Auf Wikingerevents ist der Schmied Matthis Krebs eine Attraktion. Der Wahl-Rendsburger aus Süddeutschland will mit Hammer und Amboss schöne Dinge "für die Ewigkeit schaffen“.
Nur selten sieht er von seiner Arbeit auf, seine Gedanken sind tief irgendwo zwischen Amboss und glühender Kohle versunken. Metallische wiederkehrende Hammerschläge hallen durch die Luft und kündigen ihn lange - bevor man ihn zu sehen bekommt – an. Nur wenige Menschen nennen Matthis Krebs beim Vornamen und selbst für enge Freunde ist er „Der Schmied“. Auf Wikingerevents, Mittelalter- und Weihnachtsmärkten im Norden ist der Wahl-Norddeutsche mit seiner Dämmerschmiede mittlerweile zu einer Attraktion geworden. Nicht nur der massiven Messer, filigranen Armreifen, Kettenanhängern, schwarzen Rosen und fliegenden Drachen aus hartem Stahl wegen. Der hochgewachsene Kerl in zerschlissener Lederschürze, schweren Stiefeln und mit rauen Gesichtszügen hat schon beinahe so etwas wie eine eigene Fangemeinde.


Geboren und aufgewachsen in Süddeutschland, hat alles mit einem Praktikum für das Maschinenbau-Studium angefangen. „Drehen, schweißen, fräsen, schmieden fand ich einfach cool“, so der 44-Jährige. Das Handwerk wird sein Hobby und bald schon bucht man ihn für kleinere Weihnachtsmärkte. Seine Ausrüstung ist da eher „rudimentär“, erinnert er sich. Zwei Ambosse sind sein Startkapital. Bei Hochkonjunktur sind es mittlerweile bis zu 20, und der Einstiegspreis pro Stück liegt bei gut 600 Euro. „Für mich ist das meine Passion, und wie andere sich ein SUP-Board kaufen, lege ich mir eben einen Amboss zu.“ Doch die hohe Kunst der Metallbearbeitung wird ihm erst ein Meisterschmied aus Südtirol zeigen. „Eines Tages stand er an meinem Stand und beobachtete mich eine ganze Zeit lang“, erzählt Matthis Krebs. Zwar würde er „den Stahl mehr verhauen, als schmieden“, doch der damals 73-Jährige will ihn unterrichten. „Er hatte keine Kinder, an die er seine Erfahrung hätte weitergeben können, und er hat mir meinen Enthusiasmus wohl angesehen“, weiß Matthis Krebs. Die Bedingung: Wann immer der Meister nach ihm ruft, habe sein Schüler anzutreten. „Da war es ihm auch egal, ob es einen Schneesturm auf dem Brenner gab oder ich mit Fieber im Bett lag.“ Würde er auch nur einen einzigen Tag fehlen, dann wäre das Abkommen hinfällig.
Über zwei Jahre lang lernt Matthis Krebs neben seinem Studium alles über die richtige Körperhaltung, Schlagtechnik und bekommt ein jahrhundertealtes Wissen mit auf den Weg. „Es hat schon seinen Grund, dass Schmied ein richtiger Lehrberuf ist.“


Auch beschäftigte sich Matthis Krebs schon von Kindesbeinen an mit dem nordischen Glauben. „Ich hatte bereits mit 14 Jahren einen Thorshammer um den Hals hängen“, sagt er. Daher hat sein Hobby und kleines Nebengewerbe auch den Namen „Dämmerschmiede“ bekommen, angelehnt an den Wikingermythos des Weltuntergangs Ragnarök.
2018 dann zieht es ihn der Liebe wegen in den hohen Norden, und seitdem lebt Matthis Krebs in der Nähe von Rendsburg und ist Angestellter im Bauamt.
Nach über zwei Jahrzehnten ist seine Leidenschaft fürs Schmieden und sein Gespür fürs Feuer ungebrochen. „Schönheit aus kaltem toten Stahl zu formen, das macht mich zufrieden. Für mich ist es ein wunderbarer Gedanke, etwas für die Ewigkeit zu erschaffen.“ Julia Voigt