Herr Professor Stark, blicken wir auf die Landkarte der medizinischen Versorgung: Wie ist die Schön-Klinik Rendsburg aktuell aufgestellt, insbesondere im Vergleich zur großen Universitätsklinik in Kiel?
Stark: Aus Sicht der ärztlichen Direktion sind wir sehr gut aufgestellt. In den letzten zehn Jahren haben wir unser medizinisches Portfolio kontinuierlich geschärft. Wir verfügten schon lange über eine beachtliche fachliche Breite und Tiefe für die Menschen im Kreis Rendsburg-Eckernförde. Dass wir es trotz der schweren Jahre mit Pandemie und Insolvenz geschafft haben, uns als Klinik sogar noch weiter zu verbessern, macht uns sehr glücklich.
Was kann die privat geführte Klinik heute leisten, was früher in kommunaler Trägerschaft nicht möglich war?
Stark: Ein deutlicher Unterschied zu früher liegt in der Investitionskraft. Ein Krankenhaus ist heute ein Hightech-Unternehmen. Wir brauchen moderne Arbeitsmaterialien. Ob Röntgengeräte, Endoskope, Herzkatheter oder MRT-Geräte – wir reden hier schnell von Millionenbeträgen. Diese Investitionen in technische Geräte und auch in die Modernisierung des Gebäudes sind unter dem neuen Eigentümer Schön wesentlich einfacher geworden. Da ist jetzt richtig Schwung drin.
In der Politik wurde oft argumentiert, dass ein kommunales Krankenhaus besser sei, weil dort der Mensch im Mittelpunkt stehe. Bei Ihnen klingt es eher so, als sei die Mobilisierung von Kapital durch einen privaten Träger der entscheidende Faktor für Verbesserungen. Vermissen Sie das kommunale Modell überhaupt nicht?
Stark: Unter den gegenwärtigen politischen und ökonomischen Bedingungen ist der erfolgreiche Betrieb eines Krankenhauses mit seinen komplexen Strukturen und vielfachen Strukturvorgaben eine echte Herausforderung. Jede der möglichen Trägerschaften, also kommunale, private und konfessionelle Organisationen, hat sicherlich ihre Vor- und Nachteile. Bei vielen kommunalen Trägern kann man Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit von Aufsichtsrat und Klinikleitung sehen, das mag unter anderem mit der Aufgabenfülle der Kommunalpolitik zusammenhängen. Fakt ist: Die Dinge gehen jetzt schneller voran und das ist gerade aufgrund der aktuellen Entwicklungen entscheidend für die Aufrechterhaltung der guten medizinischen Versorgung hier im Kreis.
Der OP-Trakt wurde modernisiert, ein Hubschrauberlandeplatz ist auf dem Dach. Was fehlt der Ärzteschaft und dem Pflegepersonal noch zum vollkommenen Glück?
Stark: Technisch bewegen wir uns bereits auf einem sehr hohen Level, aber wir bleiben nicht stehen. Zurzeit befindet sich der zweite Bauabschnitt des Zentral-OP mit der Vorbereitungseinheit und dem Aufwachraum in der Fertigstellung und kürzlich haben die Arbeiten an der neuen Notaufnahme begonnen.
Wie ordnen Sie den Standort Rendsburg innerhalb des Schön-Klinik-Gruppe ein?
Stark: Wenn man die Kapazität und die Schwerpunktversorgung betrachtet, stehen wir im Konzern ganz oben. Wir sind ein Haus mit komplexer Medizin, großer Versorgungsbreite und hoher Versorgungstiefe. Das ist für den Konzern eine Bereicherung, was sich auch darin widerspiegelt, dass entsprechende Millionenbeträge für Investitionen zur Verfügung gestellt werden.
Ein kritischer Punkt in der deutschen Krankenhauslandschaft ist das Personal. Wie stabil ist die Lage in Rendsburg, insbesondere in der Pflege?
Stark: Die Lage hat sich gut stabilisiert. Besonders in den Funktionsbereichen wie dem OP oder der Intensivstation, wo spezielles Wissen und handwerkliche Fähigkeiten gefragt sind, konnten wir Fachkräfte gewinnen. Auch auf den Normalstationen sieht es wesentlich besser aus als noch vor einigen Jahren, auch wenn wir uns über weitere Unterstützung direkt am Bett immer freuen. Ein deutliches Zeichen für die Besserung ist der Rückgang von Honorarkräften. Wir bilden zudem in unserer eigenen Pflegeschule konsequent aus, was angesichts der immer komplexeren Anforderungen in der Medizin unerlässlich ist.
Gibt es medizinische Notfälle, bei denen Sie sagen müssen: Da können wir nicht helfen, das muss nach Kiel?
Stark: Wir haben natürlich nicht alle spezialisierten Fachbereiche wie eine Universitätsklinik, das wäre auch nicht sinnvoll. Sollte zum Beispiel ein herzchirurgischer Eingriff notwendig sein oder eine Organtransplantation, so müssen Patienten verlegt werden. Die weitaus meisten medizinischen Probleme können wir aber vor Ort lösen. Gerade bei planbaren Operationen nehmen Patienten zunehmend weite Wege auf sich, um sich von uns behandeln zu lassen.
Nach den Jahren des Auf und Ab mit Pandemie und Insolvenz: Können Sie und Ihre Kollegen sich heute wieder auf die eigentliche Arbeit am Patienten konzentrieren?
Stark: Soweit das in politisch unruhigen Zeiten möglich ist: Ja. Es ist viel Ruhe. eingekehrt. Die Insolvenz war aus medizinischer Sicht eine extrem schwierige Zeit, da wir uns auf völlig unbekanntem Terrain bewegt haben. Die Pandemie hingegen war vor allem eine rein medizinische Herausforderung – und Ärzte sind stets sehr gut darin, medizinische Probleme zu lösen. Das gemeinsam abgestimmte Vorgehen hat uns im Haus zusammengeschweißt. Aktuell ist die Zufriedenheit mit der medizinischen Versorgung, die wir unseren Patienten anbieten können, hoch.
Zentrum für Innere Medizin
Krebs, Herz, Magen: „So viele neue großartige Therapien“
Die Innere Abteilung zählte vor 35 Jahren zu den medizinischen Fachbereichen mit vergleichsweise hohen Sterberaten. Dank der Forschung hat sich hier viel getan. Besonders anschaulich lässt sich das an der Behandlung von gravierenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen ablesen. Anfang der neunziger Jahre starben bis zu 20 Prozent der ins Krankenhaus eingelieferten Infarkt-Patienten. Heute können die Ärzte deutlich mehr als 90 Prozent retten, „und zwar wenn die Patienten gleich in den ersten Stunden nach Schmerzbeginn in die Klinik eingeliefert werden“, sagt Professor Dr. Nour Eddine El Mokhtari, Chefarzt des Zentrums für Innere Medizin.

El Mokhtari verantwortet die größte Abteilung in der Schön-Klinik Rendsburg. Dazu gehören die Onkologie (Krebs), die Gastroenterologie (Darm), die Pneumologie (Lunge), die Nephrologie (Niere) und El Mokhtaris eigenes Spezialgebiet, die Kardiologie (Herz). Auf allen Gebieten hat die Forschung Erfolge erzielt. „Es gibt so viele neue großartige Therapien, das ist manchmal selbst für uns Ärzte verblüffend“, so der Chefarzt und nennt ein Beispiel: „Als ich studierte, hatte ein Patient mit der Diagnose metastasierender schwarzer Hautkrebs nur noch wenige Monate, heute können wir ihm dank der Antikörper-Therapien ein langes Leben ermöglichen.“ Der Kniff dahinter: Die Antikörper informieren das Immunsystem nicht nur darüber, wie die Krebszellen aussehen, sondern geben ihnen auch den Auftrag, sie zu zerstören.
Eine erfolgreiche Behandlung setzt voraus, dass man genau weiß, woran der Patient leidet. Die Diagnostik zählt zu den Stärken „der Inneren“. El Mokhtari: „Hier zahlt sich aus, dass wir nicht nur fachlich breit aufgestellt sind, sondern es innerhalb der Klinik eine sehr gute Vernetzung mit allen relevanten Bereichen gibt“. Kurz sind auch Wege zu den medizinischen Großgeräten, die einen Einblick in den Körper erlauben. Röntgen- und Ultraschall-Geräte zählen ebenso dazu wie Computer- und Magnetresonanztomographen. Auch diese Technik ist massiv weiterentwickelt worden. Ultraschallbilder des Herzens konnten vor 40 Jahren nur Superspezialisten interpretieren: „Heute bekommen wir selbst mit Ultraschall hervorragende dreidimensionale Bilder.“
Das ermöglicht in fast allen Fällen nicht nur eine Diagnose, sondern schafft auch die Grundlage für die notwendige Therapie. Manche Erkrankung, die man einst nur mit einer Operation heilen konnte, wird heute nahezu ausschließlich mit Medikamenten behandelt, etwa viele Magengeschwüre. Der Vagusnerv spielt hier eine zentrale Rolle. Er steuert gewissermaßen die Zellen, die die Magensäure bilden. Generationen von Chirurgen wurden darin ausgebildet, diesen Nerv bei einer Operation zu veröden, um den Teufelskreis der Geschwürbildung zu unterbinden. Heute weiß man, dass in der Mehrheit der Fälle das Bakterium Helicobacter für die Geschwürbildung mitverantwortlich ist. Spezielle Antibiotika machen ihm – schonend für die Patienten – den Garaus. Die Operation am Vagusnerv ist unnötig geworden.
Die nächste Stufe der medizinischen Entwicklung ist eng mit der Künstlichen Intelligenz verzahnt. Sie wird Untersuchungs- und Laborergebnisse zusammenführen und die behandelnden Ärzte dabei unterstützen, keine hilfreiche Option zu übersehen. Chefarzt El Mokhtari ist überzeugt: „KI wird uns dabei helfen, eine sehr hohe medizinische Qualität zu sichern.“
Zentrum für psychische Gesundheit
Moderne Psychiatrie: Ambulant zu neuer Stärke
Fast 30.000 Einwohner des Kreises Rendsburg-Eckernförde leiden an Depressionen, das entspricht über zehn Prozent der Bevölkerung. An Demenz sind 6500 Menschen erkrankt, und im Hinblick auf die Aufmerksamkeitsdefizits-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) gibt es im größten Kreis Schleswig-Holsteins 7000 Betroffene. Der gemeinsame Nenner: Die Zahlen steigen, bei ADHS sogar rasant. Seit 2015 um das Dreifache.

Gemeinsam mit seinem Team will Professor Dr. Bernhard Croissant den Betroffenen helfen. Seit Dezember 2025 ist er als Chefarzt an der SchönKlinik tätig. Croissant leitet das Fachzentrum für psychische Gesundheit. Es gibt offene und geschlossene Stationen mit insgesamt 120 Behandlungsplätzen in Rendsburg und Eckernförde. Der Hauptansatz des Mediziners bei der Behandlung der Patienten ist aber ein anderer: „Wir müssen die Psychiatrie aus der Ambulanz heraus denken“, sagt Croissant, „wir wollen Angebote in der Region machen und die Menschen in ihrer gewohnten Umgebung betreuen.“
Dazu zählt, die Menschen frühzeitig zu erreichen, damit beispielsweise aus einer leichten Depression keine schwere wird. Wer bei einem Verdacht auf Demenz umgehend die Spezialisten aufsucht, hat sogar die Chance, dem schleichenden Verfall der geistigen Fähigkeiten entgegen zu treten. Voraussetzung ist eine Diagnose. Dazu lohnt sich ein Besuch in der Demenzsprechstunde. „Da gehen wir der Frage nach, ob pure Vergesslichkeit vorliegt oder ob da wirklich Ungemach droht.“ Wird die Demenz in einem frühen Stadium erkannt, können moderne Präparate den Verlauf der Krankheit erheblich verlangsamen. „Und zwar um zwei bis fünf Jahre“, so der Chefarzt.
Croissants Spezialgebiet jedoch ist ADHS. Noch heute ist die Ansicht weit verbreitet, dass vor allem Kinder und Jugendliche betroffen sind – ein Irrtum, der zur Folge hat, dass viele erwachsene ADHSPatienten nicht ahnen, was ihnen das Leben erschwert. „Wenn sie dann die Diagnose gestellt bekommen, sind sie erleichtert“, hat Professor Croissant beobachtet. Und es ist zugleich eine Zäsur. Denn die Chance auf eine erfolgreiche Therapie ist groß. „Man muss zwar nicht alles medikamentös behandeln, aber die heutigen Präparate sind so gut, dass man fehlende Aufmerksamkeit und Konzentration wieder herstellen kann.“
Neue Angebote zur Erkennung und Behandlung von ADHS bei Erwachsenen sind im Aufbau. Der Chefarzt will das vorantreiben, zu einem kleinen Teil auch zur Selbstmotivation, wie Bernhard Croissant mit einem Schmunzeln verdeutlicht: „Es macht einfach Freude, wie viel man hier erreichen kann.“
Zentrum für Operative- und Neuromedizin
Präzise Schnitte, kaum Blut, schnellere Heilung
Wenn der Rücken plötzlich stechende Schmerzen verursacht oder das Gehen zunehmend schwerer fällt, klingt das nach einem Fall für die Neurochirurgen. Tatsächlich zählen Bandscheibenvorfälle und Spinalkanalstenosen, also Verengungen des Rückenmarkkanals, zu den häufigsten Krankheitsbildern, die Professor Dr. Andreas Stark und sein Team behandeln. Die Bedeutung der Abteilung für den klinischen Betrieb ist seit den Anfängen immer größer geworden. Vor zehn Jahren war Stark der einzige Neurochirurg an der Rendsburger Klinik, heute ist er Chefarzt eines medizinischen Fachbereiches mit sechs Ärzten.

Eine Neurochirurgie an einem regionalen Krankenhaus ist keine Selbstverständlichkeit, früher war sie sogar nahezu ausschließlich den Universitätskliniken vorbehalten. Aber bereits beim vorherigen Träger hat man die Bedeutung erkannt und die Neurochirurgie etabliert. Der neue Eigentümer Schön entwickelte das Konzept weiter. Denn die Expertise der Neurochirurgen ist vielfach gefragt, nicht nur bei Rückenproblemen. Auch bei der Tumorbehandlung oder bei Einblutungen im Kopf und nach einem Unfall kommen sie zum Einsatz.
Die Neurochirurgen sind die Spezialisten für Eingriffe mit einer Präzision im Millimeterbereich. Das bedingt ein ganz anderes Operationsbesteck. Bei einigen Instrumenten kann man mit bloßem Auge nicht erkennen, um was es sich handelt. Professor Stark: „Erst unter dem Mikroskop sieht man dann, dass sich am Ende des Instruments beispielsweise ein kleiner Haken befindet.“ Operiert wird meist unter Einsatz von Operationsmikroskopen. Demnächst folgt die nächste Evolutionsstufe. Stark und sein Team sollen ein Exoskop bekommen – ein hochauflösendes digitales Visualisierungssystem, das das Operationsfeld dreidimensional darstellen kann.
Was haben die Patienten davon? Die Antwort: deutlich kürzere Krankenhausaufenthalte. Vor 30 Jahren mussten Patienten nach einer Bandscheibenoperation zwei Wochen im Krankenhaus bleiben.
„Heute sind es nur noch zwei bis drei Tage“, erklärt Chefarzt Stark. Minimalinvasive Eingriffe reduzierten zudem die Zahl der benötigten Blutkonserven zum Teil drastisch, etwa bei Tumoroperationen: „Früher haben wir vor manchen Operationen vier Blutkonserven bereitgelegt, heute können wir das meist weglassen.“
„Eine Klinik wie unsere profitiert davon, dass wir quasi alle Experten unter einem Dach haben“, sagt Stark.
„Wir arbeiten beispielsweise eng mit den Kollegen von der Onkologie, der Strahlentherapie sowie mit allen weiteren zusammen.“ Auch in der Schmerztherapie spielt Neurochirurgie eine Rolle. Dafür kommen Elektroden zum Einsatz, die man unter die Haut implementiert. Die sogenannte funktionelle Neurochirurgie hilft, wenn die Ursache von Schmerzen nicht ausgeschaltet werden kann, aber der Schmerz selbst.
Zentrum für Frauen-, Perinatal & Altersmedizin
Natürliche Geburt – aber mit doppeltem Boden

Die meisten werdenden Mütter wünschen sich eine natürliche Geburt – und gleichzeitig Sicherheit für den Fall, dass medizinische Hilfe notwendig werden sollte. Auf diesem Wunsch baut das Konzept des Hebammenkreißsaals auf. Seit Anfang 2026 gibt es diesen im Zentrum für Frauen-, Perinatal- und Altersmedizin der Schön-Klinik. „Das Interesse ist sehr groß, die Sprechstunden sind oft ausgebucht“, sagt Dr. John-Kilian Rehbein, Chefarzt der Frauenklinik. Er arbeitet dabei eng zusammen mit Dr. Urte Büßen, Chefärztin der Pädiatrie.
18 Hebammen nutzen den Hebammenkreißsaal der Klinik. Die Frauen, die ihr ungeborenes Kind im Hebammenkreißsaal zur Welt bringen möchten, müssen dafür zwei Routinetermine absolvieren, einen in der frühen Phase der Schwangerschaft, einen in der späten. An beiden Terminen wird untersucht, ob der Hebammenkreißsaal in Frage kommt, also eine normale Geburt zu erwarten ist. 15 Frauen haben sich seit Jahresanfang dafür entschieden. Was die Mütter offensichtlich überzeugte: „Die Hebamme kümmert sich federführend um die Geburt. Aber wenn im Kreißsaal ein Problem auftauchen sollte, sind wir sofort da“, so Dr. Büßen.
Die Kinder- und Jugendmedizin genießt in der Rendsburger Klinik von jeher einen hohen Stellenwert. Das Krankenhaus ist eingestuft als Perinatalzentrum Level 2. Für Rendsburg bedeutet das: Die Mediziner sind vorbereitet auf Frühgeburten ab der 29. Schwangerschaftswoche oder ab einem Geburtsgewicht von 1250 Gramm. Ist eine Entbindung vor der 29. Woche erforderlich oder hat das Baby beispielsweise einen schweren Herzfehler, übernimmt ein Perinatalzentrum Level 1, etwa das Universitätsklinikum in Kiel.
Frühgeborene, die zwischen der 29. und der 36. Woche zur Welt kommen, haben einen hohen Betreuungsbedarf. Sie verbringen die ersten Wochen ihres Lebens auf der Kinder-Intensivstation. Dr. Büßen: „Oft brauchen sie Unterstützung bei der Flüssigkeitsaufnahme, dem Blutzuckerhaushalt und der Ernährung.“ Auch Infektionen werden hier behandelt. Dabei gibt es ein enges Miteinander zwischen Geburtshilfe und Kinderklinik, wie Dr. Rehbein betont: „Das ist definitiv eine Stärke unseres Hauses.“
Dazu zählt Rehbein auch die Strategie, drohende Frühgeburten hinauszuzögern, um dem Kind mehr Zeit für die Entwicklung im Mutterleib zu geben. Vielerorts werden bei der Wehenbremsung belastende Infusionen eingesetzt: „Unsere Therapie hingegen setzt auf die Verabreichung von Tabletten.“ Damit können die Mütter mobil bleiben. Gleichzeitig wird bei ungeborenen Kindern, bei denen eine Geburt vor der 34. Woche droht, eine Lungenreifungsbehandlung begonnen. Diese erleichtert dem Kind nach der Geburt das Atmen.
Wichtig ist den Ärzten, dass unter einer intensivmedizinischen Behandlung des Babys nicht die Mutter-Kind-Bindung beeinträchtigt wird. Aus Sicht von Chefärztin Büßen ist es wichtig, diese von Anfang an zu stärken: „Selbst intensivpflichtige Kinder mit Atemunterstützung können auf dem Bauch der Mutter kuscheln.“
Zentrum für Akut- und Notfallmedizin
„Erst die Atmung, dann der Kreislauf, anschließend alles andere“

Wenn jede Sekunde zählt, müssen alle wissen, was zu tun ist. „Erst die Atmung, dann der Kreislauf, anschließend alles andere“, skizziert Dr. Matthias Haut den Ablauf, der Leben rettet. Der Chefarzt der Zentralen Notaufnahme und sein Team behandeln jährlich etwa 32.500 Patienten. Mehr als jeder zweite ist so akut erkrankt, dass ein stationärer Aufenthalt erforderlich ist.
In die Zentrale Notaufnahme kommen Menschen mit den unterschiedlichsten Erkrankungen und Verletzungen, darunter Schlaganfall-Patienten oder Unfallopfer. Ebenso gibt es Patienten, die an Schmerzen leiden, deren Ursache sie sich nicht erklären können. Viele von ihnen werden vom Rettungsdienst gebracht, der bei schweren Notfällen bereits während der Blaulicht-Anfahrt erste Vitaldaten übermittelt. So kann das Team der Notaufnahme die ersten Vorbereitungen treffen und die Spezialisten hinzuziehen, auf deren Expertise es möglicherweise ankommt. Dr. Haut: „Wenn der Patient im Schockraum eintrifft, wartet dann schon ein großes Team aus Ärzten und Pflegekräften auf ihn.“
In Momenten wie diesen spielt die Rendsburger Klinik zwei ihrer größten Trumpfkarten aus, nämlich dass die Wege im Haus kurz sind und für nahezu jedes medizinische Problem ein fachkundiger Experte zur Verfügung steht. Dazu gibt es ein großes Portfolio an moderner Technik, vom Computertomographen bis zum High-Tech-Gerät für eine sogenannte Ecmo-Therapie. Die Abkürzung steht für das Wortungetüm „Extrakorporale Membranoxygenierung“, es handelt sich um eine Form der Herz-Lungen-Maschine.
Ein weiterer Meilenstein für die Notfallmedizin befindet sich hoch oben auf dem Dach: der im Juni vergangenen Jahres eingeweihte Landeplatz für den Rettungshubschrauber. Patienten, die der Rettungshubschrauber einfliegt, gelangen auf der Trage mit dem Fahrstuhl direkt in die Notaufnahme. Wegdauer: zwei Minuten. „Das ist ein erheblicher positiver Faktor“, so Chefarzt Dr. Haut. Als der Hubschrauber noch auf dem Nachbargebäude landen musste, waren es bis zum Schockraum etwa 20 Minuten. Wichtig: Die Abläufe sind festgelegt, die jeweiligen medizinischen Prozesse exakt definiert: „Es wird nichts dem Zufall überlassen.“
In der Notfallmedizin geht es nicht selten um Leben und Tod. Darüber müsse man sich immer bewusst sein, so Dr. Haut, und gleichzeitig dürfe dies niemanden in Panik versetzen, sondern man müsse tun, was man gelernt und immer wieder geübt hat. Zur Notfallmedizin sollte man nach Ansicht des Chefarztes einen Draht haben. Natürlich gebe es belastende Momente, beispielsweise wenn es um schwerverletzte Kinder geht. „Dann darf man auch als Arzt Emotionen zeigen, wir sind alle nur Menschen.“ In den allermeisten Fällen kann den Patienten geholfen werden – die schöne Seite des Arztberufs. Dr. Matthias Haut: „Wenn die Luftnot vorbei ist, die Schmerzen weg sind und es dem Patienten sichtlich wieder besser geht, erfüllt uns dies alle mit großer Zufriedenheit.“