Schließen
Um Ihre Registrierung abzuschließen, gehen Sie in Ihr E-Mail-Postfach und folgen dem Link in der Bestätigungsmail. Danach können Sie den Artikel frei lesen. E-Mail erneut senden

Flensburg als Tor zu Dänemark: Warum es so viele Menschen aus dem Königreich an die Förde zieht

Das Flensborghus in der Norderstraße von 1725: Seit 1920 dient es als Kultur- und Verwaltungszentrum der dänischen Minderheit. FOTOS: ANTJE WALTHER

Dänemark ist beliebt bei den Deutschen. Das zeigt unter anderem der Trend bei den deutschen Zuwanderern nach Süd-Dänemark. In den letzten vier Jahren ist deren Zahl von 4600 auf 8200 gestiegen.

Die Sympathie beruht auf Gegenseitigkeit. Flensburg und die Region sind ein Magnet für dänische Tagesgäste und Ferientouristen. Erklärungsmuster für die Attraktivität der Fördestadt, die so gern Großstadt wäre, gibt es einige. Beginnen wir die Suche nach Gründen doch in der Historie. Jeder weiß, dass die Geschichte beider Länder eng verflochten ist und in Flensburg selbst: unzertrennlich.

Da wäre der Bau der Duburg unter Königin Margarethe I. von Dänemark zu nennen ebenso wie König Christian I. von Dänemark, der 1460 zum Herzog von Schleswig und Grafen von Holstein wird. Damit ist er Regent über Flensburg. Im 16. Jahrhundert reift Flensburg zur bedeutenden Handelsstadt, der größten unter dänischer Krone. Dank des Handels mit Westindien Ende des 18. Jahrhunderts wird Flensburg zur Rumstadt. Im 19. Jahrhundert knirscht es zwischen Dänemark und Schleswig-Holstein, was in der Schleswig-Holsteinischen Erhebung (1848 bis 1851) und im deutsch-dänischen Krieg (1864) mündet. Schleswig-Holstein wird Provinz im Königreich Preußen und 1871 zum Teil des Deutschen Reiches. Nach dem Ersten Weltkrieg kommt es 1920 zur Volksabstimmung über die Grenze: Nordschleswig wird dänisch, Flensburg wird zur Grenzstadt.

Dänemark belegt Platz 2 unter den Top 5 der Herkunftsländer der Gäste in Flensburg. Nur bei den eigenen Landsleuten, also den Deutschen, ist Flensburg beliebter. Das zeigt die Touristen-Statistik der Gastgeber ab zehn Betten seit dem Jahr 2009.

Seither steigt die absolute Gästezahl fast stetig mit einer geringfügigen Abweichung im Jahr 2018. Da betrug sie 52.188 statt 52.976 wie im Vorjahr 2017. Ein echter Einbruch folgte dann mit dem Corona-Virus (30.073). Mit mehr als 47.000 Gästen aus Dänemark in Flensburg habe man 2023 fast schon wieder das Vor-Corona-Niveau erreicht, sagt Flensburgs Tourismus-Chef Gorm Casper. Der Anteil der dänischen Gäste an der Gesamtzahl bewegt sich laut Statistik seit 2013 immer zwischen 22 und 28 Prozent.

Das sind die Nachbarn, die zum Vergnügen nach Flensburg kommen. Und was ist mit der arbeitenden Bevölkerung, den Grenzpendlern? Auch hier hat die Statistik Antworten. Laut Regionskontor in Pattburg wurden zum Stichtag am 30. Juni 2022 in Flensburg gerade mal 134 Pendler von Dänemark gezählt (genauso viele wie übrigens im Kreis Schleswig-Flensburg), also Beschäftigte mit dänischem Wohnsitz. Bundesweit waren es nur 546. Auch wenn diese Zahl einige Arbeitsverhältnisse ausklammert (Beamte oder Freiberufler zum Beispiel), ist die Zahl gering. Erst recht im Vergleich zu den Grenzpendlern, die von Deutschland nach Dänemark pendeln. Diese Zahl betrug im Jahr 2022 immerhin 12.727 Arbeitnehmer in Dänemark, die deutsche Staatsbürger waren und nicht in Dänemark wohnen. Die Statistik weist zudem darauf hin, dass „die Gruppe dänischer Staatsbürger, die südlich der Grenze wohnen und in nicht geringem Umfang in Dänemark arbeitet”, nicht erfasst wurde. Darauf macht auch Peter Hansen, der Leiter des Regionskontor, aufmerksam. In einem früheren Interview vor fünf Jahren hatte er überdies davon berichtet, dass es früher unter Dänen sogar „in” gewesen sei, nach Flensburg zu ziehen. Eine durchaus naheliegende Erklärung für die Attraktivität Flensburgs für seine dänischen Landsleute hat. Lars Kofoed-Jensen. Der Direktor des Dansk Skoleforening for Sydslesvig (des dänischen Schulvereins) lebt in Flensburg und kennt beide Welten hervorragend.

Trotzdem schickt er bescheiden vorweg, dass es sich um eine „subjektive und nicht statistisch gesicherte Wahrnehmung“ handele. Aber die besagt ganz nachvollziehbar, dass die Beliebtheit viel mit einem beliebten Begriff zu tun haben könnte. Er spielt auf „hygge” an: „Hygge auf Dänisch ist mit Essen und Trinken verbunden“, sagt Kofoed-Jensen. Und das lasse sich in Flensburg und Umgebung hyggeliger und zu ganz anderen Preisen in die Tat umsetzen als in Dänemark. Ins „exotische Ausland“ (Flensburg..) müsse man nicht weit fahren, und die Auswahl an Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten sei groß in der Fördestadt. Deren Umgebung als attraktiv schließt der Schulverein-Chef unbedingt mit ein - dort und in der Stadt leisteten sich nach seiner Beobachtung auch mehr Dänen gehobenere Hotels. Die Kulturangebote sind nach Einschätzung von Lars Kofoed-Jensen eher nicht so sehr auf dänische Gäste ausgerichtet. Da würden schon eher die Hafenfeste auch dänische Besucher anziehen oder so etwas wie Weinfeste.

Das Thema Kultur wiederum hält Christian Dirschauer hingegen durchaus als potentiell anziehend. Und die Historie. Der 43-jährige Flensburger ist Landtagsabgeordneter für die Minderheitenpartei SSW. Neben einem Büro in Kiel hat er ein Büro in der Norderstraße in Flensburg, in der „Herzkammer der dänischen Minderheit“, wie er einmal sagte. Umzingelt von Institutionen wie Flensborghus oder Dänischer Zentralbibliothek liegen hier die zwei Kulturen mit den Sprachen nahe. „Mit dem Dänischen kommt man hier auch noch klar”, sagt Dirschauer, das sei bequem für Gäste aus Dänemark. „Wenn man herkommt, ist das auch ein Wohlfühlfaktor.“ Auch auf den dänischen Spuren, etwa in den Höfen Flensburgs, zu wandeln, das oft zweisprachige Kulturangebot zu nutzen, all das sei reizvoll. Praktisch sei ein Flensburg-Aufenthalt häufig ebenso für dänische Gäste, sagt der Politiker. Man könne Dinge kombinieren wie den Zahnarzt-Besuch und die Autoreparatur und auf dem Rückweg nochmal im Grenzhandel einkaufen, skizziert er. Für Kunden aus Dänemark habe das ökonomische Vorteile, und auch die hohe Qualität wissen die Nachbarn zu schätzen. Kurzum verbinde Flensburg „das Schönste aus Deutschland und Dänemark” und verfüge über ein Angebot, „das strahlt”. // Antje Walther

Meine Favoriten:
Alle Orte: