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Mit diesen Technologien heizt Rendsburg in die Zukunft

Photovoltaikanlagen decken in Deutschland etwa zwölf Prozent des Energiebedarfs (Stand 2023). Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes hat ihre Bedeutung für die Energieversorgung kontinuierlich zugenommen. 2013 lag der Solarstrom-Anteil bei sechs Prozent. FOTO: IMAGO

Wärmepumpen entziehen der Umgebung Wärme und heizen diese mit Hilfe von Strom auf, um das Haus zu heizen oder Warmwasser zu erzeugen.

Auf dem Weg zu Klimaneutralität kommt den Stadtwerken SH eine besondere Rolle zu. Doch wie will der Energieversorger die Mammutaufgabe umsetzen? Und welche Rolle spielen die Rendsburger Bürger dabei? Die Antworten kennen Thorsten Bock und seine Kollegen vom Wärmewende-Team der Stadtwerke.

Bis 2040 soll Schleswig-Holstein das erste klimaneutrale Industrieland sein – das zumindest hat sich die Landesregierung vorgenommen. Auch die Bundesregierung drückt aufs Tempo und verpflichtet die Städte und Gemeinden bis 2045 zur Kohlendioxid-freien Wärmeversorgung. Dass die Zeit der Gasheizungen vorbei ist, dürfte den meisten Menschen seit dem Kriegsbeginn in der Ukraine und der nachfolgenden Energiekrise klar sein. Doch was muss in Rendsburg konkret passieren, damit die Häuser, Wohnungen, Betriebe und öffentlichen Gebäude auch in Zukunft warm bleiben? 

Einer, der Antworten auf diese Frage hat, ist Thorsten Bock, Teamleiter für die Abteilung Wärmewende bei den Stadtwerken SH. Gemeinsam mit seinen Mitarbeitern stellt er die Weichen für den Umbau auf eine klimafreundliche Energieversorgung in der Stadt. Und das nicht nur für Rendsburg, sondern auch für Schleswig und Eckernförde. Denn das Unternehmen versorgt nicht nur alle drei Orte mit Wärme und Energie, sondern hat auch den Auftrag, Konzepte für die sogenannte kommunale Wärmeplanung – auch Wärme-Kälte-Planung genannt – zu erstellen. Die drei Mittelzentren müssen nach der gesetzlichen Vorgabe bis Ende 2024 ein Konzept zur zukünftigen Versorgung vorlegen.

GRUNDLAGE FÜR EINE NACHHALTIGE ENERGIEVERSORGUNG

„Die kommunale Wärmeplanung ist eine Art Inventur“, sagt Teamleiter Bock. „Viel Datenmaterial liegt bereits vor und wird jetzt aufbereitet.“ Sie sei die notwendige Basis für alle Maßnahmen, die in den kommenden Jahren auf dem Weg zu klimafreundlichen Energiesystemen umgesetzt werden. Häufig hätten die Menschen eine falsche Erwartungshaltung, was die kommunale Wärmeplanung leisten könne. Denn: Konkrete Projekte oder gar einen Leitfaden mit einzelnen Schritten enthält das Konzept nicht. „Wir geben Hinweise, wie die Wärmeversorgung künftig aussehen könnte und zeigen mögliche Potenziale auf.“ Auch eine Priorisierung verschiedener Energiequellen sei Teil. „Mehr aber auch nicht“, sagt Bock. Die konkrete Ausgestaltung der Pläne erfolge erst im Anschluss. Das erfordere häufig Geduld von Hausbesitzern. 

Doch wie wollen Bock und seine Kollegen dafür sorgen, dass die Wärmewende gelingt? Oder muss am Ende doch jedes Haus in eine Wärmepumpe investieren? „Es sind viele individuelle Lösungen möglich, um zu einer großen Lösung zu kommen“, sagt Bock. Als Beispiel nennt der Experte das Bau- und Gewerbegebiet Neuwerk-West auf dem Areal der ehemaligen Eiderkaserne. 340 Haushalte entstehen dort in den kommenden Jahren. Um sie zu beheizen, setzen die Stadtwerke auf einen Mix verschiedener Energieträger. Dazu zählen Pelletkessel, 45 Erdwärmesonden mit 180 Metern Tiefe, Solarwasserwärmepumpen, Luftwärmepumpen und Luftabsorber auf Hausdächern zur Nutzung von Solarthermie. 

VON DER GASHEIZUNG ZUM TECHNOLOGIE-MIX

Stadtwerke-Mitarbeiter Askan Grimmelsmann betont: „Es gibt nicht die eine Technologie, die in Zukunft Energie für alle liefert.“ Da müsse ein Umdenken stattfinden. Bislang sei für viele Menschen – egal ob Hausbesitzer oder Mieter – die Gasheizung jahrzehntelang der Standard gewesen, der einen ein Leben lang begleitet und zuverlässig mit Wärme versorgt. In Zukunft werde die Wärmeversorgung individueller und komplexer. Für jedes Haus und jedes Quartier müsse geprüft werden, welche Energiequelle geeignet ist. Wenn Erdwärme das Ziel sei, muss etwa der Untergrund geeignet sein. „Die unterschiedlichen Energiequellen müssen dann zu einem sinnvollen Paket zusammengebracht werden“, erläutert Grimmelsmann. „Wir müssen auf die Quellen zugreifen, die die Natur vor Ort bietet.“ 

Letztendlich seien es technische Lösungen, die die Stadtwerke-Mitarbeiter finden müssten, um die Ziele der Wärmewende umzusetzen, macht Katharina Behrens vom Wärmewende-Team deutlich: „Und als technische Herausforderung betrachten wir es auch.“ Vor allem zwei Aspekte stellen die Versorgungsprofis vor Herausforderungen. Zum einen müsse die zunehmende Anzahl von Energiequellen, die in das Stromnetz einspeisen, reguliert werden. Hierzu zählen unter anderem private Photovoltaikanlagen. „Auch die Steuerung bei Spitzenlasten, etwa an besonders sonnigen oder windigen Tagen, muss technisch umgesetzt werden“, sagt Behrens. 

SO BLEIBEN HÄUSER UND WOHNUNGEN AUCH IN ZUKUNFT WARM

Das Team Energiewende der Stadtwerke SH geht mit Schwung in den Transformationsprozess: Katharina Behrens, Thorsten Bock, Julia Jürgensen und Askan Grimmelsmann (von links). FOTO: STAUDT
Das Team Energiewende der Stadtwerke SH geht mit Schwung in den Transformationsprozess: Katharina Behrens, Thorsten Bock, Julia Jürgensen und Askan Grimmelsmann (von links). FOTO: STAUDT

Die Experten sind sich jedoch einig, dass die Umstellung der Energieversorgung keinen Einfluss auf die Versorgungssicherheit haben wird. „Die Systeme werden komplexer als in der Vergangenheit“, sagt Bock. „Da ist eine intelligente Zusammenarbeit notwendig.“ Dass Wärmewende gelingen könne, zeige sich bereits in Ländern, die in der Transformation schon weiter fortgeschritten sind. „Ein Blick nach Dänemark oder in andere EU-Länder zeigt, dass es mit regenerativen Energien funktioniert.“ 

Damit die Umstellung auf eine klimafreundliche Wärmeerzeugung funktioniert, ist laut Bock die richtige Kommunikation ausschlaggebend. „Wir müssen die Anforderungen verständlich darlegen“, sagt der Stadtwerke-Experte. „Und dazu gehört, dass wir die Wärmewende nur als Gemeinschaft umsetzen können.“ Wenn sich bei einem Quartierskonzept von 100 Häusern in der Straße nur 30 beteiligen, sei das nicht umsetzbar. Einzellösungen seinen jedoch in vielen Fällen noch teurer. 

WÄRMEWENDE: HOHE INVESTITIONEN, STABILE PREISE?

„Dazu müssen wir die Sorgen nehmen, aber auch transparent sagen: Die Wärmewende wird gesamtgesellschaftlich viel Geld kosten.“ Das liege zum einen an dem Wert und der Wartung der Technik, die künftig verwendet wird. Zum anderen würden die Kohlendioxid-Abschläge in den kommenden Jahren steigen. „Die Zeiten, in denen die Kilowattstunde Gas 6,5 Cent gekostet hat, wird nicht wiederkommen.“ Grund für Panik sei das jedoch nicht. Etwa durch energetische Sanierungen würden auch die Verbräuche in Zukunft sinken. Im Ergebnis könnte die Rechnung gleich bleiben. „Außerdem sind die Preise langfristig kalkulierbarer, weil Investitionen in grüne Technologien uns unabhängig machen von denen, die es nicht gut mit uns meinen.“ 

Auch Rendsburgs Bürgermeisterin Janet Sönnichsen sieht in der Wärmewende die Möglichkeit, dass die Stadt „einen Werkzeugkasten an die Hand bekommt, womit eine effiziente Nutzung von Energie, eine Reduzierung der Kohlendioxid-Emissionen und Energieversorgungssicherheit gewährleistet werden kann“. Sönnichsen rät Hausbesitzern, die Ergebnisse der kommunalen Wärmeplanung abzuwarten, um eine Orientierungshilfe zu erhalten. 

Für Bock und sein Team ist es letztendlich entscheidend, möglichst viele Menschen von den Möglichkeiten der Wärmewende zu überzeugen. „Begeisterung schaffen ist die Lösung.“ Jeder müsse wissen, dass es Unsinn sei, eine funktionierende Gasheizung herauszureißen. „Aber es bietet sich eventuell die Chance, an ein gemeinsames Netz angeschlossen zu werden“, sagt Bock. „Wichtig ist, dass sich die Menschen umfassend informieren.“ Lutz Timm

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