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Traditionsschiff "Carmelan": Eine maritime Herzensangelegenheit

So traditionell die „Carmelan“ gebaut ist, so modern ist ihre Navigationstechnik. FOTO: WIBKE VON GRONE-LÜBKE

Das fast 26 Meter lange Segelschiff restauriert

ls ACO-Chef Hans-Julius Ahlmann vor 25 Jahren die "Carmelan“ das erste Mal erblickte, war er wenig begeistert. Das lag nicht an dem Schiff selbst. Vielmehr war es die vermeintliche Dreistigkeit des Kapitäns, die ihn verärgerte. Das fast 26 Meter lange Segelschiff hatte unerlaubt an der Obereider vor der alten Pferdehalterei festgemacht. Ahlmann eilte ans Ufer, um Schiff und Besatzung zu verscheuchen. 

Aber es kam ganz anders, wie er heute mit einem Schmunzeln erzählt: „Der Eigentümer Hagen Weihe war ein so freundlicher Mensch - innerhalb von ein, zwei Minuten haben wir Freundschaft geschlossen.“ Dann war Gelegenheit, das ehemalige Fischereischiff näher zu betrachten. Ein klassischer Bau aus Holz, beeindruckende Handwerkskunst in allen Details. Die anfängliche Verärgerung wich der Bewunderung. Ahlmann war fasziniert von dem Schiff. 

Natürlich durfte Hagen Weihe mit seinem Schiff an Ahlmanns Ufer bleiben. Ahlmann ließ sogar einen Steg für die Carmelan“ bauen. So wurde Büdelsdorf “ zum Heimathafen des 1927 in Dänemarkim Auftrag eines Fischers gebauten Haikutters. Die „Carmelan“ hatte zu diesem Zeitpunkt bereits eine bewegte Geschichte hinter sich. Sie war als klassischer Haikutter genutzt worden und musste den Stürmen in der Nordsee gewachsen sein. Mehr sogar: Das solide konstruierte Schiff, zunächst auf den Namen „Kristian“, später „Ene“ getauft, war auch vor Holland und England unterwegs. Die weiteste Reise als Fischereischiff führte in die Gewässer vor Grönland. Vier Mann dienten als Besatzung.

Unternehmen aus der Region

Mitte der siebziger Jahre lohnte sich die Fischerei nicht mehr. Die Bestände waren überfischt. Im Hafen von Esbjerg fristete die „Ene“ ihr Dasein, als sie von dem Schiffsbauer Hagen Weihe aus Alt Duvenstedt entdeckt wurde. Er taufte sie auf den Namen "Carmelan“ – nach einem gutmütigen Wassergeist.  

Weihe machte wieder ein zweimastiges Segelschiff daraus - so wie Schiffe dieser Bauart vor der Motorisierungswelle getakelt waren. Er erneuerte das Deck und ergänzte die Inneneinrichtung um eine Messe. Diese platzierte er an der Stelle, an der sich vorher der Frachtraum für Fische befunden hatte. All das geschah auf der Obereider, teils auf der Bölte-Werft, teils am Ahlmann-Kai. 

Liebevoll pflegte Weihe das Schiff, nutzte es für Charterfahrten, Tagestörns und für die Jugendsozialarbeit. In jener Zeit setzte er sich neue Ziele: Seine „Carmelan“ schaffte es bis ins Mittelmeer und sogar in die Karibik. Der leidenschaftliche Schiffsbauer, dessen Karriere als vierjähriger Steppke mit dem Bau eines Floßes auf der Schlei begonnen hatte, beherrschte eben sein Handwerk.

Im Jahr 2006 starb Hagen Weihe. Seine beiden Töchter und ein Freundeskreis kümmerten sich fortan um sein Lebenswerk. Doch die Herausforderungen wurden zu groß. Der Zahn der Zeit nagte am Rumpf, das Schiff verfiel und konnte nicht mehr genutzt werden. Es war klar: Ohne eine Grundsanierung würde es verfallen. Still lag es jahrelang am Ufer bei ACO an der Obereider. 

Hans-Julius Ahlmann wollte dem Verfall nicht tatenlos zusehen. Vor vier Jahren kaufte er das Schiff von den Erben Hagen Weihes. Er erwarb es für die gemeinnützige Offacon gGmbH, der er als Geschäftsführer vorsteht. Ziel der Gesellschaft ist in allererster Linie das Zeigen des Traditionsschiffes in Fahrt. Zudem wollte man mit Hilfe der "Carmelan“ die traditionelle Seemannschaft sowie Kunst und Kultur fördern. 

Schiffsbauer Hagen Weihe bewahrte das ehemalige Fischereischiff vor dem Verfall. In der zweiten Hälfte der siebziger Jahre entdeckte er es in Esbjerg, brachte es nach Schleswig-Holstein und baute es um. FOTO: ARCHIV ACO
Schiffsbauer Hagen Weihe bewahrte das ehemalige Fischereischiff vor dem Verfall. In der zweiten Hälfte der siebziger Jahre entdeckte er es in Esbjerg, brachte es nach Schleswig-Holstein und baute es um. FOTO: ARCHIV ACO

Dafür sollte die "Carmelan“ restauriert werden, um künftig als offizielles Traditionsschiff der Nachwelt erhalten zu bleiben, also als anerkanntes maritimes Denkmal. Doch nur wenige Werften sind für einen solchen Spezialfall gerüstet. Die „Carmelan“ besteht gänzlich aus Holz, während Schiffe heutzutage aus Stahl und Boote aus Kunststoff gefertigt werden. 

Bei einer Schleppfahrt zu einer Werft im Jahr 2021 wäre das Schiff beinahe vor Kiel gesunken. „Die Planken waren durch starke Sonnenbestrahlung weit aufgegangen“, schildert Ahlmann die Ursache des sich anbahnenden Dramas. So entstanden Ritzen zwischen den Planken. Als die Bugwelle beim Schleppen des Schiffes zu groß wurde, schwappte Wasser hinein. Nur durch das schnelle Eingreifen eines Seenotrettungskreuzers und der Wasserschutzpolizei und mit der Hilfe von fünf starken Lenzpumpen konnte die „Carmelan“ vor dem Untergang bewahrt werden.

Dies war in der Geschichte der "Carmelan“ Tiefpunkt und Aufbruch zugleich. Ahlmann suchte nach einer Werft, die es wirklich kann - und wurde an der dänischen Nordsee fündig. Die Werft „Hvide Sande Shipyard“ nahm den Auftrag an. Sie gilt als eine der ersten Adressen für die Restaurierung historischer Schiffe. Die Experten des Unternehmens gingen sogleich zu Werke, in enger Abstimmung mit dem Auftraggeber. „Wir haben bei ACO ein Team aus etwa 20 Fachleuten gebildet, die den Bau begleiteten“, sagt Ahlmann. Etwa alle 14 Tage bekam die Werft in Hvide Sande Besuch aus Büdelsdorf.

 Dabei wurde alles erneuert, was im Laufe von fast 100 Jahren morsch oder brüchig geworden war. Das gesamte Holz des Rumpfes wurde ausgetauscht, eine neue Maschine eingebaut, das Innenleben des Schiffes im alten Glanz wiederhergestellt und eine moderne Navigationstechnik eingebaut. Zweieinhalb Jahre lag das Schiff auf der Werft. Die Arbeiten waren zwar aufwändig. Doch dank der Erfahrung der Werft konnten sie effizient vonstatten gehen. Das dürfte auch dazu beigetragen haben, dass die Kosten beherrschbar geblieben sind. Die exakte Summe möchte Ahlmann nicht nennen: „Am Ende wurde es ein Millionenbetrag, aber das Traditionsschiff von 1927 soll jetzt weitere 100 Jahre halten.“

Unternehmen aus der Region

Hans-Julius Ahlmann ist sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Bei einer ersten Testfahrt in Nordsee und Limfjord im April zeigte die „Carmelan“, dass sie Wind und Wetter gewachsen ist. Als Traditionsschiff soll sie nicht in einer Bootshalle verschwinden.„Wir wollen sie zeigen“, sagt der Eigner. Beim Hamburger Hafengeburtstag vor zwei Wochen war sie zu sehen, viele weitere Termine sind in Planung. Möglicherweise werden Interessierte irgendwann sogar wieder mitfahren können. „Aber soweit sind wir noch nicht, vielleicht kommendes Jahr“.

Ein konkretes Vorhaben für das Schiff gibt es aber bereits. Das Geomar-Institut für Ozeanforschung in Kiel interessierte sich für ACOs Rolle als Unesco-Botschafter für sauberes Wasser und ebenfalls für die „Carmelan“. Gemeinsam unterzeichnete man eine Absichtserklärung, wonach Geomar das Schiff für die Forschung nutzen möchte. Die Wissenschaftler wollen ein Analysegerät installieren, das in der westlichen Ostsee automatisch Proben nimmt, um die Überdüngung des Meeres zu untersuchen.

Geomar will dabei mit Fachleuten der Süddänischen Universität in Odense kooperieren. Und das wiederum passt ausgezeichnet zur deutsch-dänischen Tradition der Familie Ahlmann: Die Zusammenarbeit von Fachleuten aus Büdelsdorf und Hvide Sande bei der Restaurierung des Traditionsschiffes „Carmelan“ würde damit einem deutsch-dänischen Forschungsprojekt zugute kommen.



Dirk Jennert


"Wir haben viele enge Rennen gehabt"

Organisator: Florian Berndt ist seit dem ersten Ruder-Marathon im Jahr 2001 dabei. FOTO: PATRICK SUN
Organisator: Florian Berndt ist seit dem ersten Ruder-Marathon im Jahr 2001 dabei. FOTO: PATRICK SUN

Ungewöhnlich früh im Jahr, vom 8. bis 10. August, gehen die besten internationalen Achter beim 25. SH Netz Cup auf die Strecke. Im Interview beschreibt Chef-Organisator Florian Berndt (43), Geschäftsführer der Canal-Cup Projekt GmbH, die besonderen Herausforderungen bei der Planung - und warum es bei der Jubiläums-Regatta zu einer sportlichen Premiere kommt.

Herr Berndt, Testfrage: Wie viele Nationen sind seit 2001 beim SH Netz Cup über die Langstrecke gestartet? Nicht im Handy nachschauen!
Berndt:
Das müsste ich eigentlich wissen... (überlegt zwei Sekunden) ... ich sage mal: 15. 

Es sind elf. Dazu der Cambridge-Achter beim Rennen 2006. Welcher Marathon verlief in Ihrer Erinnerung am knappsten?
Berndt:
Wir haben viele enge Rennen gehabt. Sogar einmal einen Abbruch mit Neustart. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir das Rennen 2018, wo sich Deutschland und Großbritannien über fast die gesamte Strecke bekämpft haben und die US-Boys dann einfach vorbeigezogen sind. 

Gibt es noch Kontakte zu den Bootsbesatzungen aus der Anfangszeit?
Berndt:
Ja, besonders zum Deutschland-Achter aus dem ersten Jahr. Wir treffen uns mindestens einmal im Jahr. Da ist eine richtige Freundschaft entstanden. 

Zu allen von damals?
Berndt:
Zu fast allen, ja. Besonders eng ist die Freundschaft zu Sebastian Schulte. Er war bei der Premiere 2001 Bugmann im siegreichen Deutschland-Achter. Schulte war also der erste Sportler überhaupt, der beim SH Netz Cup über die Ziellinie gefahren ist. Damals hieß das Rennen übrigens noch Canal-Cup. Heute ist Schulte Vorstandsvorsitzender des Kölner Motorenbauunternehmens Deutz AG. Im Winter waren wir zusammen im Skiurlaub in Norwegen.

Da der SH Netz Cup immer hinter Olympia oder Weltmeisterschaften zurückstecken muss, gibt es kein festes Austragungsdatum. Jeder SH Netz Cup wird anders terminiert. Wie schaffen Sie die Vorbereitungen trotzdem?
Berndt:
Wir sind ein seit Jahren eingespieltes Team, haben gewisse Abläufe verinnerlicht. Normalerweise ist es so, dass die Weltcup-Saison durch die WM abgeschlossen wird. In der Woche danach. findet der SH Netz Cup statt. In diesem Jahr ist es andersrum. Ganz bewusst und in Absprache mit den Trainern haben wir einen Termin festgelegt, der weit genug vor der Weltmeisterschaft (21. bis 28. September, d. Red.) liegt, um das Training nicht zu beeinflussen.


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