Seit 2020 wird die Oststrecke des Nord-Ostsee-Kanals ausgebaut. Allein im ersten Bauabschnitt bewegen die Arbeiter 2,5 Millionen Kubikmeter Material. Ein Blick nach Ägypten veranschaulicht, wie gigantisch diese Menge ist.
Die ersten Baumaschinen rückten im Januar 2020 an. Seitdem wird am Nord-Ostsee-Kanal zwischen Großkönigsförde im Westen und Schinkel im Osten gebaggert. Die 4,3 Kilometer lange XXL-Baustelle bildet den ersten Abschnitt für den Ausbau der NOK-Oststrecke. In späteren Phasen soll der Ostteil der Wasserstraße ab Großkönigsförde dann weiter bis Neuwittenbek bei Kiel verbreitert werden. Das Ziel ist auch, Begegnungsverkehr großer Schiffe zu ermöglichen. Deshalb wird die Sohlbreite von 44 auf mindestens 70 Meter verbreitert.
Georg Lindner hat als Projektbeauftragter des Wasserstraßen-Neubauamts Nord-Ostsee-Kanal (WNANOK) auf der XXL-Baustelle den Überblick. Auf dem ersten Abschnitt laufe es gut. „Wir liegen gut im Zeitplan“, sagt Lindner. Das bedeutet, dass bis Ende 2024 sämtlicher Aushub zwischen Großkönigsförde und Schinkel fertig sein soll.
Dabei wird zwischen zwei Arten von Erdbewegungen unterschieden. Der sogenannte Trockenaushub – also das Verbreitern über Wasser – soll dieses Jahr fertig werden. Dann werden am Nordufer insgesamt 1,3 Millionen Kubikmeter abgetragen sein. 750.000 Kubikmeter davon wurden zur Dauerlagerung auf die in der Nähe liegenden Flächen Kippland und Ziegelgrube gebracht, die jetzt wieder landwirtschaftlich genutzt werden sollen. Zudem wurden von der Baustelle mit Schuten genannten Spezialschiff en 550.000 Kubikmeter nach Flemhude gebracht. 200.000 Kubikmeter wurden zum Bau eines 500 Meter langen und zehn Meter hohen Lärmschutzwalls an der Autobahn 210 verwendet. Der Rest kam auf die Lagerfläche „Spülfeld Flemhude“.
Die zweite Art der Erdbewegung ist der Nassaushub. „Ende 2023 wollen wir damit beginnen“, kündigt Lindner an. Das dürfte Kanalanliegern spektakuläre Ansichten verschaff en. Denn ein 60 Meter langer Großbagger wird Erdreich vom Kanalgrund holen. 1,2 Millionen Kubikmeter Nassaushub werden erwartet. Sie kommen aber nicht an Land, sondern in die Ostsee vor Damp. Sechs Schuten bringen den Aushub dorthin. 2025 setzt Lindner für Restarbeiten und Dokumentationen des ersten Abschnitts an.
Rechnet man die Menge des Nassaushubs und des Trockenaushubs zusammen, werden insgesamt 2,5 Millionen Kubikmeter Material bewegt. Wie gigantisch diese Menge ist, veranschaulicht ein Vergleich mit dem größten Bauwerk der Ägypter: Die Cheops-Pyramide, die als Grabmal für den Pharao Cheops gebaut wurde, hat ein Volumen von knapp 2,6 Millionen Kubikmetern.
Die angesetzten Kosten für den Abschnitt zwischen Großkönigsförde und Schinkel haben sich seit 2022 auch durch den Krieg in der Ukraine von 117 Millionen Euro auf rund 120 Millionen Euro erhöht. 2026 sollen dann die Arbeiten am nächsten 2,5 Kilometer langen Abschnitt von der Fähre Landwehr bis zur Kurve Landwehr beginnen. Wann der Oststrecken-Ausbau beendet sein wird, mag er aufgrund des schon jetzt bestehenden Fachkräftemangels nicht genau terminieren.
„Im Lauf der 2030-er Jahre“, sagt er. Bislang sind für das Gesamtprojekt Ausgaben von 500 Millionen Euro vorgesehen. Rainer Krüger