wo unsere Kunden uns brauchen: digital, persönlich und auf allen Kanälen. Gleichzeitig gibt es Lebenssituationen, in denen ein persönliches Gespräch unersetzlich bleibt. Beim Kauf einer Immobilie, der Gründung eines Unternehmens oder wichtigen Vermögensentscheidungen geht es um weit mehr als Zahlen. Dann braucht es Vertrauen, Erfahrung und Menschen, die zuhören und individuell beraten. Für mich ist das kein Entweder oder. Die Zukunft der Sparkasse liegt darin, digitale Möglichkeiten und persönliche Nähe intelligent miteinander zu verbinden.
Auch Künstliche Intelligenz verändert die Finanzwelt. Begegnen Sie dieser Entwicklung eher mit Begeisterung oder mit Vorsicht?
Mit einer gesunden Mischung aus Begeisterung und Verantwortung. Künstliche Intelligenz bietet enorme Chancen, Prozesse einfacher, schneller und effizienter zu gestalten. Dadurch gewinnen wir Zeit für das, was keine Technologie ersetzen kann: das persönliche Gespräch, individuelle Beratung und echte Beziehungen zu unseren Kunden. Für mich gilt dabei ein klarer Grundsatz: KI unterstützt den Menschen - sie ersetzt ihn nicht. Wir beschäftigen uns intensiv mit den Möglichkeiten von KI und fördern gleichzeitig die Kompetenz unserer Mitarbeiter im Umgang mit diesen neuen Technologien. Technologie ist dann gut, wenn sie den Menschen dient und einen echten Mehrwert schafft.
Viele Menschen verbinden Veränderungen im Bankgeschäft mit weniger persönlichem Service vor Ort. Auch die Sparkasse schließt zum Jahresende Filialen.
Ich kann die Sorge vieler Menschen gut verstehen. Veränderungen im Filialnetz fallen auch uns nicht leicht. Gleichzeitig hat sich das Kundenverhalten verändert: Viele Bankgeschäfte werden heute digital erledigt, persönliche Beratung ist vor allem bei wichtigen Lebensentscheidungen gefragt. Deshalb bieten wir unterschiedliche Wege an, um nah bei unseren Kunden zu sein - mit persönlicher Beratung in der Filiale, per Videoservice, durch unsere Mobile Filiale, die ab 2027 auch in Tungendorf Station machen wird, oder mit unserem Bargeldservice, bei dem Bargeld bequem nach Hause geliefert werden kann. Und mit unserem „Roten Schreibtisch“ kommen wir auch dorthin, wo unsere Kunden beraten werden möchten. Zu diesen neuen Angeboten stehen wir auch in engem Kontakt mit dem sehr engagierten Seniorenbeirat der Stadt.
Ist das vielleicht sogar die größte Herausforderung für Sparkassen in den kommenden Jahren?
Ja, davon bin ich überzeugt. Die größte Herausforderung wird sein, mit der rasanten technologischen Entwicklung Schritt zu halten und gleichzeitig das zu bewahren, was eine Sparkasse ausmacht: Vertrauen und persönliche Nähe. Menschen möchten ihre Bankgeschäfte einfach und digital erledigen - aber sie wollen auch wissen, dass jemand für sie da ist, wenn es darauf ankommt.
Welche Chancen sehen Sie für Neumünster?
Ich sehe in Neumünster großes Potenzial. Die Stadt verfügt über eine stabile wirtschaftliche Basis, eine hervorragende Lage und zählt heute zu den dynamischsten Regionen Deutschlands. Das aktuelle IW-Dynamikranking mit Platz zwei bundesweit unterstreicht diese positive Entwicklung. Vor allem aber begeistern mich die Menschen. Ich erlebe viel Engagement, innovative Unternehmen und einen starken Gestaltungswillen. Genau darin liegt für mich die größte Chance: gemeinsam die Zukunft dieser Stadt weiterzuentwickeln. Dabei möchte ich mit der Sparkasse Südholstein einen aktiven Beitrag leisten. Unter dieses Motto stellen wir auch unser 200-jähriges Jubiläum in 2027. Im gleichen Jahr wird Neumünster 900 Jahre alt. Es gibt also viel zu feiern, auf das wir zusammen stolz sein können!